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Rückkehr nach Frankfurt : Hinteregger ist frei für die Eintracht

  • -Aktualisiert am

Für Augsburg nicht zu halten: Martin Hinteregger zieht es nach Frankfurt. Bild: Klaus Rainer Krieger

Martin Hinteregger hat sich als Augsburger Leihgabe schnell in die Herzen der Fans gespielt. Jetzt ist der Abwehrrecke endgültig auf dem Sprung nach Frankfurt.

          Die Eintracht kehrt für eine Stippvisite zurück in die Heimat. Um das Rückspiel gegen den FC Flora Tallinn zu bestreiten, verlässt die Mannschaft an diesem Mittwoch vorübergehend das Trainingsquartier in Österreich. Wenige Stunden vor ihnen wird der nächste Neuzugang in Frankfurt eintreffen: Martin Hinteregger. Wie der Bundesligasiebte der vergangenen Saison und der FC Augsburg am Dienstagnachmittag bekanntgaben, verständigten sich alle Parteien nach langem Hin und Her über einen Wechsel des 26-Jährigen. Es seien lediglich „noch Details zu klären“, um das Geschäft abzuschließen. Vorausgesetzt, dass der Fußballprofi den obligatorischen Medizincheck besteht, wird er sich auf Dauer dem Team von Adi Hütter anschließen.

          Schon in der Rückrunde der vergangenen Saison war Hinteregger an die Hessen ausgeliehen worden, bei denen er auf sich Anhieb durch Leistung einen Platz in der Startformation sicherte. Im Schnelldurchgang kletterte er in der Gunst des Publikums nach oben. Daran änderte auch sein tränenreicher Auftritt im Europa-League-Halbfinale beim FC Chelsea nichts, als er während der regulären Spielzeit allen Offensivstars der Londoner eindrucksvoll ihre Grenzen aufzeigte, ehe ihm dann im Elfmeterschießen die Nerven einen Streich spielten. Mehrere Frankfurter Fan-Gruppierungen hatten sich mit Unterschriftensammlungen für einen Wechsel ihres Lieblings stark gemacht, zudem wurden Tausende Postkarten an die Geschäftsstelle des bayerisch-schwäbischen Klubs gesandt, deren Botschaften FCA-Manager Stefan Reuter dazu bewegen sollten, den Blondschopf doch bitteschön alsbald ziehen zu lassen.

          #FreeHinti in den sozialen Medien

          Selbst die Tour de France nutzten Anhänger, um ihrem Wunsch nach einer raschen Rückkehr des Kärntners Nachdruck zu verleihen: Auf der sechsten Etappe, rund fünfzig Kilometer vor dem Tagesziel im Bergort La Planche Des Belles Filles, rollte das Peloton über die in Eintracht-Farben auf den Straßenbelag gemalte Botschaft #FreeHinti, mit der in sozialen Medien Hintereggers Anliegen unterstützt wurde. Er selbst hatte schon im Frühjahr verdeutlicht, dass er seine Zukunft nicht in Augsburg sieht, sondern sein Glück in Frankfurt suchen möchte: „Was ich hier erleben durfte, war phänomenal und hat Lust auf mehr gemacht“, sagte der 41-malige Nationalspieler.

          Reuter bewegten sämtliche Statements zunächst nicht dazu, den Frankfurter Wunschkandidaten vorzeitig aus seinem bis Ende Juni 2021 gültigen Vertrag zu entlassen. Für ihn war es – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – nicht zuletzt eine Frage des Geldes, bei dem bekanntlich der Spaß aufhört. Zu den Ablösemodalitäten des bevorstehenden Deals vereinbarten die Protagonisten nun Stillschweigen. Jüngst war bekannt geworden, dass den Augsburgern eine Transferentschädigung von 15 Millionen Euro vorschwebte, während die Eintracht anfangs zehn Millionen zu zahlen bereit war; es liegt nahe, dass eine Einigung in der Mitte erfolgte.

          Hütter schätzt den „klaren Charakter“

          Hinteregger wird nach Sebastian Rode, der am Wochenende von Borussia Dortmund abgeworben wurde, der nächste Leihspieler aus der vorigen Runde sein, der fortan von Hütter als fester Bestandteil in den Planungen berücksichtigt werden kann. „Dass man es in so kurzer Zeit schafft, so beliebt zu werden, ist sicher außergewöhnlich. Was er sportlich gezeigt hat, hat die Fans nicht kalt gelassen. Er ist ein Spieler, der ein Gesicht hat, einen klaren Charakter“, sagte der 49-Jährige über seinen Landsmann. Zu Wochenbeginn war Hinteregger in seiner Heimat in die Schlagzeilen geraten, als im Internet ein Video auftauchte, das ihn während des Trainingslagers des FC Augsburg in Tirol beim Besuch eines Dorffestes zeigte, bei dem er sich die angebotenen alkoholischen Getränke offenbar hatte schmecken lassen. Reuter sprach anschließend davon, dass er wegen dieses Vorfalls Hinteregger zum Rapport bestellen wolle. Das dürfte sich jetzt erledigt haben.

          Dass Hinteregger ein Typ ist, der sich bisweilen Freiheiten nimmt, die seine Vorgesetzten den Kopf schütteln lassen, wurde auch deutlich, als er im Januar 2018 fünf Tage vor dem Rückrundenstart noch an einem Benefiz-Skirennen teilnahm und hinterher das riskante Unterfangen gegenüber seinen Vorgesetzten in Augsburg damit rechtfertigte, dass er beim Studium seines Vertrags den Passus mit untersagten Freizeitvergnügen wohl übersehen habe. Auf ein Smartphone verzichtete Hinteregger bis vor kurzem, er veröffentlichte weder Facebook-Mitteilungen noch postete er Fotos von sich auf einem Instagram-Account.

          Mittlerweile, so berichtete er kürzlich, habe er sich jedoch ein zeitgemäßes Mobiltelefon zugelegt, auch da er einige Strafen habe zahlen müssen, weil er Termine versäumt habe, zu denen es nur noch Einladungen in digitaler Form gab. Über den Gruppenchat der Eintracht-Spezies war er stets informiert, was bei ihnen so los war. Der 1,86 große und 80 Kilo schwere Abwehrmann, der trotz seiner wuchtigen Physis über eine formidable Technik und Ballbehandlung verfügt, zählt Ziehharmonikaspielen zu seinen Hobbys, einen Jagdschein besitzt er schon, seine Lizenz als Hubschrauberpilot will er als nächstes ablegen. Über die dazu vorhandenen Möglichkeiten informierte er sich bereits: im Rhein-Main-Gebiet. Sehr zur Freude seiner Freundin, die in Frankfurt lebt.

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