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Eintracht Frankfurt gegen Rassismus : Die Rückkehr von Yeboah

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Fassade: das Wandgemälde gegen Rassismus in Niederrad mit der Aufschrift „Wir schämen für alle, die gegen uns schreien“ Bild: dpa

Der einstige Eintracht-Profi Anthony Yeboah ist wieder ständig in Frankfurt zu sehen: als Teil eines Wandgemäldes, das sich gegen Fremdenfeindlichkeit richtet.

          Anthony Yeboah wird in Frankfurt verehrt, doch so prominent ist der Ghanaer selbst zu seiner erfolgreichsten Zeit bei der Eintracht nicht gewürdigt worden: Auf 18 mal zehn Metern prangt das Konterfei Yeboahs nun auf einer Hauswand an der S-Bahn-Station Niederrad. Dazu leuchtet in roten Buchstaben der Satz: „Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien.“ Der Spruch stammt aus einem offenen Brief gegen Ausländerfeindlichkeit, den Yeboah gemeinsam mit seinen Profikollegen Souleyman Sané und Anthony Baffoe im Jahr 1991 geschrieben hatte. Der ehemalige Mittelstürmer, Publikumsliebling und zweifacher Torschützenkönig der Eintracht hat sich zu seiner aktiven Zeit immer wieder gegen rassistische Äußerungen gewehrt und auf Fremdenfeindlichkeit aufmerksam gemacht – Mathias Weinfurter will dieses Erbe jetzt weitertragen. Deshalb hat er das riesige Graffito an die Hauswand in Niederrad gemalt und gesprayt.

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Weinfurter ist seit Jahren Fan der Eintracht. „Das Projekt liegt mir am Herzen, weil immer noch Menschen rassistisch ausgegrenzt werden“, sagt Weinfurter. Anthony Yeboah ist für ihn ein wichtiges Symbol gegen Fremdenfeindlichkeit. Weinfurter ist 25 Jahre alt, den Mittelstürmer hat er selbst deshalb nie spielen sehen, und doch ist er Fan des Ghanaers, der zwischen 1990 und 1995 in 141 Spielen 75 Tore für die Eintracht geschossen hat. In gewisser Weise ist das Comedy-Duo Badesalz dafür verantwortlich, dass jetzt Yeboah auf der Hauswand verewigt ist: Denn deren Sketch „Anthony Sabini“ ist der Auslöser dafür, dass Weinfurter sich mit Yeboah und Rassismus beschäftigt hat. Das Stück kritisierte die Doppelmoral vieler Eintracht-Fans, die Yeboah so lange als „Halbaffen“ bezeichneten und mit Bananen beschmeißen wollten, bis er plötzlich für den eigenen Verein Tore schoss. Eine Wandlung von „Eija, so wie der leeft, der Gorilla“ zu „wie der sich bewescht, wie eine Gazelle, du!“.

          Anti-Rassismus-Preis für Weinfurter

          „Diese Geschichte von Diskriminierung kann man auch im Stadtbild erzählen“, sagt Weinfurter, der in Offenbach Visuelle Kommunikation studiert. Und die Hauswand in Niederrad sei perfekt dafür: groß genug, gut beschaffen für die Farbe, weit sichtbar und deshalb in einer guten Lage. Man sieht sie von der S-Bahn aus, Fernverkehrszüge fahren vorbei und Fans auf dem Weg zum Stadion. Der Eigentümer des Hauses, die Nassauische Heimstätte, sei von der Idee begeistert gewesen, sagt Weinfurter. Geholfen hat vielleicht, dass bereits das bloße Konzept prämiert wurde: Beim Heimspiel gegen Augsburg im vergangenen Jahr ist Weinfurter mit dem Anti-Rassismus-Preis „Im Gedächtnis bleiben“ des Frankfurter Fanprojekts ausgezeichnet worden.

          Seit zwei Wochen hat Weinfurter nun mit einem Freund die Wand bemalt. Zuerst haben sie drei Tage lang mit roter Farbe den Spruch auf die Wand gepinselt, in der zweiten Woche haben sie mit Sprühdosen das Abbild Yeboahs auf die Hauswand gesprayt. Zehn Leute waren ständig dabei, haben mit der Hebebühne geholfen oder von der S-Bahn-Haltestelle aus immer wieder überprüft, ob die Details wie Augen, Nase oder Ohren auch aus der Ferne so aussehen, wie sich die zwei Künstler das vorstellen.

          „Yeboah hat sich geehrt gefühlt“

          Mit Farben und der Hebebühne hat das Fanprojekt Nordwestkurve e.V. die Arbeit an dem Wandgemälde unterstützt. Denn das würde laut Fanprojekt nicht nur „unsere Stadt individuell und mit Bezug zur Eintracht verschönern“, sondern auch ein „Zeichen gegen Intoleranz und Diskriminierung“ setzen. An seinem Yeboah-Porträt wollte Weinfurter mit möglichst wenig Hilfe arbeiten: „Wir hätten uns da viele Sponsoren suchen können, aber das sollte so authentisch wie möglich bleiben“, sagt er. Deshalb sollte das Team auch klein bleiben, das kunstvolle Bild in mühevoller Fleißarbeit entstehen: Abends hat das Team um Weinfurter das Bild Yeboahs mit einem Beamer auf die Hauswand projiziert, tagsüber mit einem ausgedruckten Foto als Vorlage gearbeitet. Auf das Ergebnis ist Weinfurter stolz und auch darauf, wie Anthony Yeboah selbst auf die Nachricht reagiert hat, dass sein Konterfei auf einer Hauswand verewigt wird. „Yeboah hat sich geehrt gefühlt“, sagt Weinfurter. Er habe sich gefreut, dass er auch fast zwanzig Jahre nach seiner Zeit in Frankfurt bei den Eintracht-Fans noch in so guter Erinnerung sei. „Und er findet es positiv, dass die Botschaft weitergetragen wird“, sagt Weinfurter.

          An diesem Samstag (21. Juni 2014) wird das Wandgemälde, das sogenannte „Yeboah-Haus“, ab 14 Uhr offiziell eingeweiht. Die Moderation übernimmt das Eintracht Museum.

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