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Dauerbrenner bei der Eintracht : Mehr Belastung geht nicht

  • -Aktualisiert am

Läuft und läuft: Danny da Costa spult ein Riesenpensum ab. Bild: Imago

Eintrachtspieler Danny da Costa spielt so oft wie kein anderer Bundesliga-Profi. Die Frankfurter sind auf ihn angewiesen. Denn vor allem beim kommenden Spiel in Bayern steht die Mannschaft unter Druck.

          An Danny da Costa führt bei Eintracht Frankfurt kein Weg vorbei. Oder anders ausgedrückt: Ohne ihn läuft es beim Bundesliga-Tabellensechsten nicht. Der 25 Jahre alte Flügelspieler ist der Dauerbrenner und Dauerrenner: In allen 49 Saison-Pflichtspielen stand da Costa bisher auf dem Platz. Dabei ging er meist über die volle Distanz; nur in der Bundesliga gegen Hertha BSC Berlin (81 Spielminuten) und Leverkusen (74) machte der gebürtige Neusser die 90 Minuten nicht voll. In den 14 Europa-League-Partien war es das Heimspiel gegen Limassol (57), in dem da Costa aufgrund einer erlittenen Blessur ausnahmsweise vorzeitig das Feld räumen musste. Insgesamt spulte er als große Konstante 4382 Einsatzminuten auf dem Platz in vier Wettbewerben ab, das sind summa summarum 73 Stunden. Der nahezu vollbeschäftigte Frankfurter ist der Erstliga-Profi mit den meisten Vereins-Pflichtspielen, gefolgt von Joshua Kimmich von Bayern München.

          Und wenn da Costa auch beim Bundesliga-Finale in München auf dem Spielfeld steht, wird er in der Geschichte der Eintracht der Akteur mit den meisten Pflichtspielen (50) innerhalb einer Runde sein. Mehr Belastung geht nicht. Seine voraussichtliche Bestmarke verdient höchsten Respekt. Denn da Costa ist keiner, der sich auf dem Platz ausruht. Pro Spiel läuft er rund elf Kilometer. Der sprintfreudige Profi ist schnell, mit seiner erzielten Höchstgeschwindigkeit von gut 34 km/h reiht er sich im ersten Drittel des Eintracht-Kaders ein. Seine Athletik und Geradlinigkeit prädestinieren da Costa dafür, die rechte Außenbahn in ihrer ganzen Länge zu beackern. In der Eintracht-Mannschaft mit ihrer offensiv ausgerichteten Spielweise fühlt sich der ehemalige Junioren-Nationalspieler, der von der U 17 bis zur U 21 alle Nachwuchs-Nationalmannschaften durchlief, bestens aufgehoben.

          Er opfere sich gern über die volle Spielzeit auf, sagt er. „Denn ich spiele in einem Team, das über Leidenschaft und Einsatzbereitschaft kommt.“ Und in dem da Costa, der viele Kopfballduelle gewinnt, mit seiner unermüdlichen Schaffenskraft handfeste Ergebnisse vorweisen kann: In der Bundesliga kam er bislang auf zwei Tore und vier Vorlagen, in der Europa League waren es auch zwei Treffer und eine Vorlage. Seine Verfügbarkeit ist vorbildlich. Auf da Costa ist und war Cheftrainer Adi Hütter auch in hohem Maße angewiesen. Schließlich fehlte da Costa schlichtweg die Konkurrenz auf seiner Position. Timothy Chandler setzte eine lange Verletzungspause außer Gefecht, und der Winter-Neuzugang Almamy Touré konnte die Stammkraft aus verschiedenen Gründen nicht ersetzen. Immer wenn da Costa in einer Begegnung auf dem Boden lag, hoffte Hütter inständig, dass dieser „wieder aufstehen“ möge. Der Außenbahnspieler, der, wie er sagt, „großes Vertrauen“ in seinen Körper habe, rappelte sich wieder auf. Aber natürlich ist die Dauerbelastung nicht spurlos an ihm vorbeigegangen.

          Zurück auf den achten Platz?

          Da Costa war sein straff gefülltes Saisonprogramm in den vergangenen Wochen anzumerken. Seine Kräfte schwinden merklich. Und damit kommen auch seine Stärken wie die Flankenläufe weniger zum Tragen. Da Costa hat unter der Last seines herausragenden Pensums an Durchsetzungsvermögen eingebüßt. Doch die Sommerpause, die keiner mehr verdient hat als er, ist als große Erholungspause in Sicht. Im Duell mit dem Tabellenführer, der schon beim nächsten Spiel mit einem Unentschieden die Meisterschaft feiern könnte, müssen sich die Eintracht und da Costa ein letztes Mal in dieser Runde zu einer Höchstleistung aufraffen und die Kräfte bündeln. Es wird Schwerstarbeit für alle Beteiligten.

          Eine Niederlage wäre für die Frankfurter im schlimmsten Fall nur schwer zu verarbeiten – dann, wenn sie noch aus den internationalen Startplätzen zurück auf den achten Platz fielen. Deshalb wollen sich da Costa und seine Mitstreiter das in dieser Saison so hart Erarbeitete nicht auf einen Schlag am letzten Spieltag nehmen lassen. Zumal die finanziellen Konsequenzen gravierend für den Verein und dessen ambitionierte Personalplanungen wären. Bei einer Qualifikation für die Champions League durch die Rückkehr auf Rang vier würde die garantierte Mindesteinnahme für die Eintracht in der Königsklasse 25 Millionen Euro betragen. In der Europa League wären es von der Gruppenphase an zehn Millionen Euro. In dieser Spielzeit generierten die Hessen durch die Halbfinalteilnahme im zweithöchsten europäischen Wettbewerb Einnahmen in Höhe von rund 35 Millionen Euro. Weitere Zahltage sollen für die Eintracht auf der europäischen Bühne folgen.

          Allerdings stellen die Bayern eine hohe Hürde für die anspruchsvollen Frankfurter Pläne dar. Der letzte Sieg der Eintracht in München, ein 2:1 durch Treffer von Alexander Schur und Jan-Aage Fjörtoft, liegt 19 Jahre zurück. Von den insgesamt 54 Aufeinandertreffen gewannen die Münchner 41 und die Eintracht nur sieben. 1:4, 0:3, 0:1, 0:3 und 0:5 – das sind aus Sicht der Frankfurter die Schreckenszahlen der zurückliegenden fünf Partien. Mit einem Remis hätten die Hessen einen Platz in der Europa League sicher. „Wer gegen Chelsea zweimal unentschieden spielt, kann es auch gegen die Bayern schaffen“, sagt Hütter. Vor der Saisonleistung von da Costa zieht der Trainer den Hut. Er fasst sie mit einem Wort zusammen: „Außergewöhnlich“. Indessen ist die Knie-OP von Sebastian Rode „gut verlaufen“, wie der verletzte Eintrachtspieler kürzlich via Instagram vom Krankenbett aus mitteilte. „Ich bleibe optimistisch“, ließ Rode wissen.

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