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Eintracht Frankfurt : Europäisches Prickeln gegen Inter Mailand

Stabilitätsfaktor: Martin Hinteregger ist eine wichtige Stütze in der Eintracht-Abwehr. Bild: WITTERS

Die Frankfurter Eintracht blickt erwartungsvoll auf das Achtelfinale gegen Inter Mailand – nicht nur für Trainer Hütter ein „besonderes Spiel gegen einen besonderen Gegner“.

          Irgendwann kam die Frage nach Baku. „Ich kenne das Datum“, sagte Adi Hütter. „Und ich kenne auch die Stadt. Aber bis dahin sind noch viele Brocken aus dem Weg zu räumen.“ Den ersten Brocken auf dem möglichen Weg in den Europa-League-Finalort Baku, Schachtar Donzek, hat die Eintracht schon beseitigt. Mit dem zweiten bekommt es die Mannschaft von Trainer Hütter nun zu tun: Inter Mailand. Wieder ein K.o.-Spiel, wieder ein Hochkaräter – und wieder ein Spiel in der Europa League, das sich 48.000 Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Arena anschauen werden. Europa zieht, Europa lockt, Europa macht Lust. „Ein besonderes Spiel gegen einen besonderen Gegner“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer. Was es dafür braucht, wusste Hütter auch: „eine besondere Leistung“.

          Schon als der Eintracht-Coach gemeinsam mit seinem Spieler Martin Hinteregger auf dem Podium in den Kellerräumen der Arena Platz genommen hatte, war etwas von dem zu spüren, was sich der Klub für das Achtelfinal-Hinspiel gegen Inter erhofft: eine prickelnde Atmosphäre. Der Presseraum war prallgefüllt, Reporter aus Italien sorgten für europäisches Flair, das die Eintracht seit Monaten schon so ausgiebig schätzt und genießt. Voller Hochachtung sprach Hütter dann auch von seinem Mailander Kollegen Luciano Spalletti. „Das ist ein absoluter Toptrainer. Ich wäre sehr glücklich, wenn auch ich erreichen würde, was er mit Inter erreicht hat.“ Spalletti hat Inter in die Champions League geführt. Ein Ziel, das Hütter mit der Eintracht auch noch erreichen kann – das aber in diesen Tagen, da sich alles um das Achtelfinale gegen das Ensemble aus der Lombardei dreht, nicht das Thema ist.

          „Da ist viel Qualität vorhanden“

          Eines der Themen, die Hütter angehen muss: Wer spielt für Ante Rebic, der sich das Knie verdreht hat? Zudem: Wird der langzeitverletzte Kapitän David Abraham rechtzeitig für Inter fit? Hütter hat sich erwartungsgemäß nicht in die Karten schauen lassen, sondern generell davon gesprochen, sich eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Konkret: „Wir wollen zu null spielen.“ Gelingen soll dies mit einer Mischung aus „kontrollierter Offensive und stabiler Defensive“. Von allem etwas also. Geleistet von Spielern, denen der Österreicher besonders vertraut. Einer von ihnen ist sein Landsmann Martin Hinteregger. Vor wenigen Wochen noch konnte der Abwehrspieler nicht ahnen, dass es ihn vom abstiegsgefährdeten FC Augsburg zum Europapokalanwärter Eintracht führen würde. Schön für ihn und seinen neuen Klub: Hinteregger kann seinen bisherigen 50 Spielen in Europa ein weiteres hinzufügen. Erfahrung mit Inter kann der 26-Jährige nicht vorweisen. „Dafür habe ich schon gegen Juventus Turin gespielt.“

          Nun also die Premiere gegen Inter Mailand. Gegen ein „klasse Team“, wie Hinteregger sagte. „Die sind noch mal ein Stück besser als Hoffenheim.“ Gegen die Kraichgauer haben die Frankfurter jene wundersamen Momente eines Fußballspiels erlebt, von denen sie auch jetzt gegen die Italiener zehren wollen. Der Last-Minute-Sieg, herausgeschossen durch den lange auf seine Chance wartenden Portugiesen Goncalo Paciencia, habe der gesamten Mannschaft noch mehr Selbstvertrauen gegeben. Trainer Hütter sagt über die erhoffte Wirkung, die vom 3:2 gegen Hoffenheim jetzt auch gegen Mailand ausgehen soll: „Dieses Finish gibt uns noch mehr Kraft. Und vergessen Sie nicht“, rief er der großen Reporterrunde zu: „Wir sind seit neun Spielen ungeschlagen.“

          In der Europa League, in der es gegen Inter zählt, gibt es seit acht Runden niemanden, der der Eintracht gefährlich werden konnte. Alle sechs Gruppenspiele wurden gewonnen. Im Sechzehntelfinale ließen die furiosen Frankfurter dem 2:2 in Charkiw gegen Donezk ein entfesseltes 4:1 zu Hause folgen. Das Publikum war entzückt, und als bei der Auslosung an den Gestaden des Genfer Sees in Nyon auch noch das „Traumlos“ Inter Mailand gezogen wurde, das nicht nur Vorstandsmitglied Axel Hellmann herbeigesehnt hatte, war das Eintracht-Glück perfekt. Dass Inter im Ligabetrieb zuletzt geschwächelt und einmal verloren sowie einmal unentschieden gespielt hat, spielt in Hütters Planungen keine Rolle. „Von diesen Ergebnissen lassen wir uns nicht blenden“, sagte der vor kurzem 49 Jahre alt gewordene Fußballcoach aus Vorarlberg. Und dann begann er zu schwärmen: vom „absoluten Schlüsselspieler“ Perisic, vom „guten Mann“ Martinez. Und überhaupt: „Da ist viel Qualität vorhanden.“ Qualität bekam die Eintracht kürzlich schon geboten. Wenn sie sich nun unter Flutlicht zu Herzen nimmt, mit welcher Inbrunst, Leidenschaft und Hingabe Dolmetscher Stefano Mazzoletti die Pressekonferenz ins Italienische übersetzte, kann es ein weiterer prickelnder Europapokalabend werden.

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