https://www.faz.net/-gzn-9n4wz

Eintracht Frankfurt : Reise ins Ungemütliche

  • -Aktualisiert am

Einsatzende: Makoto Hasebe (links) und David Abraham sind die Anstrengungen der Saison anzusehen. Bild: Heiko Rhode

Die 1:5-Schlappe der müden Eintracht in München hat ein Happy End auf Platz sieben. Bald müssen die Spieler für die Europa League wieder alles geben. Kann die Mannschaft das schaffen?

          Endlich Schluss! Wohl keine andere Bundesligamannschaft sehnte das Saisonende so sehr herbei wie die Frankfurter Eintracht. Trainer Adi Hütter beschrieb den Zustand seiner Profis mit den Formulierungen „ausgepresst wie eine Zitrone“ und „sie sind auf dem Zahnfleisch gegangen“. Sportvorstand Fredi Bobic drückte es so aus: „Die Spieler waren durch.“ Der Herausforderung des letzten Spieltages, den Bayern die Meisterschaft zu verderben und sich für die nächste Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren, war die Eintracht nicht mehr gewachsen. Da hätte das Team vor ihrem 50. und letzten Saisonspiel schon in einem Zaubertrank baden müssen, um neue Kräfte zu generieren. So bildeten die sonst so streitbaren Frankfurter Kicker bloß die Staffage zur Münchner Titelfeier. Das 1:5 störte zwar einige ein bisschen, Torwart Trapp zum Beispiel. Aber dass dank des Mainzer Heimsieges über Hoffenheim wenigstens Platz sieben in der Endabrechnung blieb, empfanden alle als Happy End, das die Schlappe erträglich machte.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Und so müssen die Müdesten der Liga auch als Erste wieder ran in der neuen Spielzeit. Schon am 25. Juli steht das Hinspiel der ersten von drei Qualifikationsrunden für die Gruppenphase der Europa League auf dem Programm. „Wir freuen uns drauf“, behauptete Martin Hinteregger, und der Linksverteidiger wirkte dabei sogar überzeugend. Dem Dauerläufer an der rechten Seitenlinie, Danny da Costa, war hingegen spontan eingefallen, dass Platz sieben seinen Urlaub und den der Kollegen immens verkürzen wird. Bobic hörte diese Bemerkung nicht sehr gerne: „Da Costa wird genug Urlaub bekommen, das versichere ich ihm“, sagte der ehemalige Nationalstürmer. Der Eintracht-Sportvorstand versteht jede neue Aufgabe erst einmal als neue Chance. Und so sieht er auch den Auslandseinsatz, bei dem die Eintracht in China die Marketing-Interessen der Eintracht und der Deutschen Fußball Liga vertreten wird. Inklusive eines Spiels in Foshan gegen den VfL Wolfsburg, dem Klub, der ihr auf dem letzten Drücker den festen Platz in der Europa League weggeschnappt hat.

          Trainer Adi Hütter erwähnte immerhin, dass durch das Endresultat in der Bundesliga, „die Saisonvorbereitung komplett neu geplant werden muss“. Bobic sagte dagegen flapsig: „Dann beginnen wir eben etwas früher, in Europa für Stimmung zu sorgen.“ Aber die Belastungen zu verschweigen bedeutet nicht, dass es sie nicht gibt. Sollte der Eintracht wieder die Reise nach Europa gelingen, dann hieße das, mindestens elf englische Wochen bis zur Winterpause absolvieren zu müssen. „Wir müssen sehr schlau sein, wie wir den Kader zusammenstellen“, sagte Hütter.

          Festes Vertragsverhältnis für Hinteregger?

          Kürzlich setzten sich der Trainer und seine Assistenten Peintinger und Reutershahn sowie Sportvorstand Bobic, der Sportliche Leiter Bruno Hübner und Chefscout Ben Manga wegen der Kaderplanung zusammen. „Die Kadergröße wird ein Thema sein“, sagte Hütter und ergänzte: „Wenn wir da Costa hernehmen, der 50 Spiele machen musste, werden wir auf gute Doppelbesetzungen für die einzelnen Positionen achten müssen. Wir müssen mehr rotieren.“ Dieser Hinweis ist nicht anders zu verstehen, als dass der Österreicher mit der Qualität der Ergänzungsspieler in dieser Saison nicht zufrieden war. Sonst hätte er mehr rotieren lassen und nicht behauptet, er stelle die Spieler in der besten Verfassung. Und das waren die am stärksten Belasteten.

          Bobic spielte es herunter – aber die unsichere Situation, ob sich die Eintracht für die Gruppenspiele der Europa League qualifiziert, erschwert die Verhandlungsposition der Eintracht. Gegenüber neuen Kandidaten und gegenüber den Stammspielern, einerlei, ob sie noch einen Vertrag besitzen oder ausgeliehen sind. Martin Hinteregger bekannte sich schon zur Eintracht. Wenn es nach ihm ginge, würde er in Frankfurt ein festes Vertragsverhältnis unterschreiben und nicht nach Augsburg zurückkehren. „Aber ich habe keinen Einfluss darauf“, sagt der österreichische Nationalspieler. Die Augsburger möchten die Ablöse hochschrauben, auf über zehn Millionen Euro. Eine Summe, die für englische Klubs keine Hürde darstellte, die durch Hintereggers überragende Leistungen im Halbfinale der Europa League gegen den FC Chelsea auf ihn aufmerksam geworden sind. „Manchmal einigt man sich mit dem Spieler sehr schnell, mit den Vereinen meist nicht so schnell“, deutete Bobic dezent die Schwierigkeiten an.

          So geht es auch Real Madrid mit der Eintracht. Der spanische Klub hat mit Torjäger Jovic und dessen Ratgebern die letzten Wechseldetails geklärt. Doch die Frankfurter haben noch nicht aufgegeben, die Ablöse etwas in die Höhe treiben zu wollen oder einen Nachwuchsspieler von Real zusätzlich zur Kaufsumme zu erhalten. Mit dem Einzug in die Champions League wäre die Argumentation, Jovic auch behalten zu können, jedoch überzeugender gewesen. Auch Haller und Rebic würden sich wohl weniger Gedanken über Angebote machen, wenn sie mit der Eintracht in der Champions League spielen könnten. Und ob es für Trapp noch so reizvoll wäre, in Frankfurt zu bleiben, wenn ihm die internationale Bühne fehlt? Bei potentiellen Gegnern wie Espanyol Barcelona, Celtic Glasgow und Wolverhampton Wanderers ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die Eintracht alle drei Runden der Qualifikation übersteht.

          „Wer bleiben will, der bleibt, wer geht, der geht“, sagte Bobic lapidar, für ihn habe sich nichts geändert. „Es ist alles in Bewegung auf dem Transfermarkt, wir werden sehen, was geschieht. Wir erneuern uns ständig.“ Auf jeden Fall kann sich die Eintracht dank dieser großartigen Saison in den teureren Regalen umsehen als in den Jahren zuvor. Aber die Zukunft nach „einer überragenden Saison mit unglaublich vielen Highlights“ (Bobic) erscheint nicht so rosarot wie noch vor wenigen Wochen.

          Weitere Themen

          Die Ansprüche wachsen

          Eintracht Frankfurt : Die Ansprüche wachsen

          Eintracht ist mit Joveljic einig: Der Stürmer kommt von Roter Stern Belgrad. Ein Abschluss mit Verteidiger Pedraza steht bevor und das Spielerbudget steigt auf 65 Millionen Euro.

          EKG für unterwegs Video-Seite öffnen

          Infarkt oder nicht? : EKG für unterwegs

          Eine App fürs Handy und ein Kabel mit Elektroden - Cardiosecur hat ein mobiles EKG entwickelt. Gründer und Geschäftsführer Markus Riemenschneider erklärt im Video, wie das Ganze funktioniert.

          Topmeldungen

          Die Spitzen der großen Koalition bei ihrem Treffen im Kanzleramt

          Große Koalition : Union und SPD einigen sich bei Grundsteuer

          Die Spitzen der großen Koalition haben bei der Reform der Grundsteuer einen Kompromiss erzielt. Das Gesetz soll nach monatelangem Streit noch vor der Sommerpause im Bundestag beraten werden.

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.