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Eintracht im Trainingslager : Neuer Mut, neuer Anlauf bei Torro

Voller Körpereinsatz für mehr Einsatzzeit: Lucas Torro Bild: Jan Huebner

Der ambitionierte Spanier Lucas Torro geht gesund in seine zweite Saison bei der Eintracht. Auf der Sechserposition will er in den Kampf um die Startelfplätze einsteigen.

          Das Gedränge ist riesengroß. Vor der Abwehr, auf der sogenannten Sechserposition, tummeln sich bei der Eintracht gleich fünf Profis – wenn sie denn alle da und gesund sind. Die beiden Neuzugänge Djibril Sow und Dominik Kohr, der routinierte Gelson Fernandes, der Allrounder Sebastian Rode, den es nach dem Ende seines Leihgeschäfts direkt und mit Macht wieder von Borussia Dortmund zur Frankfurter Eintracht zieht. Und der Fünfte im Bunde: Lucas Torro.

          Der am 19. Juli 25 Jahre alt werdende Spanier hat ein Jahr hinter sich, in dem es wie auf einer Achterbahnfahrt zugegangen ist. Mit großen Hoffnungen vom kleinen Klub CA Osasuna gekommen, wohin ihn sein originärer Verein Real Madrid ausgeliehen hatte, schloss er sich mit einem Perspektivvertrag der Frankfurter Eintracht an. Der ambitionierte Torro einigte sich auf eine Laufzeit von fünf Jahren – und kam nie so richtig ins Rollen. Erst benötigte er eine Weile, um in Normalform zukommen, was in acht Bundesligaeinsätzen zum Ausdruck kam. Dann wurde er jäh von einer komplizierten Schambeinentzündung und dem plötzlichen Tod seines Bruders ausgebremst.

          An die Vorgaben gehalten

          Der kopfballstarke Iberer, der mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 im ersten Europa-League-Auswärtsspiel bei Olympique Marseille die Frankfurter Hoffnungen aufrecht erhielt und rückblickend von „meinem Sandkörnchenbeitrag zur erfolgreichen Europa-League-Kampagne“ sprach, konnte fortan die europäisch gefärbte Jubelsaison nur vom Rand aus mitverfolgen. Damit ist jetzt Schluss. Torro ist wieder da, und was besonders wichtig ist: „Ich bin absolut beschwerdefrei. Meine Vorbereitung für die Vorbereitung ist bestens gelaufen“, sagte Torro, der ebenso wie seine Mitspieler von Trainer Adi Hütter zum Start in den Sommerurlaub entsprechende Trainingsprogramme erhalten hatte, am Dienstag im Trainingscamp am Thunersee.

          Natürlich hat sich der pflegeleichte und umgängliche Torro an die Vorgaben gehalten. Mehr noch: Er hat zusätzlich und regelmäßig seiner anderen sportlichen Leidenschaft gefrönt und Tennis gespielt. Auch auf roter Asche sind Beweglichkeit, Antrittsschnelligkeit und Spielintelligenz gefordert. Tugenden, die der Fußballprofi Torro einbringen muss, wenn er im Kampf um einen der mutmaßlich zwei Startplätze eine Chance haben will. Derzeit spricht für ihn, dass er gesund ist, denn Fernandes, der in einer Woche im Mannschaftstraining zurückerwartet wird, ist ebenso verletzt wie sein Schweizer Landsmann Sow.

          „Keiner darf sich sicher sein“

          An diesem Mittwoch, wenn die Eintracht von 20 Uhr an beim 55. Uhrencup in Biel auf den Schweizer Meister Young Boys Bern trifft, werden die beiden Eidgenossen fehlen – und Torro zumindest eine Halbzeit lang spielen. Für seinen neuen Anlauf in der neuen Saison fühlt er sich präpariert. „Ich habe viel gelernt und mich gut an den deutschen Fußball gewöhnt. Das Land und meine Mitspieler kenne ich jetzt besser“, sagte Torro in der Schweiz. „Das neue Jahr kann für mich ein gutes Jahr werden.“

          Dass Torro sechs Monate „außen vor“ war, wie er betonte, „hat natürlich Spuren hinterlassen. Wie erwartet konnte ich nicht hundert Prozent meiner Leistung abrufen.“ Ein Manko, das der defensive Mittelfeldmann jetzt behoben sieht. „Der frühe Einstieg in das Training kommt uns als Mannschaft zugute“, sagte er. „Wir stehen vor einer langen Saison. Für viele Spiele braucht man viele Spieler und einen großen Kader“, rechnete er vor und machte sich zugleich Hoffnungen auf mehr Einsätze als in der zurückliegenden Saison. Torro weiß um den harten Verdrängungswettbewerb, der gerade auf seiner Position herrscht, und er gibt sich auch keinen Illusionen hin. Nur über konstant harte Arbeit sei es überhaupt erst möglich, Trainer Hütter von sich zu überzeugen. „Keiner darf sich sicher sein und ausruhen“, sagte Torro im Thuner Lachen-Stadion.

          Er selbst hat sich einen Plan zurechtgelegt. „Wir können jetzt voll durchstarten und Niveau auf den Platz bringen, und ich will mich dabei zeigen. Ich will mit Präsenz meine Rolle spielen.“ Die Rolle des Strategen vor der Abwehr. Die Rolle des Spielers, der im Verbund mit seinem Nebenmann verlässlich absichert und bei Ballgewinnen sofort umschaltet und aufbaut. Vor einem Jahr, als Torro neu in Frankfurt war, sagte er: „Ich muss vor allem noch mehr Vertrauen mit dem Ball am Fuß gewinnen, um die entsprechenden Spielzüge einleiten zu können. Es ist eine sehr wichtige Position, um das Spiel zu lenken.“

          Der Spanier, der jetzt wieder fit ist und sich reif für die vielfältigen Herausforderungen auf nationaler und internationaler Bühne fühlt, steht an einem wichtigen Punkt seiner Karriere. Torro muss sich doppelt durchsetzen. Gegen gegnerische Angreifer – und gegen die eigenen Kameraden, die auf dieser personell stark besetzten Position alle nur das eine wollen: spielen.

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