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Eintracht Frankfurt : Der nächste, bitte!

„Der Wechsel in die zweite Liga ist für mich kein Abstieg”: Erwin Hoffer will bei der Eintracht nicht lange in einer Ruheposition verharren. Bild: imago sportfotodienst

Bei der Eintracht bahnt sich ein weiterer Transfer an: Mit Stürmer Erwin Hoffer herrscht Einigkeit über einen Wechsel vom SSC Neapel. Nur die Zustimmung des Klubs fehlt noch.

          Die Telefonate haben sich gelohnt. „Es war ein großer Kampf“, sagte Bruno Hübner. Doch nun ist er nach wochenlangem Ringen fast beendet. „Mit dem Spieler“, sagte Eintracht-Sportdirektor Hübner nach seiner Ankunft im Trainingslager in Leogang, „waren wir uns schon vor drei Wochen einig.“ Schwieriger indes war es für den Fünfzigjährigen, die Freigabemodalitäten mit Hoffers Stammverein SSC Neapel zu klären. Das finale Okay steht zwar noch aus, doch Hübner ist optimistisch, zügig die letzten Dokumente übermittelt zu bekommen. Die Italiener hatten sich 2009 die Transferrechte an dem 24 Jahre alten Österreicher gesichert und dann in der vergangenen Saison an Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen. Am Sonntagnachmittag um 13.55 Uhr fuhr Hoffer mit seinem Berater Max Hagmayr vor dem Mannschaftshotel der Eintracht vor, stellte sich kurz der Presse und suchte sogleich den Kontakt mit den neuen Spielkameraden. Vom Angeln in Niederösterreich direkt zum Fußballspielen ins Salzburger Land: Der schüchtern wirkende Hoffer sagte nach seiner Ankunft am Sonntag, „dass wir eine große Aufgabe vor uns haben. Ich bin zwar aus der ersten in die zweite Liga gegangen. Doch ein Abstieg ist das nicht für mich. Ich bin sicher, nach nur einem Jahr wieder oben dabei zu sein.“ Gelernt hat Hoffer, der den Spitznamen „Jimmy“ trägt, sein professionelles Handwerk bei Admira Wacker Mödling. Der Stürmer, der sich auf zentraler Position am wohlsten fühlt und durch Schnelligkeit und Torinstinkt auszeichnet, machte durch seine forsche Art Fußball zu spielen auf sich aufmerksam. Folgerichtig kam es 2006 zum Wechsel in die Hauptstadt zu Rapid Wien. Für die „Roten Teufel“ vom Kaiserslauterer Betzenberg absolvierte Hoffer in der Aufstiegssaison 24 Spiele, erzielte fünf Tore – und rückte nach dem Abstieg der Eintracht schnell in den Fokus der Frankfurter Verantwortlichen. In der österreichischen Nationalmannschaft hat er es bislang auf 22 Länderspiele gebracht.

          Tore soll er nun für die Eintracht erzielen. „Weil ich so eiskalt vor dem Tor wie der Killer ,Jimmy. die Tulpe‘ im Film ,Keine halbe Sachen‘ bin, hat mich mein damaliger Trainer Karl Brauneder Jimmy genannt“, sagte Hoffer in der Gaststube des Mannschaftshotels. Für Landsmann Ümit Korkmaz steht außer Frage, dass der Eintracht mit Hoffer „ein dicker Fisch ins Netz gegangen ist. Jimmy angelt in seiner Freizeit rund um die Uhr“, wusste Korkmaz über den 24 Jahre alten Sturmkollegen, der acht Geschwister hat, zu berichten. „Er ist ein Panzertyp mit Hinterbacken wie Jennifer Lopez. Im Strafraum ist er irrsinnig schnell und tankt sich durch. Ein Karambolage-Typ.“

          Rätselraten gab es unlängst auch über die Zukunft von Marcos Alvarez

          Thomas Kessler, Matthias Lehmann, Stefan Bell, Constant Djakpa – und nun Erwin Hoffer. Die Eintracht bekommt nach und nach ein neues Gesicht, und Hübner ist weiter damit beschäftigt, die noch ausstehenden Wünsche des Trainers zu befriedigen. So sind sich Armin Veh und Hübner einig, dass noch Verstärkung in der Innenverteidigung sowie auf der rechten Außenbahn benötigt wird. „Mit dem, was wir bisher erreicht haben, bin ich nicht unzufrieden“, sagte Hübner. Für Transfers und Vertragsauflösungen stehen dem Manager 4,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die bevorstehende Verpflichtung von Hoffer dürfte diese Summe schrumpfen lassen. Nach den beiden weiteren Wunschkandidaten hat Hübner schon Ausschau gehalten. Doch er weiß: „Die meisten stehen unter Vertrag. Auch bei erstklassigen Spielern habe ich vorgefühlt. Aber die Vereine geben sie noch nicht frei.“ Das Modell, das Hübner für den personellen Umbau geplant hat, basiert auf festen Kennzahlen. Die Formel des Sportdirektors lautet: „Zwanzig Profis plus drei Torhüter plus drei bis vier Junge.“ Macht in der Summe einen Kader von 27 Spielern. Da aber seit Sonntag mit der Ankunft von Hoffer die Frankfurter Reisegruppe auf 25 angewachsen ist und weitere Kräfte wie Georgios Tzavellas, Sonny Kittel und Nikola Petkovic in den nächsten Wochen zurückerwartet werden und eben noch zwei Neuzugänge kommen, muss Hübner Verschlankungsmaßnahmen vornehmen und sich von drei Spielern trennen. Seiner Aufgabe aber, den Trainer „total happy“ zu machen, wie Hübner sagte, ist der Sportdirektor dank der bisherigen Transfers einen Schritt näher gekommen. Veh zeigte sich „glücklich“ über Hoffers Ankunft. „Das ist ein absolut fleißiger Spieler, der arbeitet und für die Mannschaft läuft.“ Zudem lüftete der Eintracht-Manager auch das Geheimnis um die vertragliche Zukunft des Ivorers Djakpa. „Wir haben ihn gekauft, ihm einen Jahresvertrag gegeben und besitzen die Option, ihn für weitere zwei Jahre an uns zu binden.“ Gekoppelt ist die mögliche zukünftige Zusammenarbeit an „Leistungskomponenten. Wenn wir unser Ziel erreichen, dann kann auch Djakpa sein Ziel erreichen“, sagte Hübner. Seit Jahren schon favorisiere er ein Modell, wonach Profis nach einer bestimmten Anzahl von vereinbarten Spieleinsätzen gutes Geld verdienen könnten. Wie viel im Fall Djakpa von Frankfurt nach Leverkusen geflossen ist, wollte Hübner nicht preisgeben. „Wir haben Stillschweigen vereinbart.“

          Rätselraten gab es unlängst auch über die Zukunft von Marcos Alvarez. In dem Fall des von den „kleinen“ Bayern zur Eintracht zurückgekehrten Stürmers spielte Hübner mit offenen Karten. Danach muss sich der 19 Jahre alte Alvarez in den Tagen von Leogang nicht mehr beweisen, denn er hat schon einen Vertrag in der Tasche: „Für ein Jahr mit Leistungskomponenten auf eine Verlängerung.“ Hübner gesteht Alvarez zu, „seinen Fehler wieder gutzumachen. Es war nicht richtig, die Eintracht überstürzt zu verlassen. Zudem hat er sich bei den Profis von Beginn an sportlich nicht einwandfrei verhalten. Jetzt hat er die Chance, seine Einstellung zu ändern“. Bei der geballten mannschaftsinternen Konkurrenz jedoch wird es Alvarez schwer haben, über Mini-Einsätze hinaus zu kommen. Theofanis Gekas, Martin Fenin und „Panzertyp“ Erwin Hoffer sind Stürmer von anderem Kaliber.

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