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Eintracht Frankfurt : Suche nach einem Strategen

Dribbelt er von Hertha BSC zur Eintracht? Marko Grujic ist im Blickfeld der Frankfurter. Bild: dpa

Die Eintracht möchte in der kommenden Saison im Mittelfeld variabler werden. Auch Spieler anderer Bundesligisten sind für die zentrale Position im Gespräch. Was wird jedoch aus Marc Stendera?

          Bei der Eintracht hat das Herz zuletzt überall geschlagen. Links, rechts, vorne, hinten. Spieler wie Filip Kostic, Danny da Costa, Luka Jovic und Makokto Hasebe haben im Verbund mit ihren anderen Frankfurter Kollegen der Mannschaft von Trainer Adi Hütter Halt und Struktur gegeben. Allein: Es mangelte an einem klassischen Strategen, der wirklich an zentraler Stelle im Mittelfeld Dreh- und Angelpunkt gewesen wäre. Das soll, das muss sich ändern. Hütter will sein Spielsystem variabler machen, und auch deshalb halten Sportvorstand Fredi Bobic, Sportdirektor Bruno Hübner und Kaderplaner Ben Manga nach Lösungen Ausschau. Gefahndet wird traditionell in vielen Ligen und Ländern – aber auch in der Bundesliga. Beispielsweise in Leverkusen und Berlin.

          Dort stehen Marko Grujic und Dominik Kohr unter Vertrag. Der eine, Grujic, spielte zuletzt als zentraler Mittelfeldspieler in der Hauptstadt bei Hertha BSC eine gute Saison – und ist dadurch auch auf den Radar der Eintracht-Verantwortlichen geraten. Eine Million Euro haben es sich die Berliner kosten lassen, den 23 Jahre alte Serben vom FC Liverpool auszuleihen. Ein weiterer Serbe in Frankfurt, wo Hütter für den nach Madrid gewechselten Luka Jovic mit dessen serbischem Landsmann Dejan Joveljic schon einen Ersatz aus dem Herz-Land des Balkans bekommen hat? Grujic, noch bis einschließlich 30. Juni 2023 an den englischen Champions-League-Sieger gebunden, fällt durch seine Wucht auf. Er ist groß (1,91 Meter) – und er ist kopfballstark.

          Forderte Kruse zu viel Gehalt?

          Dass ihm die Berliner Luft zuletzt gut bekam, haben seine Mitspieler gespürt. Grujic ist in der Lage, das Spiel schnell zu machen und Konter zügig einzuleiten. Der nicht mehr als Cheftrainer bei der Hertha wirkende Pal Dardai ließ Grujic in der zurückliegenden Saison 22 Mal in der Bundesliga spielen – und er hat sich für das Vertrauen mit fünf Toren und einer Vorlage bedankt. Nachweise seines erstklassigen Wirkens, das Grujic auch für weitere Mitbewerber wie den zukünftigen italienischen Champions-League-Klub Atalanta Bergamo und Werder Bremen interessant macht.

          Stichwort Werder: Dort war bis vor kurzem Max Kruse am Ball. Jener exzentrische Fußballprofi, der in der zurückliegenden Saison durch eine ganz starke Karrierephase auffiel. Schnell wurde der 31-Jährige, der sich vor allem nach einer neuen wirtschaftlichen Herausforderung sehnt, auch mit der Eintracht in Verbindung gebracht. Doch Kruses Forderungen nach einer Entlohnung von sechs Millionen Euro fanden dem Vernehmen nach kein Gehör bei der Eintracht. Und so verwundert es nicht, dass am Sonntag die Kunde die Runde machte, wonach Kruse zukünftig wohl für Fenerbahce Istanbul am Ball sein wird.

          Transferfenster noch lange geöffnet

          Aus Eintracht-Kreisen ist zudem zu hören, dass die Frankfurter auch ihre Fühler nach Dominik Kohr ausgestreckt haben. Der 25-Jährige, noch bis Mitte 2021 an Bayer 04 Leverkusen gebunden, ist kein klassischer zentraler Mittelfeldspieler, sondern agiert beim Bundesligarivalen eher aus einer etwas defensiveren Position heraus. Die Eintracht-Macher haben noch viel Zeit, nach neuen Spielern zu schauen. Das sommerliche Transferfenster ist bis zum 2. September geöffnet. Zeit, die Spieler auch nutzen können, um aktiv nach neuen Klubs Ausschau zu halten, bei denen ihnen mehr Einsatzzeiten möglich sind als in Frankfurt.

          So haben nach ernüchternden Zeiten in der vergangenen Saison Branimir Hrgota und Danny Blum sowie die vier Nachwuchsspieler Patrice Kabuya, Tobias Stirl, Mischa Häuser und Nelson Mandela Mbouhom die Eintracht verlassen; Taleb Tawatha, Jetro Willems oder auch Marc Stendera sollen oder wollen dem Bundesligasiebten den Rücken kehren. Fraglich nur, ob dieser Plan aufgeht. Stendera beispielsweise, einer der Lieblingsspieler des einstigen Eintracht-Trainers Armin Veh, hat überhaupt keine Chance, in Hütters Team Stammspieler zu werden.

          Bitter zudem für den Mittelfeldmann: Seit seinem zweiten Kreuzbandriss, den sich der damals 21-Jährige im Mai 2016 im Relegations-Rückspiel beim 1. FC Nürnberg zugezogen hatte, kam er bis heute auf lediglich 22 Pflichtspieleinsätze. Stenderas Zukunft muss, wenn er persönlich wieder angenehmere Profizeiten erleben möchte, jenseits von Frankfurt stattfinden – wie auch die der in diesem Sommer zurückkehrenden Leihspieler Daichi Kamada, Felix Wiedwald, Nicolai Müller und Marijan Cavar.

          Anders ist der Fall bei Rodrigo Zalazar gelagert. Der 19 Jahre alte Uruguayer, der zuletzt nur in der A-Jugend des FC Malaga spielte, hat die Anforderungen des beobachtenden Eintracht-Chefscouts Manga erfüllt. Er entdeckte Zalazar im Winter bei der U-20-Südamerikameisterschaft. Zalazars Vorzug: Er ist zentraler Mittelfeldspieler.

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