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Eintracht Frankfurt : Showdown mit Zielspieler

Sebastien Haller ist gegen die Bayern nach längerer Verletzungspause wieder einsatzfähig. Bild: EPA

Sebastien Haller hat der Eintracht lange gefehlt. Gegen die Bayern wird der ballsichere Stürmer dringend gebraucht, um die letzte Chance auf Europa zu nutzen.

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          Die Quoten ähneln sich. Während Luka Jovic in 31 Bundesligaspielen 17 Tore erzielt hat, sind seinem stürmischen Kollegen Sebastien Haller bei 28 Einsätzen 14 Treffer geglückt. Im Ranking der besten Bundesliga-Torschützen finden sich damit gleich zwei Angreifer der Eintracht auf den vorderen Plätzen wieder. Platz eins wird der Serbe Jovic nicht mehr erreichen. Dort liegt der Mann, dem er an diesem Samstag zur Bundesliga-Kernzeit um 15.30 Uhr (Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga) begegnen wird: Bayern-Stürmer Robert Lewandowski. Der Pole hat 22 Tore geschossen – vier mehr als der hinter ihm liegende Spanier Paco Alcacer von Borussia Dortmund. Nach menschlichem Ermessen wird die sogenannte Torjägerkanone also auch in diesem Jahr in München bleiben. Wie im übrigen auch zum siebten Mal in Folge die Meisterschale?

          Für den „Showdown“ bei den Bayern, auf den Eintracht-Trainer Adi Hütter seine Mannschaft schon unmittelbar nach der 0:2-Niederlage im letzten Heimspiel gegen den Rhein-Main-Nachbarn Mainz 05 eingeschworen hatte, brauchen die Frankfurter jeden Mann. Sie brauchen vor allem einen wie Haller, der die besondere Fähigkeit besitzt, Bälle „festmachen“ zu können, wie es in der Sprache des Fußballs heißt. Der Franzose ist der Frankfurter Zielspieler par excellence. Wird Haller angespielt, können sich seine stürmischen Kollegen Jovic und Ante Rebic in relativer Ruhe nach freien Räumen umschauen. Haller wird es in der Zwischenzeit schon irgendwie richten.

          2000 gelang der letzte Sieg in München

          Dass es der 24 Jahre alte Franzose im Endspurt der Liga nicht tun konnte, war schmerzhaft für die Eintracht. Siege wurde so zur Mangelware. Wegen Schwierigkeiten mit der Bauchmuskulatur musste Haller sechs Wochen lang zuschauen. Hütter konnte in dieser Zeit nicht mehr auf sein angriffslustiges, torhungriges Sturmtrio zurückgreifen – und der tabellarische Vorsprung vor den Verfolgern schmolz und schmolz. Dann kam Mainz – und das Abrutschen auf Platz sechs.

          Die Folge: Der lange Zeit sicher geglaubte vierte Tabellenplatz ist aus eigener Kraft nicht mehr erreichbar. Die Eintracht ist am letzten Spieltag auf Ausrutscher der Konkurrenz aus Mönchengladbach und Leverkusen angewiesen und muss selbst in München siegen. Dass es schwer ist, bei den Bayern zu gewinnen, ist fast schon ein Fall für Archivare: Der letzte Sieg der Eintracht, ein 2:1, liegt eine halbe Ewigkeit zurück und ereignete sich im Jahr 2000.

          Halbe Stunde an der Stamford Bridge

          Seit etwas mehr als eine Woche ist Haller wieder am Ball. Den Dienstflug in die englische Hauptstadt London hatte der Angreifer, der zuvor emsig bei einem vermeintlichen österreichischen Wunderheiler an seiner Rückkehr gearbeitet hat, kurzentschlossen mitgemacht – und seinen Mannschaftskollegen dadurch neue Hoffnung gegeben. Tatsächlich kam Haller beim epischen Europapokal-Halbfinalspiel an der Stamford Bridge gegen den FC Chelsea zu einem halbstündigen Einsatz. Und mit etwas mehr Glück hätte eine seiner zwei Großchancen in der Verlängerung das Elfmeterschießen verhindern können. Doch beide Male kam die Rettung für die später glücklich siegenden Engländer kurz vor dem Überschreiten der Torlinie.

          „Wir haben alle gesehen, wie geil es ist, durch Europa zu fliegen und internationale Spiele zu bestreiten. Wir wollen das nächstes Jahr unbedingt wieder erleben.“ Es war Martin Hinteregger, der untröstliche Kämpfer von der Stamford Bridge, der dies sagte und genau weiß, was dafür nötig ist: ein Unentschieden. Es ist wirklich nur ein einziger Punkt, der der Eintracht noch fehlt, um auch in der kommenden Saison bei europäischen Festspielen dabei zu sein. Haller soll mithelfen, diese letzte Chance zu nutzen. Unterdessen sind aus München kämpferische Worte zu hören. „Wir werden 90 Minuten auf Sieg spielen, das werde ich klipp und klar vorgeben. Wir können nicht kalkulieren“, sagte am Donnerstag Niko Kovac.

          Der vormalige Eintracht-Trainer, der sich vor einem Jahr mit dem Pokalsieg gegen die Bayern in Richtung München verabschiedete, braucht ebenso wie die Eintracht ein finales Erfolgserlebnis. Sein Job steht zur Disposition. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat es zuletzt stets vermieden, sich eindeutig pro Kovac zu bekennen.

          Vor dem Wiedersehen mit seinem alten Klub, bei dem Kovac eine lebenslange Mitgliedschaft besitzt, sagte der kroatische Fußballlehrer: „Überrascht hat mich die Entwicklung dort nicht. Es ist klar, dass man mit drei Jahren kontinuierlicher Arbeit viel erreichen kann. Wir wissen, dass es keine einfache Aufgabe wird, weil die Eintracht sich gut entwickelt hat. Aber wir spielen zu Hause und wollen gewinnen. Da können wir keine Rücksicht darauf nehmen, wer auf der anderen Seite steht.“ Es ist Kovacs neue, alte Eintracht – mit dem wieder zur Verfügung stehenden Haller.

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