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Eintracht Frankfurt : Nur nicht den Mut verlieren!

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Kein Trainer wie jeder andere: Paul Oßwald hat die Mannschaft für sechs Wochen in der Landessportschule in der Otto-Fleck-Schneise zusammengezogen. Bild: Imago

Eine Mischung von „seltener Solidität, Solidarität und Sensibilität“ – Trainer Paul Oßwald lehrt die Eintracht Kampfgeist und lässt Träume reifen.

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          Um zu erklären, wie die Frankfurter Eintracht 1959 deutscher Fußball-Meister geworden ist, muss man schon ein Jahr zuvor anfangen. In der Saison 1957/58 nämlich. Lange stand die Eintracht in jener Spielzeit der Oberliga auf Platz eins, dann aber verlor sie nicht nur die Tabellenspitze, sondern rutschte am letzten Spieltag noch auf den dritten Rang – die Teilnahme an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft war futsch, was den Klub auch viel Geld kostete, das er gut hätte brauchen können. Kapitän Alfred Pfaff verschoss im letzten Saisonspiel beim schon feststehenden Absteiger Jahn Regensburg einen Elfmeter, die Eintracht unterlag 0:1. „Diese Mannschaft durfte sich, als sie nach Frankfurt zurückkam, nicht öffentlich zeigen“, schrieb Abwehrspieler Hermann Höfer in sein „Sportlertagebuch“. Der „Zorn des Volkes“ sei verständlich, notierte er. „Und da unseren Spielern die Geschicke des Vereins im Gegensatz zu Söldnern etwas bedeuteten, war eine selbstverständliche Niedergeschlagenheit vorherrschend.“ Man habe einen „moralischen Schock“ verspürt. Und eine große Verpflichtung, diesen Schaden für Stadt und Verein wiedergutzumachen.

          Während in Schweden bei der WM die Mission Titelverteidigung der Herberger-Auswahl misslingt, baut die Eintracht an der Zukunft. Trainer Adolf Patek muss gehen, als Nachfolger kommt Paul Oßwald von den Offenbacher Kickers zurück. 1932 hatte Oßwald die Eintracht schon ins Finale geführt und 1938 in die Endrunde. In den „Eintracht-Heften“, der Monatszeitschrift für die Mitglieder, heißt es in einem etwas holprigen Reim: „Saison 1957/58 / letztes Spiel verloren, / etwas verloren! / Rasch sich besinnen / Neues gewinnen. / Mut verloren, / alles verloren!“ So versucht man, sich nach dem „Rostock-Trauma der fünfziger Jahre“ wieder stark zu reden. Nur nicht den Mut verlieren!

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