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Eintracht Frankfurt : Hoffnungsschimmer Haller

  • -Aktualisiert am

Hoffnungsschimmer Haller: Kann er die Eintracht vor einer weiteren Niederlage bewahren? Bild: dpa

Der bislang verletzte Spieler Haller könnte an der Stamford Bridge sein Comeback geben. Sportvorstand Bobic tut nach dem Debakel in Leverkusen sein Möglichstes, um das angeschlagene Team aufzubauen.

          Ernest Hemingway schrieb vor über 60 Jahren die Geschichte „Der alte Mann und das Meer“. Sie erzählt von einem Fischer, der den größten Fang seines Lebens machte, einen riesigen Marlin, es aber nicht schaffte, die Beute in den Hafen zu bringen. Haie machten sich auf dem Heimweg über das Fleisch her, dem Fischer blieb nur das Skelett. Nach dem 1:6 gegen Bayer Leverkusen droht der Frankfurter Eintracht ein ähnliches Szenario. Vor den Heimspielen gegen den FC Augsburg und Hertha BSC schien die Eintracht ganz nahe an ihrem Ziel zu sein, sich Platz vier und die Qualifikation für die Champions League zu sichern. Aber statt der erhofften sechs Punkte gewann sie nur einen, und so ist nach dem Leverkusener Debakel nicht nur die Teilnahme an der Königsklasse in Gefahr geraten, sondern auch Platz sechs und das damit verbundene Erreichen der Gruppenphase der Europa League. Bis auf Rang acht können die Frankfurter in der Fußball-Bundesliga noch abrutschen, wenn sie so weiterspielen und weiter verlieren wie kürzlich.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Das große Problem der Eintracht besteht darin, sich nicht berappeln und neue Kräfte sammeln zu können. Denn vor dem wichtigen Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 steht das Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea in London an, das der Mannschaft eine weitere Energieleistung abverlangt, wenn sie ins Finale von Baku will. Oder sollten die Frankfurter an der Stamford Bridge den Fuß vom Gaspedal nehmen, um auf der Zielgeraden der Bundesliga etwas mehr Benzin im Tank zu haben? Ein Gedanke, der unwillkürlich aufkommt angesichts des Energielevels der Eintracht-Profis in Leverkusen. Andererseits wäre es fahrlässig nach dem 1:1 im Hinspiel, der Endspiel-Chance nicht entschlossen nachzugehen, weil auch ein Energiesparprogramm in London einen Erfolg über Mainz nicht garantiert. „Ich weiß auch nicht, welches Spiel wichtiger ist“, erwiderte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic barsch, als er auf die Thematik angesprochen wurde: „Also konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel, und das findet gegen Chelsea statt.“

          Bobic tat sein Möglichstes, um nach dem Untergang gegen die Werkself das Eintracht-Schiff zumindest verbal wieder an die Oberfläche zu heben. Die Mannschaft müsse das Desaster annehmen und werde wieder aufstehen. „Man darf nicht vergessen, dass es erst die zweite Niederlage in der Rückrunde war“, erinnerte der Sportvorstand und sagte dann einen großen Satz: „Für Donnerstag heißt das (1:6, d. Red.) gar nichts. Wir haben vier Tage Zeit. In London ist alles möglich.“ Ob Bobic bis in die letzte Gehirnwindung an diese Aussage glaubt? Auf jeden Fall war es genau der richtige Satz. Zweifel brächten die Eintracht auch nicht weiter.

          Geistige Frische dringend notwendig

          Und dennoch bleibt die Frage, ob Hütters Mannschaft überhaupt in der Lage ist, Bobics Aufforderung nachzukommen, wie ein Boxer nach einem Niederschlag wieder aufzustehen. Es gibt einen Punkt, da gehorcht der Körper nicht mehr dem Willen. Nach 47 Saisonspielen kann dieser Punkt bei einigen Profis nicht mehr allzu weit entfernt liegen. Dabei geht es nicht nur um die körperliche Frische, sondern auch um die geistige. Was einige Profis in den vergangenen Spielen an Konzentrationsfehlern unterlief, ging bisweilen nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut. Die Offensivkräfte Rebic, Jovic und Gacinovic trafen deutlich mehr falsche Entscheidungen, im Bemühen, kreativ und überraschend zu sein, als richtige. Womit sich das Sturmspiel der Eintracht auf das Prinzip Versuch und Irrtum reduzierte.

          Auch da Costa läuft auf Reserve, wobei sich der rechte Außenbahnspieler im Hinspiel gegen Chelsea noch einmal zu einer großen Leistung aufraffte. In Form sind von den Feldspielern nur noch Rode, Kostic, Hasebe, Fernandes und Abraham, wobei die Defensivkräfte Hasebe, Fernandes und Abraham von den Leverkusenern auch arg zerzaust wurden. Aber bei ihnen besteht die Hoffnung, dass sie wie auch Hinteregger wieder zu sich selbst finden, wenn sie in gewohnter Formation auftreten und nicht in einer ungewohnten Fünferkette wie in Leverkusen, umgeben von ungewohnten Mitspielern. Touré, Ndicka und Willems, die gegen die Werkself ins Team gerutscht waren, um Rode, Gacinovic und Jovic ein wenig zu schonen, konnten ihre Aufgaben in keiner Weise erfüllen.

          Es liegt auf der Hand, dass Hütter in London wieder seiner eingespielten Truppe das Vertrauen schenken wird. Mit Trapp im Tor, der Dreierkette Abraham, Hasebe und Hinteregger, wobei Falette eine Alternative sein könnte. Im Mittelfeld wird Rode neben Fernandes wieder einsatzbereit sein, da Costa und Kostic werden die Seitenlinien beackern und Gacinovic im offensiven Mittelfeld wirken. Einen Hoffnungsschimmer gibt es im Sturm: Sébastien Haller könnte an der Stamford Bridge sein Comeback geben. Die Bauchmuskelverletzung des Mittelstürmers ist so weit abgeklungen, dass ein Mitwirken möglich erscheint. In Bestform wird der Franzose nicht sein können. Aber einen Stürmer, der Kopfballduelle gewinnt und den Ball nicht sofort wieder verliert, täte der Eintracht wirklich gut. Mit ihm an der Seite könnten vielleicht sogar Rebic oder Jovic aus ihrem Tief herauskrabbeln.

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