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Evan Ndicka bei der Eintracht : Jung, clever und unerschrocken

Resolut in der Zweikampfführung: Eintracht-Profi Evan Ndicka (r.). Bild: Jan Huebner

Evan Ndicka trägt viel zur defensiven Stabilität der Eintracht bei und hat mit den Frankfurtern Großes vor. Der talentierte Franzose sieht „das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht“.

          Leisetreter sind sie keine. Ihren letzten Punktspieleinsatz haben sie unmittelbar vor Weihnachten bestritten und danach ein paar Tage Zeit bekommen, über den Jahreswechsel ein wenig abzuschalten vom Fußballgeschäft, das nun schon wieder den Takt des Alltags bestimmt. Die Lust am Spiel ist zurück, wie sich unschwer vernehmen lässt.

          Bei aller Disziplin, mit der die Eintracht-Profis an der Einstimmung auf die zweite Saisonhälfte arbeiten sollen, kommt der Spaß nicht zu kurz unter der Sonne Floridas. Adi Hütter achtet darauf, dass geflachst und gelacht wird – durchaus lauthals. „Die Mannschaft macht einen sehr guten, einen sehr konzentrierten Eindruck. Was wir trainieren, gefällt mir. Sowohl die Laufeinheiten, aber auch die kleineren Spielformen. Sie sind hundert Prozent bei der Sache“, stellte der Österreicher fest, der ja selbst eher ein Mann der leisen Töne ist.

          Kandidaten für die Startformation drängen sich auf

          Dass sich mit der Ankunft in Bradenton die Personalsituation im Kader der Eintracht spürbar entspannte, trägt zu Hütters guter Stimmung bei: „Ich sehe, dass jeder Einzelne hungrig ist und weiterkommen will“, sagte er, die „Frische im Kopf“ sei zurück.

          In der abschließenden Partie des Vorjahres war sein Team auch aufgrund viele Ausfälle nicht mehr in der Lage, dem FC Bayern über neunzig Minuten Paroli zu bieten. Durch das 0:3 gegen den Rekordmeister verlor die Eintracht den Anschluss an die direkten Verfolger von Spitzenreiter Dortmund. Inzwischen sind die Blessuren von Ante Rebic, Makoto Hasebe, David Abraham und Mijat Gacinovic, deren Fehlen den Münchnern in die Karten spielte, soweit ausgestanden, dass sie zweifelsohne zu den Kandidaten zählen, die in Hütters Planungen für die Startformation zum Rückrundenauftakt gegen Freiburg am 19. Januar zur ersten Wahl gehören. Auch der Mexikaner Carlos Salcedo, der wegen privater Angelegenheiten wieder einmal vorübergehend verhindert war, mischt nach seiner verspäteten Anreise in der Tampa Bay Area so tatkräftig mit, wie es sein muss, wenn es darum geht, seine Ambitionen auf einen Stammplatz durch Fleiß in den Übungseinheiten zu untermauern.

          Hütter fordert weniger Fehler in der Defensive

          Hütter ermuntert seine Mitstreiter dazu, groß zu denken: „Wenn wir so eine Rückrunde spielen, wie wir teilweise in der Vorrunde gespielt haben, dann ist Vieles möglich“, sagte der 48-Jährige. „Wichtig ist, dass wir unseren Stil beibehalten, trotzdem aber an ein paar Stellschrauben drehen, um noch besser zu werden.“ Hütter wünscht sich mehr „Konzentration und Konsequenz“ im Angriff, „und hinten müssen wir versuchen, weniger Fehler zu machen.“ Die dafür nötigen Grundlagen gelte es während der Anwesenheit in Nordamerika zu legen.

          Dass der interne Wettbewerb härter werden dürfte, sieht Evan Ndicka nach eigenem Bekunden ausschließlich positiv. „Wir sind keine Konkurrenten“, sagte der Franzose, „wir arbeiten zusammen.“ Der Neunzehnjährige hat mehr als von vielen anfangs gedacht zur positiven Entwicklung der vergangenen Monate beigetragen. Mit seiner unerschrockenen Art der Zweikampfführung und dem cleveren Stellungsspiel, ergänzt durch Kopfballstärke und eine hohe Laufbereitschaft, trug der Rookie auf Anhieb zur defensiven Stabilität bei: Er bestritt alle 17 Vorrunden-Partien.

          Ndicka steigert seinen Marktwert

          Eigentlich, so hatte es Sportvorstand Fredi Bobic erklärt, sollte sich der U-20-Nationalspieler nach seinem Wechsel vom zweitklassigen Klub AJ Auxerre im ungewohnten Umfeld langsam akklimatisieren. Doch durch stets wiederkehrende Ausfälle erfahrener Nebenleute wie Salcedo, Abraham, Hasebe oder Timothy Chandler erhielt Ndicka rasch die Gelegenheit, zu zeigen, dass die hohen Erwartungen, die sie in Frankfurt an seine Verpflichtung geknüpft hatten, nicht unberechtigt waren. Sechs Millionen Euro Ablöse überwiesen sie für ihn – nie zuvor ließen sie sich ein Talent so viel Geld kosten, wobei Bobic aus seiner Überlegung keinen Hehl machte, dass Ndicka bei entsprechender Werdegang ja lukrativ zu einer internationalen Top-Adresse weiter veräußert werden könnte. Ndickas Fortschritte beflügeln diese Phantasien: Mittlerweile beziffert das Portal „transfermarkt.de“ seinen Marktwert bereits auf 15 Millionen Euro. Und Zeit genug, weiter heranzureifen, ist vorhanden: Sein Vertrag in Frankfurt läuft bis Ende Juni 2023.

          Soweit in die Zukunft schaut Ndicka, der sich während eines kurzen Heimaturlaub bei der Familie in Paris über Silvester von den ungewohnten Dauerbelastungen erholt hatte, während des Aufenthalts in der IMG Academy nicht. Er hat zunächst näher liegende Ziele vor Augen. Auf dem Rasen ist der 1,92 Meter große Schlacks ein energiegeladener Tempomacher, der es im Kreis der Kollegen an Tatkraft und Wortwitz nicht mangeln lässt, abseits davon dagegen eher ein stiller Vertreter seiner Zunft, der an einen schüchternen Teenager im ersten Lehrjahr erinnert.

          Klub-Dolmetscher Stephane Gödde ist bei öffentlichen Terminen stets an einer Seite. „Das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht. Wir können und wollen einiges noch besser machen. Und es wäre super, wenn wir nächste Saison wieder in einem europäischen Wettbewerb spielen würden. Jeder bei uns hätte Bock darauf“, ließ Ndicka ihn in Bradenton, angesprochen auf persönliche Vorhaben in 2019, übersetzen. Er selbst stand daneben und lauschte den Worten – mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht. Eine stille Botschaft, die aber an Deutlichkeit gleichwohl nichts vermissen ließ.

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