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60 Jahre Meisterschaft : Das erste Mal für die Eintracht

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Friedel Lutz (links) und Istvan Sztani jubeln mit Meisterschale und Pokal auf dem Balkon des Römers. Bild: Picture-Alliance

Sechzig Jahre dauerte es vom Gründungsjahr 1899 bis zum ersten Meistertitel der Eintracht – und seit sechzig Jahren warten die Freunde des Vereins auf eine Wiederholung.

          Der 29. Juni 1959 – warum eine Artikel-Serie, die das Ziel hat, „Eintracht Frankfurt und 60 Jahre deutsche Fußball-Meisterschaft“ zu beleuchten und, natürlich, auch zu feiern, ausgerechnet mit diesem Datum beginnt, dem Tag nach dem großen Endspiel-Sieg, ist nicht schwer zu erklären. Erwartet wurde die Rückkehr der Meister aus Berlin, Frankfurt war bereit für den Ausnahmezustand. Wer an jenem Montag aufwachte, der hörte vielleicht im Radio Freddy Quinn mit dem Lied „Die Gitarre und das Meer“. Denn der Titel stand damals auf Position 1 der Verkaufs-Hitparade. Menschen, deren Woche nicht irgendwo begann, sondern eben in Frankfurt am Main, mag eine ganz andere Melodie in den Ohren geklungen haben: „So ein Tag, so wunderschön wie heute“.

          Dass es auch davon eine Fassung von Freddy Quinn gibt – geschenkt. Dieses Stück hat sich für Anhänger der Frankfurter Eintracht nie besser angehört als laut und schief und aus Tausenden von Kehlen an diesem und am vorangegangenen Tag, dem Sonntag aller Sonntage in der Vereinsgeschichte der Eintracht. Gegen die Offenbacher Kickers hatte die Eintracht das Finale im Olympiastadion von Berlin nach Verlängerung 5:3 gewonnen. Es war, damals war der Begriff noch lange nicht so strapaziert und abgenutzt wie heute, ein Fußballkrimi: Nach 15 Sekunden fällt das erste Tor für die Eintracht, nach 22 Minuten steht es 2:2. Letztlich geht es in die Verlängerung. Dort trifft die Eintracht noch dreimal und Offenbach nur einmal.

          Dass die Eintracht von Paul Oßwald zum Titel geführt wurde, war eine besondere Pointe, stand der doch bis 1958 in Diensten der Kickers. An Oßwald, einem Trainer, der mehrmals erfolgreich zwischen den Fußball-Nachbarn wechselte, und am Umstand, dass beide Teams auf dem Weg ins Finale ihre Endrunden-Heimspiele im Waldstadion absolvierten, daran lässt sich trefflich belegen, dass die beiden Rivalen vom Main mehr verbindet, als mancher Fan der einen oder anderen Seite wahrhaben will.

          Festspiele im Waldstadion

          Die Veröffentlichungstermine dieses Textes und der sechs weiteren Stücke folgen der damaligen zeitlichen Dramaturgie der Endrunde, für die sich Meister und Zweiter der Oberligen West und Süd, der Meister der Oberligen Nord und Südwest, der Meister der Vertragsliga Berlin sowie der Gewinner des Qualifikationsspiels zwischen den Zweiten der Oberligen Nord und Südwest qualifizierten. Die Eintracht als Meister der Oberliga Süd trat in Gruppe 1 an, die Kickers spielten als Süd-Zweiter in Gruppe 2. Alle Heimspiele trugen die Eintracht vom Riederwald und die Kickers vom Bieberer Berg also im riesigen Frankfurter Waldstadion aus, vor bis zu 80.000 Zuschauern. Woche für Woche im Wechsel baten die Nachbarn von Mitte Mai an zu ihren Fußball-Festspielen in ein und dieselbe Arena.

          Am 16. Mai 1959 starteten die Kickers im Waldstadion mit einem 3:2 gegen den Hamburger SV. Und für die Eintracht ging es vor genau 60 Jahren mit einem furiosen 7:2 bei Werder Bremen los, Eckehard Feigenspan erzielte dabei drei Treffer (was er im Finale wiederholen sollte). Eigentlich hatte am 16. Mai am Zoo der Eintracht-Ball aus Anlass des 60-jährigen Vereinsbestehens gefeiert werden sollen. Lange im Voraus geplant, musste die Veranstaltung aus sportlichen Gründen verschoben werden – mit gutem Gespür wählte man nun den 29. Juni aus.

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