https://www.faz.net/-gzn-946so

Eintracht-Kommentar : Frankfurter Realität: Zähne zeigen

  • -Aktualisiert am

Der Frankfurter David Abraham (li.) und Leverkusens Stefan Kießling schenken sich im Luftduell nichts. Bild: HALISCH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Das 0:1 gegen Leverkusen zeigt: Für Europa benötigt Eintracht Frankfurt noch zwei erfolgreiche Jahre auf dem Transfermarkt. Zwei Spieler brauchen dringend eine Besinnungspause.

          Eintracht-Trainer Niko Kovac hat mit seiner Einschätzung recht behalten. „Nur weil wir in der Tabelle vor Leverkusen stehen, heißt das nicht, dass wir die bessere Mannschaft sind. Das sehe ich ganz und gar nicht so“, sagte er am Freitag zur Einstimmung auf die Auseinandersetzung mit der Werkself. Am Samstag zeigte sein Team bei der 0:1-Niederlage dann ziemlich genau, was sie schon kann und was ihr noch fehlt, um ernsthaft um eine Teilnahme am internationalen Geschäft mitspielen zu können. Spielerisch lag eine Klasse zwischen den Frankfurtern und den Leverkusenern.

          Diesen Qualitätsunterschied hat Bayer auch teuer bezahlt. Der geschätzte Marktwert des Leverkusener Kaders ist fast dreimal so hoch wie der des Frankfurters, der Wert der Startelf betrug mehr als das Dreifache. Der Eintracht gelang es, diesen Nachteil über zwei Drittel der Spielzeit zu kompensieren. In den ersten und den letzten 20 Minuten der Begegnung ließ sie nicht viel zu, ohne freilich selbst zu Torchancen zu kommen, 20 Minuten lang drängte sie den besseren Gegner in den Strafraum zurück und bedrohte dessen Tor. Es war schon bewundernswert, mit welchem Willen sich Kovacs Kampfgemeinschaft in diese Begegnung zurückbiss, obwohl sie in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit von einem Gegner, den sie nicht zu fassen bekam, fast schon vorgeführt worden war.

          Diese Mentalität garantiert umkämpfte, spannende, enge Bundesligaspiele, aber sie garantiert nicht den Erfolg und auch kein fußballerisches Vergnügen. Die Basis für die 19 Punkte aus 13 Partien liegt in der taktischen Disziplin, die Kovac all seinen Profis eingeimpft hat, und an der Achse Hradecky, Abraham, Hasebe, Boateng und Haller. Willems, Gacinovic und Rebic können an guten Tagen noch ein Extra zum Gemeinschaftswerk beitragen, der Rest verrichtet Zulieferdienste.

          Im Moment mag man sich gar nicht vorstellen, wie es um den Spielaufbau der Eintracht stehen würde, wenn Boateng ausfiele. Aus der Steppe würde ganz schnell eine Wüste. Schon Hasebes Wackelknie bringt das Frankfurter Gebilde ins Vibrieren. Muss der Japaner geschont werden, fehlt er als ballsicherer Sechser mit Überblick oder als Libero. Mit Hasebe als Mittelmann der Dreierkette wäre Abraham wieder als Manndecker frei, und einer der beiden Verteidiger könnte eine dringend benötigte Besinnungspause nehmen. Salcedo, vor allem aber Falette kosten ihre Kollegen viel Kraft und Nerven, um ihre ständigen Ballverluste im Spielaufbau aufzufangen.

          Die Eintracht benötigt noch zwei erfolgreiche Jahre auf dem Transfermarkt, um nicht nur vom Europapokal zu träumen, sondern sich aussichtsreich um einen Platz zu bewerben. So lange muss sie sich der Realität stellen: den Gegnern 90 Minuten plus Nachspielzeit die Zähne zeigen und hoffen, dass beim Abpfiff auch noch ein Lächeln hinzukommt.

          Weitere Themen

          Große Prüfung fürs Betriebsklima

          Audits in Handwerksbetrieben : Große Prüfung fürs Betriebsklima

          Großunternehmen durchlaufen gern sogenannte Audits, um sich danach mit Zertifikaten als guter Arbeitgeber zu schmücken. Auch für Handwerksbetriebe kann das interessant sein, zum Beispiel für das Butzbacher Familienunternehmen Hildebrand-Bau.

          Topmeldungen

          Das durch den Abbau von jährlich rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle entstandene „Hambacher Loch“.

          Gigantischer Stromspeicher : Die Wasserbatterie im Hambacher Loch

          Was ein visionärer Plan: Ein gigantischer Stromspeicher für überschüssigen Wind- und Solarstrom soll im „Hambacher Loch“ entstehen. Die Technik dürfte Kennern bekannt vorkommen.
          Thomas Middelhoff beim Gespräch über sein neues Buch „Schuldig“ in Hamburg

          Middelhoff im Gespräch : „Es war die Gier nach Anerkennung“

          Thomas Middelhoff war Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann und galt als „Wunderkind“ der Wirtschaft. Dann kam der Absturz: Steuerhinterziehung, Haft, Privatinsolvenz. Jetzt bekennt sich der gestürzte Manager: „Schuldig“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.