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Eintracht Frankfurt : Tage der Arbeit für die Eintracht

Zwischen Zukunft und Vergangenheit: Trainer Funkel steht in Frankfurt auch bei Manager Hübner wieder hoch im Kurs – anders als Angreifer Amanatidis. Bild: DPA

Es muss und wird sich einiges ändern, damit die Frankfurter wieder zu sich selbst finden. Die drei drängendsten Herausforderungen im Überblick.

          Der Appell war deutlich. „Die zweite Liga ist eine andere Liga. Die muss man annehmen und leben. Diesem Ziel müssen sich alle unterordnen.“ Bruno Hübner hat seine Botschaft schnell verkündet. Wenige Minuten erst saß er bei seiner Vorstellung als neuer Sportdirektor der Frankfurter Eintracht auf dem Podium, als er die Gelegenheit nutzte, um auf die schwere Mission Wiederaufstieg hinzuweisen. Die Eintracht im Souterrain, der Frankfurter Fußball nur noch zweitklassig. Seit der letzten Rückkehr in die Eliteklasse 2005 sind sechs Jahre vergangen. Eine Zeitspanne, in der sich auch der Fußball in der Zweiten Bundesliga stetig weiterentwickelt hat. „Ein Selbstläufer“, weiß Sportdirektor Hübner, „ist der Wiederaufstieg nicht“.

          Nur weil die Eintracht mit dem zukünftigen Rekordetat von gut vierzig Millionen Euro am Wochenende rund um den 17. Juli in die neue, ungeliebte Spielzeit startet, ist noch lange nicht gesagt, dass das Saisonziel Aufstieg auch erreicht werden kann. Viele Faktoren müssen passen – und manches muss sich ändern bei der Eintracht, damit vom Sommer 2012 an wirklich wieder erstklassiger Fußball in der riesigen Arena im Frankfurter Stadtwald angeboten werden kann. Die drei zentralen Punkte bei der Neuaufstellung:

          DER TRAINER

          Er ist die Schlüsselfigur beim Unternehmen Aufstieg. Er muss im Zusammenspiel mit Hübner die zur Verfügung stehenden 4,5 Millionen Euro sinnvoll einsetzen und die richtigen Spieler für die richtigen Posten finden. Da Hübner schon angekündigt hat, gegenüber allen siebzehn unter Vertrag stehenden Profis vertragstreu zu bleiben, rechnet der neue Frankfurter Manager mit „vier bis fünf Neuzugängen“. Benötigt werden sie in allen drei Mannschaftsteilen. Der noch zu verpflichtende Coach soll bei der Auswahl vor allem nach zweitligaerfahrenen Kräften ein gewichtiges Wort mitreden. Im Gespräch mit dieser Zeitung wollte Hübner die aktuell kursierenden Kandidaten Franco Foda, Friedhelm Funkel und Claus-Dieter Wollitz „weder bestätigen noch dementieren“. Das vom ihm erstellte Anforderungsprofil aber ist unstrittig: „Der neue Trainer muss Erfahrung und Ruhe besitzen, muss mit dem Druck umgehen können. Er muss der Mannschaft ein Handschrift geben.“

          Hübner scheint seine Wahl schon getroffen zu haben. „Ich habe meinen Favoriten im Kopf“, sagte er. „Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen.“ Egal, wie sie ausfällt: Von der neuen Führungskraft wird vorbildliches Verhalten erwartet. Zeiten wie die eines notorisch verspäteten Michael Skibbe wird es nicht mehr geben. Wilhelm Bender, der Aufsichtsratschef der Eintracht Frankfurt Fußball AG, hat sich unlängst in einem Gespräch mit der „Frankfurter Neuen Presse“ eindeutig geäußert. „Hübner hat gesagt: Ein Trainer hat acht Stunden am Tag da zu sein. Und wenn er zehn Minuten zu spät zum Training kommt, bekommt er die erste Abmahnung. Und wenn er das erneut macht, ist er innerhalb von einer Woche weg. Ist mir sehr sympathisch.“

          DIE FÜHRUNGSSPIELER

          Nach dem Weggang von Patrick Ochs und dem weiteren Ausfall von Chris fehlt es dem Team an Charakterköpfen, die auch in schwierigen Situationen, die es im ungewohnten Zweitligaumfeld demnächst zuhauf geben wird, vorneweg marschieren. Weder Oka Nikolov noch Alexander Meier, Benjamin Köhler, Pirmin Schwegler oder Theofanis Gekas kommen mit ihrer zurückhaltenden Art für die Chefrolle in Frage. Umso wichtiger wäre es, den bei den eigenen Fans beliebten und von den Gegnern gefürchteten Maik Franz zu halten. Sportlich ist er ohnehin ein Gewinn für eine Mannschaft, die sich unlängst ohne sein Mitwirken vor allem durch ihre Nervenschwäche das Leben selbst schwermachte. Franz steht angeblich unter anderem in Wolfsburg, Köln, Berlin und Hamburg auf dem Wunschzettel. Spätestens bis zu diesem Freitag soll er sich laut Hübner entscheiden, ob er mit der Eintracht weiterhin gemeinsame Sache macht.

          DER „FALL“ AMANATIDIS

          Ioannis Amanatidis hat zwar noch ein Jahr Vertrag, aber keine Zukunft mehr bei der Eintracht. Nicht anders sind die eindeutigen Aussagen zu interpretieren, mit denen Hübner in ersten Interviews nach seiner Verpflichtung als Manager Stellung bezogen hat. Der 29 Jahre alte Grieche gehörte in der Vergangenheit als Kapitän zu den Wort- und Anführern des Teams, kommt nach zwei schweren Knieoperationen aber nicht mehr so zum Zug, wie er sich das wünscht. Die für ihn persönlich unbefriedigende Situation birgt jede Menge Zündstoff, wie in Auseinandersetzungen mit dem entlassenen Michael Skibbe und zuletzt mit Vorstandschef Heribert Bruchhagen deutlich wurde. Amanatidis gehört mit einem Jahresgehalt im siebenstelligen Bereich zu den Topverdienern bei der Eintracht. Selbst eine Abfindung war laut „Frankfurter Rundschau“ schon im Gespräch, um dem Torjäger a.D. einen Rückzug schmackhaft zu machen. Amanatidis soll über das Angebot erbost gewesen sein – und es weit von sich gewiesen haben. Er sagte: „Frankfurt ist meine Stadt, die Eintracht ist mein Verein.“

          Hübner, der für das Amanatidis-Salär mutmaßlich zwei frische Angreifer verpflichten könnte, hat auf die Solidaritätsbekundungen zurückhaltend reagiert. Er meinte mit Blick auf ähnliche Erfahrungen mit verdienten Spielern in Duisburg: „Ich habe in Duisburg auch zu drei Spielern gesagt: Es geht nicht mehr, es hat keinen Sinn mehr.“ Außerdem sagte er, es sei durchaus anerkennenswert, dass Amanatidis „der Mannschaft noch helfen will, aber er kann es ja nicht mehr richtig“. Spätestens wenn der Spieler „ehrlich zu sich selbst ist, bekommt man einen sauberen Abgang hin“. Noch erholt sich Amanatidis in Griechenland. Vor seiner Abreise in den Urlaub teilte er mit, dass er sich für absolut fit hält und die Diskussion um sein Leistungsvermögen nicht nachvollziehen kann: „Ich werde am 8. Juni zum Training kommen.“

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