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Eintracht Frankfurt : Lobeshymne für Bankdrücker Caio

Nach einem selbsterzielten Treffer hat sich Caio aus Frankfurter Sicht bisher viel zu selten zum Jubellauf abgedreht Bild: Wonge Bergmann

Noch immer hat sich Caio nicht bei der Frankfurter Eintracht durchgesetzt. In Hannover ist er anfangs wohl wieder nur Ersatz. Trainer Skibbe prophezeit dem Brasilianer dennoch beste Perspektiven.

          Er polarisiert. Weiterhin und so wie kaum ein Spieler zuvor, der bis heute das Trikot der Eintracht getragen hat: Caio. Seit nunmehr zwei Jahren steht der brasilianische Fußballprofi in Frankfurter Diensten. Ein fester Bestandteil der Mannschaft ist er noch immer nicht. Auch der Trainerwechsel änderte an seiner Reservistenrolle wenig. Nur der Umgangston ist für den Dreiundzwanzigjährigen mit dem stets freundlichen Gesichtsausdruck unter Michael Skibbe viel angenehmer geworden. Bei seinem Vorgänger gab es für ihn selten Zuckerbrot, dafür regelmäßig Peitsche. Friedhelm Funkel ist bei der Eintracht unter anderem daran gescheitert, dass er nicht in der Lage war, den Südamerikaner zu integrieren. Stattdessen zählte der knorrige Mann vom Niederrhein lieber in aller Öffentlichkeit die Fehler auf, die dem bis heute teuersten Einkauf der Hessen selbst bei einfachsten Übungen unterliefen.

          Ein Trainingsweltmeister ist Caio auch jetzt nicht. Und er teilt die Fans weiterhin in zwei Lager: Es gibt jene, die mit seinem Namen die Hoffnung auf ansehnlicheren Fußball verbinden und immer dann lauthals seine Einwechslung fordern, wenn es nicht rund läuft; während die Gegenseite beim Stadionbesuch, morgens bei der Stippvisite der Einheiten an der Wintersporthalle oder in Internetforen kein gutes Haar an ihm lässt. Für Skibbe ist der Mann, der über viel Talent, aber mindestens genauso viele Schwächen verfügt, auch an diesem Samstag „eine richtig gute Option“. Er sei froh, sagte der Coach im Hinblick auf das nächste Auswärtsspiel bei Hannover 96 (Anpfiff 15.30 Uhr), „dass Caio uns verstärken wird“.

          Nur dreimal über 90 Minuten

          Bislang brachte es der umstrittene Profi, für den die Hessen im Winter 2008 knapp vier Millionen Euro an Palmeiras São Paulo überwiesen, auf zwanzig Partien in dieser Runde; davon jedoch nur drei über neunzig Minuten. Dabei gelangen ihm zwei Tore. In der vergangenen Spielzeit bot ihn Funkel 17mal auf – auch fast immer als Ergänzungskraft. Der wirkliche Wert für das Team, so Skibbe, lasse sich aus den Statistikzahlen nicht ablesen. Er habe vielmehr das Gefühl, so formulierte es der einstige Bundestrainer, „dass Caio mindestens an einem Drittel unserer erzielten Treffer beteiligt war“. 32 gelangen der Eintracht in 25 Spielen. Zumindest in den unmittelbar zurückliegenden Partien in Stuttgart (1:2) und gegen Schalke (1:4) war es in der Tat so – bei den Schwaben bereitete er mit einem Pass die Führung durch Benjamin Köhler vor; gegen die „Königsblauen“ fiel dank seiner Beteiligung das 1:2 durch Alexander Meier.

          Die Fähigkeiten für den besonderen Moment sind bei Caio vorhanden. Sein Antritt mit dem Ball ist beachtlich, er ist immer für einen Trick gut. Doch die Ausdauer ist wahrlich nicht seine Stärke. Denn auch das ist typisch für den 1,86 Meter großen und nicht mehr so moppelig wie in seinen Anfangstagen wirkenden Teilzeit-Impulsgeber: sein Elan erlahmt schnell. Starken zwanzig Minuten nach seiner Einwechslung gegen Schalke folgte eine Schlussphase, in der er überhaupt nicht mehr in Erscheinung trat, sondern phlegmatisch das Geschehen an sich vorüberziehen ließ.

          „Er spielt keine schlechte Saison“

          „Es stimmt“, so Skibbe“, „bei Caio muss wie bei allen unseren Leadern mehr Konstanz rein.“ Und doch: „Er ist weit davon entfernt, dass man sagen könnte, er spielt eine schlechte Saison.“ Skibbe kommt auch in diesem speziellen Fall nicht auf Anhieb auf die Unzulänglichkeiten zu sprechen, sondern der Fußballlehrer aus Gelsenkirchen kombiniert seine Kritik lieber mit Lob: „Caio macht Sachen, die uns weiterhelfen, doch in ihm steckt deutlich mehr.“ Vor allem mit der Pflicht, dass man in der Rückwärtsbewegung dem Gegner nachsetzt, nimmt er es auch nach mittlerweile 47 Spielen in der Bundesliga weiterhin nicht so genau. Als Absicherung müssen deswegen Pirmin Schwegler, Selim Teber oder Chris ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Laufbereitschaft mitbringen.

          Ob Caio in Hannover von Beginn an dabei sein wird, mochte Skibbe nicht verraten. Er meinte nur, festgestellt zu haben, dass sich nach den jüngsten Kurzzeiteinsätzen die zu Beginn der Rückrunde schlechte Laune seines Sorgenkinds gebessert habe. Doch entscheidend sei nicht, „dass Caio zufrieden ist, sondern dass wir alle zufrieden sind“. Vieles spricht deswegen dafür, dass er trotz allen Lobs anfangs doch wieder auf der Bank sitzt. Zumal der wiedergenesene Abwehrspieler Maik Franz auf jeden Fall zurückkehrt – und Skibbe vor allzu großen Umbauten bislang stets zurückscheute. Caios Perspektiven seien ungeachtet jeder Momentaufnahme beachtlich: „Er ist schon sehr gut und noch jung genug, um jede Menge dazu zu lernen“, sagte Skibbe. Bei der Eintracht hat er bis 2012 Zeit zu zeigen, dass die Prophezeiung stimmt. Eine vorzeitige Trennung in diesem Sommer scheint kein Thema mehr.

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