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Eintracht Frankfurt : Von wegen Eintracht

  • -Aktualisiert am

Doppelkopf: Eintracht-Trainer Veh und Manager Hübner haben vor dem Saisonstart in der zweiten Liga alle Hände voll zu tun – und so manche Sorge. Bild: Wolfgang Eilmes

Die „Fälle“ Schwegler und Russ zeigen, dass Trainer, Manager und Vorstandschef vor dem Start der zweiten Liga konträr planen.

          Die Suche der Frankfurter Eintracht nach Innenverteidigern ist schwierig und war zuletzt geprägt von Rückschlägen. Andreas Wolf vom 1.FC Nürnberg hatte lange Interesse gezeigt, in die zweite Liga zu wechseln, konnte sich aber dann doch nicht dazu entschließen. Er ging stattdessen nach Bremen. Der jüngste Favorit, der Kroate Gordon Schildenfeld von Sturm Graz, schien am Montag schon auf dem Weg nach Frankfurt, ehe sein aktueller Arbeitgeber ein Veto einlegte. Die Zeit bis zum Saisonstart wird für die Eintracht immer knapper, die Nerven der Verantwortlichen sind durchaus strapaziert, was offizielle Aussagen in den vergangenen Tagen deutlich machen. Der Spagat zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlicher Notwendigkeit stellt Vorstandschef, Sportdirektor und Trainer auf harte Proben.

          Trainer Armin Veh hat sich aus sportlicher Sicht unmissverständlich geäußert. Er will den vom VfL Wolfsburg umworbenen Marco Russ behalten und neben Schildenfeld noch einen weiteren Innenverteidiger holen. Seine Formel: Russ plus zwei. Sportchef Bruno Hübner sähe die Eintracht mit Russ und Schildenfeld „gut aufgestellt“. Also Russ plus eins. Und Vorstandschef Heribert Bruchhagen würde Russ wohl gerne für drei oder vier Millionen Euro an Wolfsburg verkaufen. „Werthaltige Spieler, die nicht bereit sind, ihre Verträge über die kommende Saison hinaus zu verlängern, muss jeder Verein auch unter Transfergesichtspunkten betrachten“, sagte er. Womöglich also eine neue Variante, nämlich: zwei Neue minus Russ.

          Der Poker um den Kroaten Schildenfeld geht weiter

          Noch deutlicher werden die unübersehbaren Differenzen, wenn es um Pirmin Schwegler geht. Der Trainer hat den Schweizer für „unverkäuflich“ erklärt. „Wenn ich sage, er bleibt, dann bleibt er“, sagte Veh. Auch Bruchhagen sagt, Mittelfeldspieler Schwegler solle bleiben, schränkt in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ aber ein, „dass es mir obliegen könnte, bei Bruno Hübner und Armin Veh entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten“. Hübner will sich darauf keinesfalls einlassen. „Die Personalie Schwegler ist eine, die wir nicht diskutieren“, sagte er am Dienstag, „er ist unser Kapitän, ihn brauchen wir, er ist unverkäuflich“. Das wäre geklärt – zumindest vorläufig.

          Derweil geht der Poker um den Kroaten Schildenfeld weiter. „Der Spieler will zu uns“, sagt Hübner, der den 26 Jahre alten Abwehrspieler schon einmal vor zwei Jahren nach Duisburg geholt hatte. Doch bisher können sich die Vereine über die Modalitäten des Wechsels nicht einigen. Sturm Graz will mindestens eine Million Euro als feste Ablöse, die Eintracht würde lieber erst eine Leihgebühr bezahlen. In diesem speziellen Fall stehen beide Verhandlungspartner unter Zeitdruck. Sturm Graz spielt nächste Woche in der Champions-League-Qualifikation gegen die ungarische Mannschaft von Videoton Szekesfehervar und würde Schildenfeld gerne noch einsetzen. In der Kürze der Zeit einen Ersatz zu finden, ist allerdings schwer, denn Innenverteidiger werden gesucht – nicht nur in Deutschland. Beide Verein haben also noch reichlich Verhandlungsbedarf.

          Ärger über schlechtes Benehmen

          Funkstille herrscht dagegen in Richtung Wolfsburg. Ein Verkauf von Marco Russ an den VfL Wolfsburg ist zumindest aktuell kein Thema, versichert Hübner. „Marco ist ein Spieler von Eintracht Frankfurt und wird mit Sicherheit für uns beim Auftakt in Fürth spielen.“ Das gilt für zwei Rückkehrer nicht. Sowohl Habib Bellaid als auch Nikola Petkovic, zuletzt ausgeliehen nach Frankreich und Saudi-Arabien, haben sich verletzt zurückgemeldet. „Keine ideale Situation“ nennt Hübner das. Bellaid leidet an einer Kniereizung und kann nichts dazu beitragen, die Innenverteidiger-Diskussion zu entspannen. Und Petkovic ist mit einer Knöchelverletzung zurückgekehrt. Immerhin hat Benjamin Köhler nach überstandener Kniereizung das Training wieder aufgenommen.

          Bei all den Diskussionen im Spannungsfeld zwischen sportlicher Qualität und finanzieller Solidität ärgert sich Hübner besonders über das Verhalten sogenannter Eintracht-Fans, die sich zuletzt wieder beim Freundschaftsspiel in Bern von ihrer schlechten Seite gezeigt haben. „Wenn Sponsoren und andere Zuschauer diese Bilder sehen, könnten sie sich abwenden vom Klub“, sagt Hübner, „da müssen wir uns dringend etwas einfallen lassen.“ Es sei „schizophren“, wenn sportliche Verstärkungen unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Machbarkeit geführt werden müssten, gleichzeitig der Eintracht aber durch Bestrafungen wegen Fan-Ausschreitungen „bis zu einer Million Euro“ durch die Lappen gingen. „Diese Leute schwächen den Verein“, sagt Hübner, „das ist Wahnsinn.“

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