https://www.faz.net/-gzn-12m00

Eintracht Frankfurt : „Andere wären abgestiegen“

Hier noch gegen Dortmund im Einsatz - doch bis auf weiteres wegen einer Operation außer Gefecht: Zlatan Bajramovic (links) Bild: Wonge Bergmann

Zlatan Bajramovic ist frisch operiert, Ioannis Amanatidis entwickelt im Training auffälligen Ehrgeiz, der Trainer gibt sich gelassen wie immer – die Frankfurter Eintracht im Saison-Endspurt.

          Um diese Gelassenheit beneiden Friedhelm Funkel vermutlich zahlreiche jüngere Kollegen. Dem Fußballtrainer der Eintracht sind im Laufe seiner bewegten Karriere und gerade in dieser abwechslungsreichen Frankfurter Bundesligasaison schon zu viele Hiobsbotschaften zu Ohren gekommen, als dass eine weitere Schreckensmeldung seinen Puls automatisch in ungesunde Höhen treiben würde. Der Coach war denn auch am Dienstagvormittag äußerlich die Ruhe in Person und ließ sich seine möglicherweise vorhandene Aufregung über den abermals langfristigen Ausfall von Zlatan Bajramovic nicht im Geringsten anmerken. Für den Bosnier, der nach langer Zwangspause überhaupt erst sechs Einsätze für die Hessen bestritt, ist die Saison zweieinhalb Wochen vor Ultimo endgültig gelaufen.

          Der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler wurde in Basel aufs Neue am großen Zeh des rechten Fußes operiert, wie Funkel berichtete. Dabei entfernten ihm die Mediziner wie seit langem geplant eine eingesetzte Metallplatte. Zudem stehen weitere Untersuchungen an – denn so richtig zufrieden ist der Mann mit der Rückennummer acht, der dem Offensivspiel der Eintracht eigentlich längst eine neue Qualität hätte geben sollen, mit dem bisherigen Heilungsverlauf nicht, wie er in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ bekundete. „Es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe“, schilderte der Nationalspieler, „ich habe immer noch etwas gemerkt.“ In diesem Frühjahr ist es der erste Eingriff für Bajramovic; 2008 musste er aber schon dreimal unters Messer. Insgesamt warfen 14 Operationen die Eintracht-Spieler und damit das Team seit Rundenbeginn immer wieder zurück. Was Funkel mit der Aussage kommentierte: „Andere Vereine wären mit solchen Problemen längst abgestiegen.“

          „Die Operation bei Zlatan ist notwendig“

          Wann Bajramovic den Frankfurtern wieder zur Verfügung steht, ist offen. „Wenn alles gutgeht, dann zur Vorbereitung auf die neue Saison“, mutmaßte der Trainer. In der Bundesliga lief der anfällige Profi zuletzt am 24. November 2007 von Beginn an auf, damals noch im Schalker Trikot. In Frankfurt kam er bislang nicht über den Status eines Einwechselspielers hinaus – wenngleich er dabei mehrmals seine Klasse andeutete. Auch beim 0:2 gegen Dortmund am vergangenen Samstag kam er für Ümit Korkmaz erst in der 62. Minute in die Partie, ohne die Niederlage gemeinschaftlich mit den Kollegen noch abwenden zu können. „Die neue Operation bei Zlatan ist unbedingt notwendig“, sagte Funkel. „Viel wichtiger als die Frage, ob er in den letzten vier Spielen in dieser Saison mitwirken kann, ist die Tatsache, dass er gesund und fit nach der Sommerpause neu angreifen wird.“

          Die Eintracht, die nach dreißig Spieltagen als Tabellendreizehnter im Abstiegskampf längst noch nicht aller Sorgen ledig ist, besitzt aktuell mit 32 Punkten sechs Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz – ein komfortables Ruhekissen sieht dennoch anders aus. Denn das Restprogramm ist nicht ohne: An diesem Samstag steht das Auswärtsspiel in Hannover an, danach erwarten Funkel und seine Mitstreiter in der WM-Arena Werder Bremen, ehe nach einer Reise zum VfL Bochum der Heimauftritt gegen den Hamburger SV die Saison beschließt. Mit Blick auf den Staus quo und die noch ausstehenden Prüfungen demonstrierte Funkel aber Selbstvertrauen. Er mache sich „keinerlei Sorgen“, dass es beim Kampf um den Klassenverbleib am Ende doch noch ein böses Erwachen geben könnte: „Wir holen noch den einen oder anderen Punkt und werden in der Bundesliga bleiben.“

          Amanatidis macht fidelen Eindruck

          Auch deswegen sehe er „keine zwingende Notwendigkeit“, dass Kapitän Ioannis Amanatidis seine gegenwärtigen Comeback-Bemühungen mit frischem Elan intensiviere. Bei der jüngsten Übungseinheit hinterließ der 27 Jahre alte Grieche beim Kick im kleinen Kreis einen äußerst fidelen Eindruck, sprühte vor Einsatzfreude und erzielte mehrere sehenswerte Tore. „Doch zwischen Training und Spiel liegen 1000 Prozent“, relativierte Funkel. „Aber natürlich wäre es für ihn, uns und die Fans schön, wenn er noch einmal in dieser Saison auflaufen würde.“

          Amanatidis selbst sagte unlängst mehrmals, sich im Zweifelsfall lieber zurückzuhalten, als mit falsch verstandenem Ehrgeiz das Erreichte zu gefährden. Der Knorpelschaden, der ihn seit November außer Gefecht setzt, brauche eben seine Zeit, damit alle Beschwerden restlos auskuriert seien: „Ich muss vernünftig sein.“ Was passieren kann, wenn man aus falsch verstandenem Pflichtgefühl zu früh auf die Bundesliga-Bühne zurückdrängt? Darüber kann vor allem sein Kollege Bajramovic ausführlich berichten.

          Weitere Themen

          Der Puls steigt

          Vor Duell gegen Arsenal : Der Puls steigt

          Für Eintracht-Verteidiger Danny da Costa ist das Kräftemessen mit dem FC Arsenal ein erstes Highlight der Saison – auch weil es zum Duell mit Kumpel Bernd Leno kommt.

          Topmeldungen

          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

          Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.