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Eintracht Frankfurt : Gesucht und gefunden

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Kaum zu glauben: Sogar der sonst wenig torgefährliche Patrick Ochs trifft in Wilhelmshaven - Kollege Altintop ist überraschter als der eher stoische Gekas Bild: REUTERS

Trainer Skibbe dürfte seine Mannschaft für das erste Spiel in der Bundesliga beisammen haben – zu souverän war das 4:0 im Pokal gegen Wilhelmshaven.

          Es waren nette Gastgeber, die Damen und Herren des Sportvereins Wilhelmshaven. Mit der Gegenwehr ihrer Fußballspieler war es in der ersten Pokalrunde schnell vorbei, so dass die Eintracht zu einem mühelosen 4:0 kam. Für die weit gereisten Frankfurter Anhänger wurde nach der Partie am Hafen eine „Bembel-Party“ organisiert, kostenlose Shuttlebusse fuhren direkt hinter der Haupttribüne ab. Und auch Michael Skibbe sollte es am Freitagabend an nichts fehlen. Als der Frankfurter Trainer in der Schulturnhalle neben dem Stadion eintraf, um auf der Pressekonferenz zum Sieg Rede und Antwort zu stehen, bekam er gleich eine Tasse Kaffee serviert. Weil Skibbe davon ausging, dass die Analyse der einseitigen Partie schnell erledigt sein würde, und er am Ende eines langen Tages Hunger verspürte, orderte er bei einer flugs herbei geeilten Serviererin ein Würstchen, „mit Senf und Ketchup“. Es kam sofort, dampfend heiß und mit einer Scheibe Toastbrot. Bis er zum ersten Mal zubeißen konnte, war die Wurst längst kalt.

          Denn es gab dann doch mehr zu erzählen, als es unmittelbar nach dem Schlusspfiff den Anschein hatte. Dabei drehte sich bei der Analyse alles um eine Frage in vielerlei Variationen: Welche Aussagekraft hat der Erfolg im Hinblick auf den Bundesligastart? Welche Folgen hat die ansprechende Leistung auf die Zusammenstellung der Mannschaft? Welche Alternativen könnten sich in den verbleibenden Tagen bis zum Auftakt an diesem Samstag in Hannover noch ergeben? Skibbe betonte nach dem Spiel artig den Wert dieser Begegnung mit den wackeren Niedersachsen. „Gute Ansätze“ habe er gesehen, schob aber gleich nach: „Es lief so, wie man das im Grunde erwarten durfte.“ Es sei außerdem „noch kein echter Maßstab“ gewesen, aber man habe schon gemerkt, „dass wir ein richtig gutes Team beisammen haben“.

          „Wir sind erst bei achtzig bis neunzig Prozent“

          Soll heißen: Über das Weiterkommen gegen einen viertklassigen Gegner dürfe sich jeder freuen, aber niemand solle es überbewerten. Schließlich werde sich sein Team demnächst in der Liga nicht mehr über ganz so viel Freiraum im zentralen Mittelfeld freuen können wie in Wilhelmshaven. „Die Hausaufgaben sind gemacht. Das Team ist so weit, wie es zum jetzigen Zeitpunkt sein muss“, befand Skibbe, und Ioannis Amanatidis, der seine Sache im Angriff an der Seite von Halil Altintop ordentlich gemacht hatte, präzisierte: „Wir sind erst bei achtzig bis neunzig Prozent.“

          Der Grieche traf bei der Führung in der 21. Minute zum ersten Mal nach zehnmonatiger Verletzungspause in einem Pflichtspiel. Und zeigte sich hinterher „froh und glücklich“, dass er auch den letzten Härtetest bestens überstanden hatte. Selbstverständlich müsse er „noch an der Spritzigkeit arbeiten, aber ich hatte gute Aktionen, nicht nur beim Tor“. Er verspüre große Befriedigung gegenüber „den Leuten, die mich abgeschrieben haben“ und mache sich um seinen Stammplatz überhaupt keine Sorgen. Muss er derzeit wohl auch nicht, denn im Vergleich zu Konkurrent und Landsmann Theofanis Gekas liegt er vorne. Mit Altintop, der in der 89. Minute zum 4:0 traf, klappte das Zusammenspiel ansehnlich, und Martin Fenin, der vierte im Sturm-Bunde, plagt sich aktuell mal wieder mit Rückenschmerzen.

          Kein Grund, die Elf von Wilhelmshaven zu ändern

          Auch Patrick Ochs, Torschütze zum 3:0 (59.), meinte, er und seine Kollegen seien auf einem guten Weg. „Wir haben mit flüssigem Fußball überzeugt und können selbstbewusst in die Liga gehen“, sagte der Kapitän. So wie Georgios Tzavellas. Mit dem 2:0 (38.) gelang dem forschen Griechen gleich sein erster offizieller Treffer für die Eintracht – schön sah es aus, wie er aus 25 Metern einen Freistoß in den Winkel zirkelte. Dass Tzavellas aber auch wie schon häufiger in den vergangenen Tagen seine Vorliebe für grobe Zweikämpfe demonstrierte, fiel Skibbe negativ auf, wird aber nichts daran ändern, dass der Einundzwanzigjährige bis auf weiteres als linker Verteidiger gesetzt ist.

          Es gibt ohnehin – etwaige Verletzungen außer Acht gelassen – keinen Grund, die erste Elf von Wilhelmshaven für das Hannover-Spiel zu ändern: Nikolov im Tor, vor ihm die Kette Jung, Franz, Russ, Tzavellas, als Doppelsechser Schwegler und Meier, auf den Flügeln Köhler und Ochs, und in der Spitze das Duo Amanatidis/Altintop. Allenfalls Chris, wenn er denn seine Leistenbeschwerden rechtzeitig auskuriert, könnte für Jung nominiert werden. Dann würde Franz den rechten Abwehrposten übernehmen. Skibbe wollte sich zu diesen Spekulationen nicht äußern. Warum sollte er auch, es wäre schließlich kontraproduktiv für den neu entfachten Konkurrenzkampf.

          Das, was er am Samstag beim Aus von Hannover 96 beim 4:5 im Elfmeterschießen beim Regionalligateam Elversberg sah, wird ihn wenig beeindruckt haben. Sein Kollege Mirko Slomka rief nach einer desaströsen Vorstellung seiner Elf sogleich den „Alarmzustand“ aus: „Für uns beginnt mit dem Spiel gegen Frankfurt der Abstiegskampf. Es geht nur darum, die Klasse zu halten.“ Für die Eintracht darf es am Ende gerne ein bisschen mehr werden.

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