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Eintracht Frankfurt : Wie ein Achtelfinale

Der Trainer und sein Torhüter: Adi Hütter und Kevin Trapp stehen in Straßburg Rede und Antwort. Bild: Jan Huebner

Eintracht-Torhüter Kevin Trapp erwartet ein „großes“ Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg und misst ihm besondere Bedeutung bei. Rund um das Stadion gelten für die rund 1200 Anhänger besondere Auflagen.

          Eigentlich ist es ja nur das Play-off-Hinspiel. Doch Kevin Trapp misst dem Duell gegen Racing Straßburg ungleich größere Bedeutung bei. „Gefühlt ist das wie ein Achtelfinale“, sagte der Eintracht-Torhüter. An diesem Donnerstag (20.30 Uhr/live in Nitro) kann Trapp gemeinsam mit seinen Frankfurter Spielkameraden die Basis dafür legen, dem wirklichen Achtelfinale zumindest ein Stückchen entgegenzukommen. Vorerst nämlich heißt das erste Traumziel der Eintracht: Gruppenphase der Europa League. Trapp erwartet im ersten Vergleich mit den erstklassigen Franzosen ein „großes Spiel“, wie er am Mittwochabend auf der offiziellen Pressekonferenz in den Katakomben des Straßburger Stade de la Meinau sagte. „Dafür müssen wir mental absolut bereit sein“, fügte der 29 Jahre alte Keeper an. Trapp ist sich sicher: „Dieses Spiel definiert unsere Saison.“

          Zurück in die Gruppenphase der Europa League. Die Eintracht ist geradezu beseelt von diesem Gedanken, und sie weiß auch, dass sie es mit einem gefährlichen und unbequemen Gegner zu tun haben wird. „Racing kommt viel über die Seiten“, sagte Adi Hütter. „Da müssen wir gut zumachen.“ Der Eintracht-Trainer hat sich gemeinsam am Mittwoch mit seiner Mannschaft auf die gut dreistündige Busfahrt ins Elsass gemacht. Nicht mit an Bord war Bas Dost, jener niederländische Stürmer, dessen geplante Verpflichtung nicht reibungslos verlaufen ist. Eigentlich wollte Fredi Bobic die letzten Details mit Dosts vormaligem Klub Sporting Lissabon schon bis Montag final geklärt haben. Doch es gab Komplikationen, die sich bis Mittwoch hinzogen.

          Bobic bestätigt Dost-Transfer

          Am späten Nachmittag dann, der Transfer war immer noch nicht hundertprozentig vollzogen, sagte der Eintracht-Sportvorstand gegenüber dem Fernsehsender Sky, dass lediglich letzte Details zu klären seien. „Der Deal wird über die Bühne gehen“, bestätigte der 47-Jährige, der das Hickhack mit Schwierigkeiten bei den Portugiesen erklärte. „Mit Sporting ist es nie einfach.“ So oder so: Für das Play-off-Hinspiel gegen Straßburg wäre Dost laut Hütter „kein Thema“ gewesen. Der Eintracht-Trainer ist schon zufrieden, wenn der torgefährliche Angreifer im Rückspiel „potentiell in Frage kommt“, wie er bei der halbstündigen Fragestunde mit Reportern in Frankreich sagt.

          Die Eintracht und die Europa League: „Das letzte Jahr dort war einfach wunderschön“, sagte auf dem Podium im Straßburger Stade de la Meinau der perfekt auf französisch parlierende Trapp. Für den frankophilen Saarländer war die Dienstreise in das Land seines langjährigen Arbeitgebers Paris Saint-Germain eine willkommene Gelegenheit, um sich auch über seinen persönlichen Reifeprozess im Land des Weltmeisters zu äußern und mit aller Bestimmtheit zu sagen: „Eben weil das letzte Jahr mit der Eintracht in der Europa League so wunderschön gewesen ist, möchten wir dies gern wieder erleben.“

          Bilderstrecke

          Unterstützt werden die Eintracht-Spieler wie sonst auch von reisefreudigen Fans, die sich allerdings auf einige Unannehmlichkeiten einstellen müssen. Es gibt nämlich Auflagen, an die sich die gut 1200 Anhänger zu halten haben. Wie Racing Straßburg am Mittwoch auf seiner Website mitteilte, untersagt die Präfektur Bas-Rhin den deutschen Sympathisanten, sich „rund um das Meinau-Stadion“ als Fans der Eintracht zu erkennen zu geben. Und auch im Stadion selbst können sich erkennbare Unterstützer nicht frei bewegen. „Fan-Schals, Trikots oder andere markante Zeichen ihrer Mannschaft dürfen im Meinau-Stadion nicht sichtbar getragen werden, außer im Bereich der Gäste-Besucher“, heißt es in der Mitteilung.

          Rode freut sich auf „ein bisschen Feuer im Kessel“

          So oder so: Das Straßburger Stadion wird mit rund 24.000 Besuchern ausverkauft sein. Einer wie der Frankfurter Mittelfeldspieler Sebastian Rode freut sich darauf, denn „es macht viel Spaß, wenn ein bisschen Feuer im Kessel ist, wenn es auch von den Zuschauern hoch hergeht – aber natürlich alles nur im erlaubten Rahmen“. Rode ahnt: „Wir müssen in dem Hexenkessel einen kühlen Kopf haben und die Ruhe bewahren.“

          Auch Rode misst wie Trapp der ersten Play-off-Begegnung große Bedeutung bei. „Straßburg ist wie ein Achtelfinalspiel nach der Gruppenphase. Es ist ein K.-o.-Spiel. Mit dem Einzug in die Gruppenphase haben wir die Möglichkeit, wieder in eine hervorragende Europapokal-Saison zu gehen. Uns ist aber auch bewusst, dass wir rausfliegen können.“

          Eintracht-Trainer Hütter nutzte gut 24 Stunden vor dem Anpfiff in Straßburg zugleich die Gelegenheit, um sich in der Angelegenheit Martin Hinteregger final an die Adresse der Nationalen Anti-Doping-Agentur gewandt zu erklären. Bei seinem Verteidiger, der eine Viertelstunde vor Schluss des Bundesligaspiels gegen die TSG Hoffenheim einen Krampf erlitten hatte, dank des Einsatzes von Akupunktur und eines Kohlenhydrategels aber weiter spielen konnte, sei alles mit rechten Dingen zugegangen. „Wir alle bei Eintracht Frankfurt haben ein reines Gewissen. Unsere Ärzte möchte ich in Schutz nehmen. Wir stehen für fairen Sport.“

          Wo Arsène Wenger erstmals Meister wurde

          Mit Racing Straßburg trifft die Eintracht auf einen Traditionsklub, der es seit seiner Gründung 1906 (als FC Neudorf) in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder schaffte, zur französischen Fußballspitze zu zählen. Wie die Frankfurter wurden die Elsässer einmal nationaler Meister, ihr Titelgewinn liegt 30 Jahre zurück. Unter Trainer Gilbert Gress gehörten in der Saison 1978/79 keine Weltstars zum Aufgebot, allerdings zwei Spieler, die als Trainer Weltruhm erwerben sollten: Arsène Wenger (Arsenal) und Raymond Domenech, der Frankreich 2006 ins WM-Finale führte. International erwarb Straßburg weniger Renommee als die Eintracht, das Erreichen des Viertelfinales im Europapokal der Landesmeister, in dem Ajax sich durchsetzte, war der Höhepunkt.

          Mit dem deutschen Fußball gibt es aufgrund der geographischen Nähe viele Verknüpfungspunkte – so verdienten unter vielen anderen die Nationalspieler Reinhard Libuda, Walter Kelsch, Wolfgang Rolff und Thomas Allofs ihr Geld in der Grenzstadt. Der Freizeitpark Europa Park Rust tritt in Straßburg als Sponsor auf, der ehemalige Karlsruher Profi Marc Keller führt als Präsident den Verein. Ihm gelang es nach der Insolvenz und Neugründung von Racing im Jahr 2011, den Klub zu konsolidieren und innerhalb von sechs Jahren zurück in die League 1 zu bringen.

          Nach Platz 16 im Aufstiegsjahr schlossen die Elsässer die vergangene Saison als Elfter ab. Durch den Gewinn des Ligapokals gelangte der Klub in die Europa League. Über Haifa und Plowdiw qualifizierte sich Straßburg für die Begegnung mit der Eintracht. Das Team von Trainer Laurey gilt als robust, athletisch und kampfstark. Das Star-Ensemble von Paris St. Germain musste sich in der vergangenen Saison mit zwei Unentschieden gegen den Außenseiter begnügen, bei dem Rechtsverteidiger Kenny Lala mit 14 Millionen Euro Marktwert der wertvollste Spieler ist. (peh.)

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