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Eintracht Frankfurt : Großer Druck nach dem Fehlstart

Alexander Meier zieht ab - wenn er bei seinem Alleingang vor der Pause doch nur getroffen hätte... Bild: APN

Aller Anfang ist schwer: Das 1:2 gegen den HSV ist die zweite Niederlage von Eintracht Frankfurt zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison. In Gladbach ist der Druck schon groß.

          Statt aus luftiger Höhe gehen die Blicke aus dem Tal heraus. „Das ist natürlich sehr unangenehm, dass wir von unten nach oben gucken“, sagte Trainer Michael Skibbe. Dabei war der Plan doch ganz anders. Nach der forschen Ankündigung, es in dieser Saison auf 50 Punkte zu bringen, „weil wir alle uns das zutrauen“, müssen sich der Coach und seine Spieler von der Frankfurter Eintracht aktuell mit etwas anderem beschäftigen: dem Fehlstart in die Fußball-Bundesliga. Erst das unnötige 1:2 zum Auftakt bei Hannover 96, nun das 1:3 bei der Heimspielpremiere gegen den Hamburger SV: Hat sich die Eintracht womöglich überschätzt?

          Dass man derzeit auf dem siebzehnten Tabellenplatz steht und damit Vorletzter ist, ist nach erst zwei absolvierten Begegnungen eine zu vernachlässigende Momentaufnahme. Die lässt sich korrigieren – zum Beispiel durch einen Sieg nach der Länderspielpause am 11. September in Mönchengladbach. „Wir stehen unter Druck“, bekannte Skibbe. „Und jetzt, nach dieser Niederlage gegen den HSV, noch mehr. In Gladbach und gegen Freiburg müssen wir Punkte holen.“

          Die Riesenchance von Meier

          Zählbares für die Eintracht hätte es auch schon am Samstag in der mit 51.500 Zuschauern ausverkauften Arena geben können. Doch weil Alexander Meier kurz vor der Pause alleine auf den Hamburger Torhüter Frank Rost zulief, sein Schuss aber das Ziel aus aussichtsreicher Position verfehlte, war die Chance dahin, um von 1:0 auf das vielleicht spielentscheidende 2:0 zu erhöhen. „Das war ein vergebener Matchball“, ärgerte sich Skibbe später in seiner Analyse. Meier selbst äußerte sich kritisch über seinen Auftritt. So vergab er nicht nur die Gelegenheit, um mit links für rechte Verhältnisse nach einer bis dahin ordentlichen Frankfurter Leistung zu sorgen.

          Nach dem Seitenwechsel agierte der Norddeutsche im Team der Hessen auch bei zwei der drei Hamburger Tore unglücklich. Jeweils nach Eckstößen von Zé Roberto „habe ich gepennt“, räumte Meier ein. „Das waren Stellungsfehler von mir.“ Zwei Ecken, zwei Fehler, zwei Tore (durch Joris Mathijsen und Ruud van Nistelrooy): Die Tiefschläge der Hamburger kamen jeweils mit Köpfchen. Kurz vor Schluss überlistete Paolo Guerrero Eintracht-Torwart Ralf Fährmann zudem mit einem Schuss in die lange Ecke. Die gute Stimmung, für die das 1:0 von Patrick Ochs (mit tatkräftiger Unterstützung des abfälschenden Halil Altintop) gesorgt hatte (37. Minute), war dahin.

          Vierte Pleite im vierten Spiel

          Besonders bitter: Für Fährmann war es die vierte Niederlage in seinem vierten Bundesligaspiel für die Eintracht. Dabei war sich der 21 Jahre alte Torsteher bei allen drei Gegentreffern keiner Schuld bewusst. Fast schon philosophisch bemerkte er: „Ich weiß nicht, ob ich alles richtig gemacht habe. Aber Fehler habe ich nicht gemacht.“ Wenn die Eintracht doch nur jemanden von der Qualität eines van Nistelrooy gehabt hätte. „Das ist einer, der macht das Ding eiskalt rein“, sagte Ochs anerkennend. Der Frankfurter Kapitän zeigte sich stellvertretend für seine Mitspieler nach dem 1:3 enttäuscht. „Wir haben lange Zeit gut gespielt und gut gestanden. Bis zur Halbzeit hatte der HSV doch keine echte klare Chance. Null Punkte, das gefällt mir nicht“, führte der Eintracht-Anführer weiter aus.

          Auch die lobenden Worte von HSV-Trainer Armin Veh konnten keinen Stimmungswandel bewirken. „Im Spiel nach vorne ist die Eintracht sehr gefährlich. Und auch sonst haben sie lauter gute Fußballer“, sagte Veh. Trotzdem blieb es den Eintracht-Profis wieder nicht vergönnt, nach eigentlich gutem Beginn Zählbares zu erreichen. „Es waren die zwei Standards, die uns das Genick gebrochen haben“, stellte Skibbe fest. Dabei hatte der Trainer taktisch einige grundlegende Veränderungen vorgenommen, beseelt von der Hoffnung, damit den HSV entscheidend zu bedrängen. Georgios Tzavellas, der griechische Linksverteidiger, musste sich mit der Zuschauerrolle begnügen. Für ihn rückte Allrounder Benjamin Köhler nach hinten, wo ihm beim dritten Gegentreffer ein schlimmer Fehler unterlief. Caio, erstmals seit längerer Zeit wieder von Beginn an am Ball, sollte auch dank seiner Schusskraft für die besonderen Momente des Spiels sorgen, was dem Brasilianer nicht gelang.

          Hoffnung auf Rückkehr von Chris

          Skibbes Zuversicht auf umgehende Wiedergutmachung ruhen nun unter anderem darauf, dass Abwehrchef Chris in den kommenden beiden Wochen wieder richtig zu Kräften kommt. Der kopfballstarke Südamerikaner soll der Eintracht im Borussia-Park eine Hilfe sein. Die wird wohl auch nötig sein. Nach dem spektakulären 6:3-Auswärtscoup am Sonntag in Leverkusen empfangen die Gladbacher die angeschlagenen Frankfurter aus einer Position der Stärke heraus.

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