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Eintracht Frankfurt : Der dritte Mann

Verlässlich Tore schießen: Das erwartet man bei der Eintracht von Neuzugang André Silva. Bild: dpa

Den portugiesischen Neuzugang André Silva zieht es wie Bas Dost und Goncalo Paciencia ins Angriffszentrum der Eintracht. Spielt Hütter künftig mit zwei Spitzen?

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          Für den Mann aus Mailand haben sie alle Hebel in Bewegung gesetzt. Es war kein Zufall, dass sich André Silva vor seiner offiziellen Präsentation erst in ein provisorisch eingerichtetes Fotostudio für entsprechende Aufnahmen begeben musste. Der Portugiese, zuletzt für AC Mailand am Ball, tat dies in seiner neuen Dienstkleidung, die ihn unverkennbar als spielenden Mitarbeiter von Eintracht Frankfurt auswies. Freundlich lächelnd blickte Silva immer wieder in die Kamera, bis das perfekte Foto gemacht war. Kurze Zeit später war es schon überlebensgroß in der Frankfurter Arena zu sehen. Silva grüßte vom Videowürfel hoch über dem Anstoßkreis – doch nicht nur das. Von den leuchtenden Werbebanden auf der Gegentribüne durfte sich der 23 Jahre alte Zugang, der zum Transferschluss wirklich auf den allerletzten Drücker auf den Zug Eintracht aufgesprungen war, gleichfalls herzlich begrüßt fühlen. „Welcome, willkommen André Silva“, stand da groß zu lesen.

          Im Bauch der Haupttribüne war Silva dann leibhaftig zu sehen und zu hören. In einem eigens für ihn geschaffenen Pressebereich. Natürlich wurde auch an den polyglotten Eintracht-Dolmetscher Stephane Gödde gedacht. Doch der war nahezu beschäftigungslos. Silva zog es vor, sich auf Englisch mitzuteilen. Nur wenn es sich gar nicht vermeiden ließ, wurde kurz in seiner Muttersprache Portugiesisch nachgeholfen. Silvas Botschaften war auch so eindeutig. Natürlich wolle er mit seinen Toren helfen, dass die Eintracht auch weiterhin Kurs auf ihrem Erfolgsweg halten kann. „Ich bin jetzt 23 Jahre alt. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein. Eintracht Frankfurt hat die besten Fans der Welt.“

          Live hat Silva die Anhänger noch nicht erlebt. Und auch die Informationen, die er sich vorab beschafft hat, sind noch ergänzungswürdig. Wahrgenommen und zum Teil am Fernseher verfolgt aber hat der in der Vorsaison an den FC Sevilla ausgeliehene Portugiese vor allem die famosen Europa-League-Auftritte sehr wohl. „Ich weiß schon ein bisschen. Vor allem, dass die Mannschaft mit viel Power spielt. Die Spieler können sich nicht ausruhen, denn es wird immer volle Pulle gespielt.“

          Silva als Rundum-Sorglos-Paket?

          Mit ganzem Einsatz: Silva will sich nach seinem Ortswechsel sofort reinhängen und alles dafür tun, was ihm sein berühmter Landsmann schon vor zwei Jahren zugetraut hat: auf den Spuren von Christiano Ronaldo zu wandeln. Und eines Tages vielleicht sein Nachfolger zu werden. Nichts anderes hat Christian Ronaldo über Silva gesagt. „So etwas zu hören ist natürlich wunderbar“, sagte Silva bei seiner Vorstellung in Frankfurt. „Ich weiß aber auch, dass dies für mich zu einer Belastung werden könnte, ihn zu enttäuschen.“ Ein erstes Bild, wie Silva tatsächlich spielt, können sich die Fans aller Voraussicht nach an diesem Freitag, dem 6. September, machen. Trainer Adi Hütter plant, den Portugiesen im Rahmen des Benefizspiels gegen BSG Chemie Leipzig (Stadion Bornheimer Hang, 20 Uhr) einzusetzen. In der Bundesliga darf dann beim Auswärtsspiel in Augsburg am 14. September mit Silvas Erstligapremiere gerechnet werden.

          Im Tauschgeschäft mit Ante Rebic vom AC Mailand zur Eintracht gestoßen, soll Silva in erster Linie verlässlich Tore schießen. „Mit dem rechten Fuß bin ich besser als mit dem linken Fuß“, sagte Silva. „Aber ich kann auch mit dem Kopf treffen.“ Hört sich nach einer Art Rundum-Sorglos-Paket an, das Silva, der Mann mit der Rückennummer 33, schnüren will. „Wir sind mit unseren Stürmern jetzt stärker in der Box“, sagte Eintracht-Coach Hütter: Sowohl Bas Dost als auch Goncalo Paciencia und eben André Silva zieht es bei der Ausübung ihrer stürmischen Arbeit ins Zentrum.

          Ante Rebic hatte sich auf der linken Außenposition besonders wohl gefühlt, von wo aus der bullige Kroate immer wieder Lücken riss, Räume schuf und wertvolle Vorarbeiterdienste leistete. Hütter wird zukünftig bestrebt sein, Feinjustierungen an seiner taktischen Ausrichtung vorzunehmen, die ganz vorne in zwei Spitzen gipfeln könnte. Silva, so hat es Sportvorstand Fredi Bobic nach dem vollzogenen Transfer geäußert, soll dem Eintracht-Spiel eine neue Note verpassen. Die Erwartungen an den Portugiesen, der sich nach eigenem Bekunden der Eintracht angeschlossen hat, „weil sie sich am meisten für mich interessiert haben“, sind groß. Es ist an Silva, dem großen Empfang sportliche Taten folgen zu lassen.

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