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Halbfinale gegen Chelsea : Hütters besonderer Plan mit den Fans

Beeindruckende Stimmung: Eintracht-Trainer Adi Hütter freut sich auf die Fans im Stadion. (Symbolbild) Bild: WITTERS

Die Eintracht will ihre Europa-League-Festspiele im Halbfinale gegen Chelsea fortsetzen. Im Erfolgsplan von Trainer Hütter haben die Fans eine besondere Aufgabe.

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          Ihnen ist bewusst, wie die Rollenverteilung ausschaut. Sie machen sich mit der nötigen Courage an die Aufgabe, aber frei von Übermut. „Wir sind Realisten“, sagte Adi Hütter, „sonst wären wir auch gar nicht so weit gekommen.“ Die Begegnung mit dem FC Chelsea im Halbfinale der Europa League stellt für den Trainer der Eintracht eine Herausforderung dar, über deren Dimensionen er sich keine falschen Vorstellungen macht: „Fakt ist: Wir wissen, was kommt und müssen alles richtig machen“, sagte der Österreicher vor dem Abschlusstraining für die Partie, die binnen Stunden ausverkauft war und somit abermals von 48.000 Besuchern auf den Tribünen verfolgt wird.

          Er und sein Team verspürten eine „große Vorfreude“, auf das, was an diesem Donnerstag (21 Uhr, live RTL und DAZN) bevorsteht: „Das Spiel ist für uns, den ganzen Klub und seine Anhänger sehr, sehr wichtig. Jeder weiß, welche Bedeutung es hat.“ Für Hütter handelt sich um einen „Übergegner“. Chelsea sei der größte Prüfstein, gegen den sich die Eintracht auf der internationalen Bühne behaupten müsse: „Lazio und Marseille waren gut, Donezk, Mailand und Lissabon sehr gut – aber Chelsea ist noch eine Klasse besser.“ Er kündigte an, trotzdem gegen „den unbestrittenen Favoriten“ selbstbewusst agieren und von der ersten Minute an „Paroli bieten“ zu wollen: „In zwei Spielen können wir ihnen weh tun.“

          Seinen Worten zufolge handelt sich bei der Eintracht um die „unerwartetste Mannschaft“ in der Vorschlussrunde der Europa League. Die Frankfurter hätte in dem Wettbewerb mit einer Performance überzeugt, die kaum besser habe ausschauen können; nach bislang zwölf Einsätzen sind zehn Siege, ein Remis und eine Niederlage (in Unterzahl bei Benfica) zu vermerken. „Wir stehen gewiss nicht unverdient da, wo wir jetzt sind“, sagte Hütter, „es war ein langer, harter Weg, den wir gegangen sind.“ Und er soll noch nicht zu Ende gehen.

          Chelsea mit Champions-League-Qualität

          Dass sich die Bilanz des FC Chelsea noch besser liest, ist ein Aspekt, der dazu beiträgt, dass dem Starensemble von der Stamford Bridge allenthalben bessere Erfolgsaussichten eingeräumt werden. „Das ist eine reine Champions-League-Mannschaft, und wir sind Eintracht Frankfurt. Bei uns erleben manche Spieler ihre erste Europapokalsaison“, sagte Hütter, „das ist schon ein Unterschied.“ Aber keiner, wie er anfügte, der sich nicht kaschieren lasse. Er baut dabei auch auf die lautstarke Unterstützung von den Rängen.

          Die enthusiastischen Fans sind einmal mehr als zwölfter Mann in seinem Matchplan registriert: „Es gab schon sehr viele Mannschaften, die das, was in Frankfurt passiert, beeindruckt hat.“ Am „Tag der Arbeit“ bereiteten Dutzende freiwillige Helfer in der Arena die nächste Choreographie riesigen Ausmaßes vor. „Wir müssen dafür sorgen, dass der Funke wieder überspringt. Es wird darauf ankommen, aktiv zu sein, damit wir die Chance am Schopf packen können, sobald es möglich ist“, meinte Hütter, während Sportdirektor Bruno Hübner betonte: „Wir arbeiten auf die Sensation hin.“

          Keine Extra-Motivation nötig

          Anzeichen, dass dieses aufregende Sportjahr körperlich an die Substanz seiner Spieler ging, gab es zuletzt in der Liga bei der Dreier-Serie gegen Hertha (0:0), in Wolfsburg (1:1) und gegen Augsburg (1:3), die nicht den erhofften Punkteertrag brachte. Für den 49 Jahre alten Fußballlehrer besitzen die Ergebnisse keine Aussagekraft, wenn es darum geht, sich eine vielversprechende Ausgangsposition für das Rückspiel in sieben Tagen in London und den ersehnten Einzug ins Finale am 29. Mai zu verdienen: „Ich habe ein gutes Gefühl und muss in dieser Situation niemanden motivieren. Ein Halbfinale ist für uns etwas ganz Besonderes. Wir sind sehr fit, und ich bin sicher, wir werden uns von der Euphorie tragen lassen, müssen aber auch bereit sein, auf dem Platz zu leiden“, sagte Hütter.

          Wie er es personell anstellen möchte, damit sich die Qualität des in seiner üblichen 4-3-3-Aufstellung erwarteten Widersachers nicht entfalten kann, ließ er offen. Hütter gab sich als Kenner und Freund der Premier League zu erkennen, für ihn die „aktuell beste Liga der Welt. Sie haben zwei Klubs im Halbfinale der Champions League (Tottenham, Liverpool, d. Red.) und zwei in der Europa League. Das sind eindeutige Fakten.“ Beim 28 Jahre alten Eden Hazard, dem Mittelfeld-Genius der „Blues“, handelt es sich für ihn um einen Ausnahmekönner, der aus nachvollziehbaren Gründen mit Real Madrid in Verbindung gebracht werde: „Im Eins gegen Eins ist er sensationell. Wir müssen versuchen, ihn immer zu doppeln.“

          Taktische Arbeiten im Vorfeld

          Den Werdegang von Chelsea-Coach Maurizio Sarri, der vorigen Sommer vom SSC Neapel auf die Insel wechselte, verfolgt Hütter seit geraumer Zeit mit Anerkennung, wie er erzählte, „umso schöner, sich nun in einem direkten Duell zu begegnen“. In diesem Kräftemessen kann Hütter nicht seine nominell beste Elf aufbieten. Sébastien Haller (Bauchmuskelzerrung) und Ante Rebic (Gelb-Sperre) fehlen. „Dass sie ausfallen, tut weh“, sagte der Österreicher, „man darf gespannt sein, wie es ausschaut, was wir uns deswegen einfallen lassen.“

          Mijat Gacinovic dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Startformation rücken und hinter den Spitzen Luka Jovic und Gonçalo Paciência auflaufen. Der Serbe konnte in seiner Aufgabe als Vorbereiter und Vollstrecker in der Europa League regelmäßiger überzeugen (zwei Tore, sechs Assists) als in der Liga (zwei Vorlagen). „Seine Entwicklung stimmt, ich würde mir wünschen, dass er sich öfter für den Aufwand belohnt, den er betreibt“, sagte Hütter vor der abschließenden Übungseinheit am Nebenplatz der Arena, bei der vor allem taktisch gearbeitet werden sollte.

          Der FC Chelsea verzichtete auf diese Möglichkeit, bereitete sich bis zuletzt daheim vor und reiste erst am Mittwochnachmittag an. Ein kleines Indiz, mit dem der Klub vorab zu verstehen geben wollte, dass er in dieser Auseinandersetzung die besseren Karten in seiner Hand wähnt. An diesem Abend muss er sie auf den Tisch legen.

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