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Fußballprofi Sow : „Eintracht kann eine große Hausnummer werden“

Er will den Ball wie ein Magnet anziehen: Eintracht-Mittelfeldspieler Djibril Sow Bild: Imago

Während er in der Schweiz Fußball spielte, absolvierte Djibril Sow seinen Wehrdienst. Im Interview spricht er über seine Zeit beim Militär, die Rolle der Eintracht in Europa und was er von Filip Kostic lernen kann.

          Als Fußballprofi bei Young Boys Bern haben Sie im laufenden Saisonbetrieb Ihren Wehrdienst beim Schweizer Militär absolviert. Hätten Sie sich vorstellen können, Berufssoldat zu werden?

          Nein, ich glaube nicht. Ich habe großen Respekt vor denjenigen, die Soldat sind. Es ist nicht nur eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Das ist auch ein Knochenjob, der nicht zu unterschätzen ist. Ich kann das gut nachvollziehen, weil ich ihn selbst ausgeübt habe. Jeder Arbeitstag beginnt frühmorgens um 5.30 Uhr und endet oft spätabends um 21 oder 22 Uhr. Am Ende des Tages weiß jeder, was er geleistet hat.

          Hat Sie es Überwindung gekostet, freiwillig Ihren Wehrdienst zu leisten?

          Am Anfang war ich sicherlich ein bisschen skeptisch. Ich habe mich gefragt, wie ich das Kasernenleben auf der einen Seite mit dem Training und den Spielen vereinbaren soll. Aber ich habe mit den Verantwortlichen gesprochen und auch mit Leuten, denen es gelungen ist, beide Aufgaben gemeinsam zu bewältigen. Je mehr ich dann darüber nachgedacht habe, desto mehr Sinn hat die Sache für mich gemacht. Schließlich habe ich es aus voller Überzeugung durchgezogen.

          Sind Sie als bekannter Fußballprofi im Soldatenleben hart rangenommen worden?

          Nein. Und ich war ja auch nicht allein. Beim Militär gibt es ein spezielles Programm für Leistungssportler mit der Bezeichnung Spitzensport-RS, es ist vergleichbar mit der Sportförderkompanie in Deutschland. Wir waren etwa 30 Mann in unserer Gruppe auf dem Kasernengelände. In den Dienst sind wir dann ganz normal integriert worden. Unser einziger Bonus war, dass wir zu den Pflichtspielen unserer Vereine freigestellt worden sind. An den Spieltagen sind wir mit unserer militärischen Dienstkleidung erschienen. Interviews duften wir hinterher keine geben. Wir mussten direkt wieder in die Kaserne einrücken. Der Ablauf um das Spiel herum war ein ganz anderer.

          Was war für Sie die härteste Prüfung als Soldat?

          Das vollgepackte Programm den ganzen Tag über. Wir hatten bis auf das Mittagessen keine Pausen. Auch wenn bei uns alle körperlich sehr fit waren, an diese Form der Belastung musste sich jeder erst gewöhnen. Es bleibt für einen kaum Zeit, Luft zu holen. Als Fußballprofi hingegen kann man sich zwischendurch zurückziehen und sich von den Trainingseinheiten erholen.

          Das Leben eines Fußballprofis ist angenehmer, oder?

          Ja, natürlich. Wir führen ein privilegiertes Leben mit vielen Annehmlichkeiten. Das ist mir in der Zeit meines Wehrdienstes noch einmal bewusst geworden. Grundsätzlich kann man die beiden Berufe aber schlecht miteinander vergleichen. Es sind zwei Welten mit ganz anderen Inhalten und Voraussetzungen.

          Was haben Sie beim Militär für Ihr Leben gelernt?

          Disziplin. Man durchläuft eine Lebensschulung. Ob das Bett nach dem Aufstehen machen oder die Schuhe blitzblank putzen, jeder muss alles selbst machen. Man ist auf sich allein gestellt. Keiner nimmt einem irgendetwas ab.

          Mit welchem Rang haben Sie das Militär verlassen?

          Man beginnt als Rekrut. Und wenn man mit der Grundausbildung fertig ist, ist man Soldat. Pro Jahr hat man anschließend meistens in der Winterzeit ein bis zwei Wochen Wiederholungskurse. Diese muss jeder machen, bis er insgesamt 100 Tage zusammengebracht hat. Nur wer im Ausland tätig ist, ist davon befreit. Wenn ich beruflich aber wieder in der Schweiz bin, muss ich diese Kurse nachholen.

          Gibt es einen Bonus für Fußballprofis, um Tage erlassen zu bekommen? In anderen Ländern werden sportliche Verdienste ja durchaus gewürdigt.

          Für mich wäre gut, wenn ich viele Länderspiele machen würde. Dann reduziert sich die Zahl der Diensttage, und man ist viel schneller durch.

          Beschäftigt man sich mit Politik, wenn man beim Militär ist – auch wenn die Schweiz ein neutraler Staat ist?

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