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Eintracht-Neuverpflichtungen : Große Worte und verwegene Träume

Neu im Mittelfeld der Eintracht: der Schweizer Djibril Sow Bild: Heiko Rhode

Die beiden Neuzugänge Dominik Kohr und Djibril Sow wollen mit der Frankfurter Eintracht hoch hinaus. Für die Talente ist eine Rückkehr in die Eliteklasse des Fußballs ein Ziel.

          Die Wahl des Raums war reiner Zufall. Doch der Name soll wirken: „Gold 1“. Zwei Neuzugänge sind überzeugt davon, der Eintracht mehr Glanz verleihen zu können. Zwei Spieler, für die die Frankfurter Verantwortlichen tief in die Kasse gegriffen haben. Doch die Investition von gut 19 Millionen Euro soll sich lohnen. Sowohl von Djibril Sow (neun Millionen Euro Ablöse) als auch von Dominik Kohr (zehn Millionen) haben Eintracht-Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic schließlich eine hohe Meinung. „Beide werden unser Spiel variabler und schneller machen“, hofft Hütter. Den einen, Sow, kennt er besser und intensiver als den anderen, was nicht verwundert. Ein Jahr lang, von 2017 bis 2018, haben der Coach und sein Mittelfeldmann bei den Young Boys in Bern gemeinsame Sache gemacht und den Klub aus dem Berner Oberland auf den sportlichen Gipfel geführt: Meister der Schweiz. Der erste Titel seit 32 Jahren.

          Nun sind sie wieder vereint, und es war mit Christoph Spycher ein ehemaliger Eintracht-Profi, der Sow den Wechsel nach Frankfurt ans Herz gelegt hat. „Er hat mir gesagt, dass es für mich jetzt genau der richtige Schritt ist“, sagt Sow in eben Raum „Gold 1“ in einem Hotel in Arena-Nähe. Spycher, einst ein umsichtiger Eintracht-Kapitän von großem intellektuellen Zuschnitt, wirkt seit drei Jahren als Sportdirektor der Young Boys Bern.

          Kommende Woche, anlässlich des Uhren-Cups, an dem die Eintracht während ihres sechstägigen Trainingslagers in Thun und Biel teilnimmt, wird man sich wieder sehen. Sow wird dann den Frankfurter Dress mit der Rückennummer tragen, die gleichzeitig seiner Lieblingsposition entspricht: 8. „Ich bin ein Achter“, sagt der 22 Jahre alte Schweizer. „Ich bin sehr lauffreudig und einer, der verteidigt und angreift.“

          Kohr holte sich Rat bei Hradecky

          Genau so einer wie sein neuer Mitspieler Dominik Kohr, der am Donnerstag gleichfalls die Möglichkeit nutzt, sich verbal einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen. „Ich bin ein Box-to-Box-Spieler“, sagt der aus Leverkusen nach Frankfurt gekommene Mittelfeldmann. Unter dem Bayer-Kreuz, zumal unter dem neu hinzugekommenen Trainer Peter Bosz, war Kohr nicht mehr auf die Einsatzzeiten gekommen, die er sich persönlich gewünscht hat. Ein Wechsel stand im Raum, „und die Frankfurter haben sich schon sehr früh gemeldet“, sagt Kohr, der glaubt, „dass ich von der Spielweise her jetzt genau bei dem richtigen Klub bin“.

          Bei Torwart Lukas Hradecky, früher selbst erfolgreich in Frankfurt zwischen den Pfosten stehend, hat sich Kohr erkundigt, was ihn bei der Eintracht erwarten würde. „Er hat mir durchweg Positives berichtet“, sagt der 25 alte, aus Trier stammende Kohr. Augsburg, Leverkusen – und nun Frankfurt: Für Kohr ist es kein Zufall, dass er ausgerechnet bei der Eintracht gelandet ist. Bei einem Klub, „der eine Mischung aus Leverkusen und Augsburg ist. In Leverkusen haben wir gespielt, in Augsburg haben wir gekämpft“, sagt der Mann, der von seinem einstigen FCA-Mitspieler, Kapitän Daniel Baier, während eines Trainingslagers den griffigen Spitznamen „HardKohr“ erhalten hat. Kohr, ein „Hardcore“-Spieler mit einem harten Kern?

          Fans als „Extra-Motivationsschub“ für Sow

          Eher jemand, der kraftvoll seiner Arbeit nachgeht – und abseits des Feldes, wie sein erster Auftritt in Frankfurt zeigt, durchaus mit spitzfindigen Aussagen ein anderes Gesicht zeigt. „Als Kevin-Prince Boateng hier bei der Eintracht gespielt hat, hat er gesagt, dass er einmal den Pokal gewinnen will. Für mich wäre es ein Traum, überhaupt mal im DFB-Pokal nach Berlin zu kommen“, sagt Kohr. „Mit der Hand am Pokal war Boateng am Ziel. Und für mich ist es auch ein Ziel, ihn mal hochzuheben.“ Mehr noch: Als aufmerksamem Beobachter des Frankfurter Fußballs war Kohr auch aus dem Leverkusener Blickwinkel nicht entgangen, „dass es mit der Eintracht in der Bundesliga in den letzten Spielen nicht glücklich gelaufen ist“. Anders ausgedrückt: Der Mann von der Mosel traut der Mannschaft vom Main durchaus mehr zu. „Vielleicht kann die Eintracht mal die Champions League angreifen. Ich glaube, dass hier noch Luft nach oben ist.“

          Mit Djibril Sow, dem Achter-Kollegen aus dem neu besetzten Frankfurter Mittelfeld, scheint Kohr auf einen Gleichgesinnten getroffen zu sein. Denn auch Sow nutzt die Gelegenheit im Raum „Gold 1“, um zu sagen: „Es ist mein Wunsch, einen Titel zu holen.“ Sow weiß, „dass die Ablöse eine Wertschätzung vom Verein bedeutet. Bei der Eintracht will ich jetzt einen weiteren Schritt nach vorn machen, und dass das Stadion fast immer ausverkauft ist, gibt mir einen Extra-Motivationsschub.“

          Sow, der drei Jahre jünger ist als Kohr, ist als Grenzgänger zum zweiten Mal in Deutschland. Mit 18 schloss er sich Borussia Mönchengladbach an, ging dann zurück in die Schweiz nach Bern, um sich jetzt wieder der Herausforderung Bundesliga zu stellen. Dafür fühlt er sich jetzt gerüstet. „Ich bin reifer geworfen“, sagt Sow – und kann sich darüber freuen, dass er inmitten seiner neuen Spielkameraden mit seinem Landsmann Gelson Fernandes jemanden hat, „der meinen Weg verfolgt hat“. Fernandes hat wie andere auch Sow mit Bern in der Champions League spielen sehen. „Dort sind Tempo und Intensität unglaublich“, sagt Sow, für den spätestens seit dem vergangenen Jahr in der Schweizer Heimat feststeht: „Da will ich auch hin. Es wäre ein Traum, mit Eintracht Frankfurt in die Champions League zu kommen.“

          Große Worte zweier ambitionierter Eintracht-Spieler mit derselben Lieblingsposition. Während Sow schon früher in Frankfurt war und sich die Trikotnummer 8 gewünscht hat, wird Kohr zukünftig mit der 28 zwischen den Strafräumen wirbeln.

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