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Eintracht Frankfurt : Schaubs Sternstunde

Beim Uefa-Pokalsieg 1980 fehlte Jürgen Grabowski verletzt, wenig später beendete er seine Karriere Bild: picture-alliance / dpa

Vor dreißig Jahren gewann die Frankfurter Eintracht den Uefa-Cup. Doch nicht nur das Finale gegen Mönchengladbach war turbulent und hart umkämpft. Auch ein unfassbares Tor ebnete den Weg zum Titel. Boris Schmidt blickt zurück.

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          An diesem Freitag vor 30 Jahren, am 21. Mai 1980, machte der neunzehn Jahre alte Fred Schaub 60.000 Fans im ausverkauften Waldstadion glücklich, als er in der 81. Minute den Ball aus dem Gewühl ins Tor schoss. Es war das 1:0 im zweiten Uefa-Cup-Finale gegen Borussia Mönchengladbach. Das Resultat war eine Punktlandung (Hinspiel 2:3). Kapitän Bernd Hölzenbein durfte 15 Minuten später jenen Pokal in die Höhe recken, den vor knapp zwei Wochen Atletico Madrid gewann (heute heißt der Wettbewerb Euro-League und es gibt nur noch ein Endspiel). Die zwei Auswärtstore gaben den Ausschlag. Im Hinspiel hatte man die Gladbacher nach einer Galavorstellung eigentlich schon 2:1 besiegt, doch in den Schlussminuten beraubten die Gladbacher die Eintracht beim 3:2 noch um den Sieg. Getroffen für die Eintracht hatten Karger und Hölzenbein.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Rückspiel trat die Borussia, die den Uefa-Cup im Jahr zuvor gewonnen hatte, viel zu defensiv auf und versuchte von Beginn an das 0:0 über die Zeit zu retten. Es ging schief, weil Eintracht-Trainer Friedel Rausch in der 77. Minute den jungen Schaub einwechselte, der kurze Zeit später der Held des Abends wurde. Doch eine große Fußballkarriere war ihm trotz des frühen Ruhms nicht vergönnt. Schaub wurde immer wieder an diesem Tor gemessen und kam bei seinen weiteren Stationen nie über das gute Mittelmaß hinaus.

          Ein unfassbares Tor

          Der Uefa-Cup-Sieg der Eintracht war der Höhepunkt einer an sich missratenen Saison. Jürgen Grabowski, das Eintracht-Idol der siebziger Jahre, spielte mit fast 36 Jahren seine letzte Runde und hatte sich bei dem 5:2-Heimsieg gegen jene Gladbacher in der Bundesliga nach einem Foul des jungen Lothar Matthäus so schwer verletzt, dass dies sein 441. und letztes Bundesligaspiel war. Den Triumph am 21. Mai 1980 erlebte er in zivil mit, (Ersatz-)Kapitän Hölzenbein gab den Pokal sofort an Grabowski weiter. Aber er war beim Weg ins Endspiel noch bis zur ersten Viertelfinalpartie dabei, und dieser Weg ins Finale ist es, der die Fans heute noch ins Schwärmen geraten lässt.

          Nach einem eher mühsamen, aber letztlich unproblematischen 1:1 und 1:0 gegen Aberdeen aus Schottland (Tore Cha und Hölzenbein) schien in der zweiten Runde nach einem 0:2 bei Dinamo Bukarest und einem 1:0 (Tor Cha) bis zur 91. Minute im verregneten Rückspiel schon alles aus. Doch es folgten unvergessliche Momente: Quasi mit dem Schlusspfiff schlug Körbel den Ball von halblinks in den Strafraum. Normalerweise eine sichere Sache für Dinamo-Torhüter Stefan. Hölzenbein, für den der Ball eigentlich gedacht war, rutschte aus und saß am Boden. Stefan ließ den Ball fallen, der landete auf Hölzenbeins Kopf – und er nickte ihn Richtung Torlinie. Stefan hechtete dem Ball noch hinterher, bekam ihn aber nicht mehr. Ein unfassbares Tor! Gegen die demoralisierten Dinamo-Spieler sorgte Bernd Nickel in der Verlängerung für die Entscheidung. Als nächster Gegner wartete Feyenoord Rotterdam. Die Eintracht hatte zu Hause leichtes Spiel und siegte 4:1. Cha, Nickel, Müller und Lottermann waren die Torschützen. Das 0:1 im Rückspiel fiel erst in der 90. Minute. Im Viertelfinale wurde Zbrojovka Brünn gleichfalls 4:1 geschlagen, es trafen Nachtweih, Nickel, Lorant und Karger. Im Rückspiel sorgte der gefürchtete Eintracht-Schlendrian für ein 2:3 – noch bis zur 89. Minute hatte man nach Toren von Neuberger und Karger 2:1 in Führung gelegen.

          Pezzey hatte etwas dagegen

          Die Eintracht spielte in der Saison 1979/80 vielleicht noch wechselhafter als ohnehin schon. Bis kurz vor Ende der Runde musste man gar um den Abstieg bangen, interne Querelen (Trainer Rausch hatte vorzeitig seinen Abschied verkündet, es gab Hickhack in der Vereinsführung) sorgten zudem für Belastung. Die Ungewissheit, wie es ohne Grabowski weiter geht, spielte vielleicht auch eine Rolle. Dabei hatte man doch eigens Bruno Pezzey, den „Beckenbauer vom Bodensee“, als Nachfolger ausgeguckt und zu Beginn der Saison verpflichtet. Doch wegen einer Erkrankung und zweier Sperren absolvierte er letztlich nur 14 Punktspiele. Doch die Sperren galten nicht für internationale Begegnungen, so durfte der Österreicher im Halbfinale gegen Bayern München mitwirken. Nach dem 0:2 in München sahen viele die Bayern schon im Finale.

          Doch Pezzey hatte etwas dagegen: Nach einem Spiel auf ein Tor (mehr oder weniger) stand es nach neunzig Minuten 2:0, zwei Mal hatte Pezzey für die Eintracht getroffen. Das 3:0 war dem eingewechselten Karger (103. Minute) zu verdanken, doch Dremmlers 35-Meter-Schuss, den Eintracht-Keeper Pahl eine Minute später ins Tor rutschen ließ, dämpfte den Jubel gewaltig. Doch die Eintracht spielte auch an diesem Abend wie im Rausch, Karger erhöhte auf 4:1 in der 107. Minute, Lorant rundete mit einem verwandelten Foulelfmeter das Ergebnis ab. Das war am 22. April. Einen Monat später holte sich die Eintracht den Cup.

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