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Eintracht Frankfurt : Ein Tiefschlag wie aus dem Nichts

Ratlos: Maik Franz. Bild: DPA

Das System Daum gleicht dem System Skibbe. Doch auch nach dem 0:1 in Hoffenheim will sich der Eintracht-Trainer nicht von seinem Rettungsplan abbringen lassen. Aber die Erfolge der Konkurrenz bereiten „große Sorgen“.

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          Der Kapitän zeigte Flagge. „Wollen Sie wirklich wissen, wie ich mich fühle?“ fragte Patrick Ochs in die Runde? „Richtig beschissen.“ Der unverhoffte Tiefschlag beim 0:1 in Hoffenheim kam schließlich wie aus dem Nichts. Mehr als eine Stunde lang war die Frankfurter Eintracht in ihrer fünftletzten Saisonprüfung die dominierende, die spielbestimmende, die bessere Mannschaft. Belohnt worden aber ist sie für ihren Einsatz vor ausverkauftem Haus in der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena nicht. Es waren im Gegenteil die schwächelnden Fußballprofis von 1899 Hoffenheim, die eine Unachtsamkeit des Frankfurter Torhüters siegbringend zu nutzen wussten.

          Wieder ein Lapsus von Ralf Fährmann. In jener spielentscheidenden Szene in der 78. Minute blieb der 22 Jahre alte Schlussmann alles schuldig, was einen erstklassigen Torhüter auszeichnet. Anfängerhaft ließ er den Schuss von Ryan Babel abklatschen. Schlimmer noch: Der Ball landete genau vor den Füßen des frisch eingewechselten Brasilianers Roberto Firmino, der sich für das unverhoffte Geschenk bedankte. Der großgewachsene, 1,96 Meter lange Frankfurter erwies der Eintracht mit seinem Aussetzer zum wiederholten Male einen Bärendienst. Schon bei der Niederlage in Gelsenkirchen ließ er sich vom Schalker Weltstar Raúl das Leder von den Füßen stibitzen. Und auch beim 0:2 in Frankfurt gegen den VfB Stuttgart hatte Fährmann mit unglücklichen Paraden maßgeblichen Anteil am Erfolg der Schwaben. Die sind den Hessen im Kampf um den Klassenverbleib übrigens schon einen Wimpernschlag voraus. Dank des 3:1-Erfolgs in Köln hat sich die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia punktgleich wegen der weitaus besseren Tordifferenz vor die Eintracht geschoben. Beide Teams weisen 33 Zähler auf und liegen vier Punkte vor dem Relegationsplatz sechzehn, auf dem sich der ehemalige Meister Wolfsburg mit 29 Punkten befindet.

          „Wir haben es immer noch in der eigenen Hand, den Klassenerhalt zu schaffen“

          Was hatten sich die Frankfurter, angetrieben von Coach Christoph Daum, nicht alles für die Dienstreise nach Sinsheim vorgenommen! Daum hatte vom „second wind“ gesprochen, der seiner Mannschaft frische Kräfte und Flügel verleihen sollte. Doch spielerisch ist die Eintracht auch unter Daum nicht entscheidend vorangekommen. Das System ist das gleiche wie unter Michael Skibbe. Weiterhin wird mit langen Bällen versucht, Theofanis Gekas in Szene zu setzen. Eine Taktik, die in Hoffenheim teilweise fruchtete. Wie schon in der Vorwoche gegen Bremen wurde der lauernde Grieche mehrmals bestens freigespielt. Allein: Er traf das Tor nicht. War es gegen Werder der überragende Schlussmann Tim Wiese, der sich Gekas immer wieder mutig in den Weg stellte, hieß der Individualgegner im Kraichgau Tom Starke. Der erstmals mit der Hoffenheimer Kapitänswürde betraute Torwart machte beste Gekas-Chancen zunichte (15., 29., 51. Spielminute). „Hier und heute wäre es an der Zeit gewesen zu punkten“, ärgerte sich ein missmutig dreinschauender Heribert Bruchhagen. Dem Manager und Vorstandschef bereitete zudem das Treiben auf den anderen Plätzen „große Sorgen“. Der Sieg des VfB in Köln dürfte dem Eintracht-Macher gar nicht gefallen haben; besser war da schon das Last-Minute-Tor des VfL Wolfsburg, das zumindest ein Remis gegen den kämpferischen und am Samstag besseren FC St. Pauli sicherte. „Aber unser 0:1 hier ist schon bitter“, konstatierte Bruchhagen.

          Die minimalste aller Niederlagen, schon die vierte im sechsten Aufeinandertreffen mit den Hoffenheimern, ist die erste, seitdem Daum in Frankfurt das Sagen hat. Dass ihn die inneren und äußeren Begleitumstände des 0:1 getroffen haben, war nach Spielschluss sichtbar. In wenigen Sätzen nur äußerte sich der 57 Jahre alte Daum zum Treiben auf dem Rasen. Dann stand er auf und verschwand wortlos in den Katakomben. Es war nicht nur die Niederlage, die Daum getroffen haben dürfte. Auch die rüde Attacke des Deutsch-Togolesen Peniel Mlapa gegen Innenverteidiger Maik Franz dürfte Daum zornig gemacht haben. Es war grob unsportlich, wie sich Mlapa mit gestrecktem Bein dem Frankfurter Kämpfer in den Weg stellte und schwer ihn verletzte. Noch am Samstagabend wurde Franz in die Frankfurter BG-Unfallklinik gefahren und eingehend untersucht. Ergebnis: Mlapa hat dem 29 Jahre alten Franz eine schwere Mittelfußprellung mit Kapsel- und Bandverletzung im rechten Fuß zugefügt. Ein Einsatz am nächsten Samstag beim alljährlichen Saisonklassiker gegen den FC Bayern München ist mehr als fraglich. Kämpfer wie Franz aber braucht Daum, um seine Mission Klassenverbleib zu einem glücklichen Ende zu führen. Für den zusammengetretenen Innenverteidiger kam Aleksandar Vasoski in die Partie, dem sichtlich Spielpraxis und Spritzigkeit fehlten. Beim Siegtreffer der Kraichgauer wurde dem zu Hilfe eilenden Mazedonier regelwidrig vom zuvor im Abseits stehenden Vedad Ibisevic der Weg versperrt.

          Trotz des Rückschlags in Hoffenheim will sich Daum von seinem Rettungsplan nicht abbringen lassen. „Wir haben es immer noch in der eigenen Hand, den Klassenerhalt zu schaffen“, sagte er. „Wir können unser Schicksal selbst bestimmen.“ Moralische Unterstützung soll Daum und seinen Spielern Winston Churchill geben, den der Frankfurter Trainer zitierte. „Never ever give up.“ Nein, aufgeben wird Daums Eintracht nicht. „Der Überlebenskampf wird bis zum letzten Spieltag dauern“, prognostizierte er. Was vermutlich nicht so günstig wäre. Die Fahrt zum 34. Punktspiel führt den Frankfurter Tross in den Westen zu Borussia Dortmund.

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