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Eintracht Frankfurt : Warten auf Verstärkung

Noch viel Platz auf der Bank: Sportdirektor Bruno Hübner muss noch Lücken im Frankfurter Kader schließen. Bild: Heiko Rhode

Wenig Geld und viele Probleme: Der Wechsel von Joselu setzt die Eintracht unter Zugzwang. Hübner bittet um Geduld und spekuliert auf die WM. Test gegen Inter am 10. August.

          Auch mit ein wenig Abstand hat sich der Frust noch nicht verflüchtigt. Den Verantwortlichen der Eintracht macht der Wechsel ihres Wunschstürmers Joselu schwer zu schaffen. „Das ist deprimierend“, kommentierte Sportdirektor Bruno Hübner den Schritt des Spaniers, der die Frankfurter Offerte ausschlug und sich stattdessen am Montag bis 2018 an Hannover 96 band. Dem Vernehmen nach waren die Niedersachsen bereit, fünf Millionen Euro Ablöse an die TSG Hoffenheim zu zahlen, die die Transferrechte an dem Vierundzwanzigjährigen besaß. Eine Summe, die das Angebot der Hessen um rund ein Viertel überstieg. Beim Buhlen um den Wunschkandidaten, räumte Hübner ein, sei der Klub „wieder einmal an finanzielle Grenzen gestoßen“. Er klang desillusioniert. Hannover habe eben „ganz andere Mittel“. Wobei sich diese Äußerung bei genauerem Hinsehen nur schwer in den aktuellen Zahlen wiederfinden läßt.

          Kauf eines WM-Teilnehmers kommt nicht in Frage

          Marc Heinrich
          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In ihren letzten Veröffentlichungen gaben die 96er für ihren Lizenzspieler-Etat Ausgaben von 33 Millionen an, der Eintracht standen rund 500.000 Euro weniger zur Verfügung. An dieser fürs Fußballprofigeschäft überschaubaren Differenz wird die erhoffte Übereinkunft wohl eher nicht gescheitert sein. Stattdessen scheint der Tabellen-Dreizehnte der unlängst abgelaufenen Saison nicht in der Lage gewesen zu sein, die Gehaltsvorstellungen des Spaniers zu erfüllen, der zuletzt schon ein Jahressalär in siebenstelliger Höhe kassierte – und künftig bei seinem dritten Verein binnen drei Jahren garantiert nicht zu den Geringverdienern zählen wird; Joselus Wert stieg durch die neun Treffer in der vergangenen Runde für die Eintracht.

          Bei der Suche nach einem Nachfolger für den Angreifer, kündigte Hübner abermals an, werde er sich Zeit lassen: „Wir warten jetzt ab, was auf dem WM-Markt passiert.“ Der Dreiundfünfzigjährige, der noch mindestens einen Profi für jeden Mannschaftsteil holen muss, um die vorhandenen Leerstellen adäquat zu füllen, spekuliert darauf, dass durch die an diesem Donnerstag in Brasilien beginnende Weltmeisterschaft neuer Schwung auf dem Transfermarkt entsteht. Den Kauf eines WM-Teilnehmers kommt dabei eher nicht in Frage. Wem das (Klein-)Geld für einen Bundesligastürmer fehlt, muss sich um eine internationale Branchengröße keine Gedanken machen.

          Neue Spieler sollen bis zum Start von Schaaf da sein

          Hübners Idee ist eine andere: Er spekuliert, dass die besser betuchte Konkurrenz rund um die Titelkämpfe ihre Kader ergänzt und bei den Topadressen Spieler ins Hintertreffen geraten, die dadurch Interesse an einem Umzug nach Frankfurt bekommen könnten. Als einziger offizieller Abgesandter ist in Brasilien Bernd Hölzenbein vor Ort. Der Chef der Scouting-Crew kann während seiner Abwesenheit nur eingeschränkt auf die Hilfe von Mitarbeitern aus den eigenen Reihen in der Heimat zählen, denn seine Abteilung wird in diesem Sommer nach der Trennung von Ralf Weber ebenfalls personell umgekrempelt. Bis zuletzt ist es der Eintracht jedenfalls nicht gelungen, Hölzenbeins Entsendung überzeugend zu begründen. Er ist dort, mehr nicht – so unentschlossen-realistisch wirkte jedenfalls die offizielle Haltung.

          So oder so, Trainingsauftakt unter der Regie des neuen Cheftrainers Thomas Schaaf ist am Dienstag, 1. Juli, bis dahin sollte Verstärkung für den Angriff an Bord, mindestens aber auf dem Weg zur Eintracht sein. Dass die übrig gebliebene Besetzung Vaclav Kadlec und Luca Waldschmidt zu schmalbrüstig ist, um die Frankfurter über Wasser zu halten, dürfte unstrittig sein. Der 22 Jahre alte Tscheche und das 18 Jahre alte Eintracht-Talent brauchen zwingend Unterstützung, nimmt man die Erfahrung aus der vergangenen Saison und die Besetzung bei anderen Vereinen zum Maßstab. Zum Vergleich: Mainz 05 zum Beispiel hat aktuell die Angreifer Eric-Maxim Choupo-Moting, Shinji Okazaki, Sebastian Polter, Shawn Parker und Dani Schahin unter Vertrag – und wenn der WM-Starter Choupo-Moting demnächst einen neuen Verein präsentiert, womit in Mainz fest gerechnet wird, dann dürften die Bundesliga-Nachbarn Frankfurt und Mainz zu Konkurrenten auf dem Transfermarkt im Segment Angreifer mit Stammspieler-Potential werden. Zuletzt hatten beide Vereine ja schon einmal jeweils eine prominente Leerstelle zu füllen, und zwar, als Nachfolger für die Trainer Armin Veh und Thomas Tuchel gesucht wurden. Was in Frankfurt zu einer quälend langen Angelegenheit wurde, erledigte der Mainzer Manager Christian Heidel mehr oder weniger im Handumdrehen. Es ist zwar kein Wettrennen, das sich beide Vereine auf diesem Gebiet liefern – aber die Eintracht kann am Ende trotzdem wie ein Verlierer dastehen.

          Wie ein Gewinner darf sie sich dagegen schon auf einem anderen Feld fühlen, denn Testspielgegner der Kragenweite Inter Mailand werden in der Region auch nicht gerade oft vorstellig. Die Frankfurter aber haben es geschafft, die Italiener zum gemeinsamen Kräftemessen zu gewinnen – und zwar am Sonntag, dem 10. August, beim ersten sogenannten „Frankfurt Main Finance Cup“ in der Frankfurter Arena. Um halb vier startet dieser Höhepunkt bei der traditionellen Saisoneröffnungsfeier – womöglich sogar mit neuem Stürmer.

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