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Eintracht Frankfurt : Die Ungewissheit bleibt

  • -Aktualisiert am

Ballungsraum: Und so reagiert Trainer Armin Veh auf Tore, in diesem Fall auf das dritte. Bild: DPA

Die Eintracht betritt in Fürth eine neue Welt – und findet sich zögerlich zurecht. Das 3:2 macht Mut, doch durch den Wechsel von Russ fehlt Abwehrkraft.

          Dass die Zweite Fußball-Bundesliga Vorteile gegenüber der höchsten Spielklasse hat, ist selten, kommt aber vor. Zum Beispiel bei Gordon Schildenfeld. Der neue Innenverteidiger von Eintracht Frankfurt profitiert von einem Alleinstellungsmerkmal, das normalerweise nebensächlich ist: Es wird auch montags gespielt. Zum Beispiel nächste Woche, beim ersten Heimspiel der Frankfurter gegen den Mitabsteiger FC St. Pauli. Das heißt, es sind zehn Tage vom 3:2 in Fürth am Freitag bis zum nächsten Spiel, und für Schildenfeld ist das eine gute Nachricht. Der Kroate war nach dem ersten Pflichtspiel für seinen neuen Verein zwar unter den Siegern, seine Ungewissheit aber beseitigte das nicht. Der 26 Jahre alte Abwehrspieler, zuvor in Österreich bei Sturm Graz unter Vertrag, berichtete nach dem Erfolg in Franken freundlich und beinahe sanft, wie es denn so ist, wenn man eine neue Fußball-Welt betritt – und dabei Schwächen zeigt, weil man von heute auf morgen darin klarkommen muss. „Es ist eine neue Liga“, sagte er entschuldigend. Und: „Es war mein erstes Spiel.“ Die Statistik war bekannt, unbekannt war dagegen, wie professionell und unverkrampft er mit einer Leistung umgeht, zu der Fehler bei beiden Gegentoren gehörten. Sein Fazit: Es dauert noch ein bisschen, aber das wird schon werden. Für ihn und die gesamte Mannschaft.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie ist nämlich eine Formation des Übergangs, die kurz nach dem Spiel auch Innenverteidiger Marco Russ verlor, der (für eine geschätzte Ablösesumme von drei Millionen Euro) zum VfL Wolfsburg gewechselt ist, und die weitere Spieler bald wohl nicht mehr in ihren Reihen haben wird. Um wen es dabei geht, ist noch nicht raus. Die Spieler, die auf dem Platz standen, konnten gegen die quirligen Fürther wenigstens einigermaßen mit diesem ständigen Veränderungsprozess umgehen. Aber es gibt auch andere, die nicht gespielt haben – oder nur sehr kurz. Theofanis Gekas zum Beispiel. Der griechische Stürmer gehörte in der vergangenen Saison noch zu den treffsichersten Spielern der Bundesliga, aber wer ihn in Fürth beobachtete, der sah einen Spieler mit großem Unwohlsein. Gekas, einst so etwas wie eine Lebensversicherung der Eintracht, wurde in der dritten Minute der Nachspielzeit für den neuen Angreifer Erwin Hoffer eingewechselt, damit ein wenig Zeit verstreicht, in der garantiert nichts mehr passiert. Ein paar Sekunden Einsatz als Spielunterbrecher, dazu noch auf einem gefühlten Dorfsportplatz – in Gekas‘ Gesicht stand anschließend Unverständnis und Lustlosigkeit. Die Eintracht wird auch Glück brauchen, um diesen „Fall“ zu lösen, aber darin ist sie ja auf anderen Feldern geübt, wie die Causa Ioannis Amanatidis zeigt, die an diesem Dienstag vor dem Arbeitsgericht Frankfurt verhandelt wird. In Fürth war eine ganze Menge davon im Spiel. Alexander Meier zum Beispiel nannte seinen ersten Treffer zum 1:2, als er einen abgewehrten Ball kurz vor der Strafraumgrenze volley aufs Tor schoss, „ein bisschen glücklich“. Das war in der 56. Minute, und in der 64. Minute traf er gleich noch mal, diesmal per Kopf. Zu den Umständen des zweiten Treffers sagte er nichts. Dafür dies: „Es war ein glücklicher Sieg.“ Das fand auch Trainer Armin Veh, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen sprach von „Fortune“, und dem eingewechselten Siegtorschützen Karim Matmour fiel zu seinem Glücksmoment kurz vor dem Abpfiff ein: „Es war auch Glück, so zu treffen.“ Sein Schuss von halbrechts wurde nämlich noch leicht abgefälscht.

          Bereitschaft zur Wende

          Sei’s drum, die Eintracht ist jedenfalls erfolgreich in die neue Saison gestartet. Und zwar gegen einen Gegner, dem ligaweit viel zugetraut wird. Fürth hat den Aufstieg zwar nie geschafft, aber das Team war schon einige Male so kurz davor, dass eine abermalige Spitzenposition niemanden wundern würde. Die Franken spielten auch gegen die Eintracht stark. Nachdem Christopher Nöthe in der 20. und 44. Minute getroffen hatte und ein Schuss von Edgar Prib kurz nach dem Seitenwechsel am Pfosten gelandet war, kamen wohl nicht viele unter den 14 200 Zuschauern auf die Idee, dass am Ende Eintracht Frankfurt gewinnen könnte. Es war der zweite Konsens des Tages: Vehs Mannschaft hatte nicht gegen irgendwen gewonnen, sondern gegen einen Gegner, der für jeden in dieser Liga eine Gefahr sein kann. „Die haben auch Ambitionen aufzusteigen“, sagte Torwart Thomas Kessler“, und es bestand kein Zweifel, dass er es den Fürthern zutraut.

          Gegen einen solchen Konkurrenten nicht eingeknickt zu sein war die zweite große Leistung des Tages – neben der Fähigkeit, auch neu zusammengestellt und ohne ausreichende Abstimmung erfolgreich zu spielen. Veh versicherte, dass er in der Kabine, beim Stand von 0:2 also, „keine hängenden Köpfe“ gesehen habe, dass vielmehr die Bereitschaft zur Wende verbreitet gewesen sei. Vor allem bei ihm selbst. „Wir können immer was drehen“, habe er seinen Spielern gesagt. Und dass die Mannschaft genug Qualität habe, um bei einem Anschlusstreffer noch mal ins Spiel zu kommen. Für Veh war diese gelungene Vorhersage, was das Spiel für seine Mannschaft war: ein echter Glücksfall.

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