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Eintracht Frankfurt : Ärger um Rebic, Wirbel um Dost

  • -Aktualisiert am

Und ab ins Frankfurter Tor: Die Eintracht gerät in Straßburg entscheidend in Rückstand und muss um das Weiterkommen in der Europa League bangen. Bild: Imago

Ante Rebic lässt es bei der 0:1-Niederlage im Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg an fast allem mangeln. Eintracht-Sportvorstand Bobic stellt den Abbruch der Transfergespräche mit Lissabon in Aussicht.

          Dass sie sich einen anderen Ausgang des Abends erhofft hatten, daran bestand kein Zweifel. Pflichtschuldig erfüllten sie nach Abpfiff den Gang vor die Kurve, um sich für die Unterstützung der mitgereisten Anhänger zu bedanken, ehe sie mit zügigem Schritt den Rasen verließen, auf dem der Gegner die Ovationen des Heimpublikums auskostete. In der Begegnung mit Racing Straßburg erwies sich die Eintracht nur bedingt höheren Ansprüchen gewachsen. Das kann unangenehme Folgen haben: Ob sie demnächst, wenn in der Europa League die Gruppenphase beginnt und neben sportlichem Renommee auch viel Geld zu verdienen ist, wiederum mit von der Partie sein wird, entscheidet sich nun bald bei der zweiten Auflage des Play-off-Duells in Frankfurt.

          Die Schwere der Aufgabe dürfte allen Beteiligten, denen internationale Auftritte zuletzt vor allem als Fußballfeste mit hohem Unterhaltungsfaktor in freudvoller Erinnerung waren, nach dem 0:1 endgültig klar sein. Um ein Scheitern gegen die Franzosen abzuwenden, ist mehr Durchschlagkraft erforderlich. Die Eintracht begann unkonzentriert und fehlerhaft in der Defensive, was durch Lucien Zohi beim Tor ausgenutzt wurde (33. Minute). Doch im zweiten Abschnitt kam sie durch Daichi Kamada zu zwei Möglichkeiten, die mit mehr Zielstrebigkeit ein Resultat hätten bringen können, durch das die Ausgangsposition deutlich angenehmer ausgefallen wäre. Bruno Hübner sagte, dass niemand „einen Hehl“ daraus mache, „dass wir vorne Verstärkung brauchen“. Für den Sportdirektor ist und bleibt dabei Bas Dost der 1a-Kandidat. Bei der Frage, warum der Transfer entgegen anderer Absichten nicht längst abgeschlossen wurde, antwortete Hübner ausweichend: „Das ist zu komplex, um dem Spieler den Schwarzen Peter zuzuschieben. Was da hinter den Kulissen läuft, können wir nicht sagen.“

          Sportvorstand Fredi Bobic hatte schon mehrmals angekündigt, dass eine Übereinkunft unmittelbar bevorstehe. In Straßburg bezeichnete er die schleppenden Verhandlungen als „nervige Geschichte“. Schuld an der Hängepartie sei nicht der 30 Jahre alte Niederländer. Es sei „nie einfach“, mit Sporting geschäftliche Dinge zu erörtern. Vor einem Jahr lieh die Eintracht Chico Geraldes von dem portugiesischen Traditionsverein aus, der wirtschaftlich schon bessere Zeiten erlebt hat und dessen finanzielle Zwänge auch hinter dem Hickhack mit Dost stehen. Dem Vernehmen nach sind Zusagen an den Stürmer nur teilweise eingehalten worden, und Dost will die Angelegenheit erst zu seinen Gunsten geklärt sehen, ehe er in Portugal seine Koffer packt. Bobic stellte bei weiteren Verzögerungen erstmals einen Abbruch der Gespräche in Aussicht: „Ich bin sehr geduldig, aber irgendwann ist Schluss und ein Transfer nicht machbar.“

          „Wir gewinnen und verlieren zusammen“

          Verschärft wird die missliche Lage der Eintracht durch wachsende Spannungen im Verhältnis zu Ante Rebic. Adi Hütter wahrte nur mühsam die Fassung, als in Straßburg die Rede auf den Kroaten kam. In seiner Kritik klang der Trainer ungewohnt schonungslos: „Die Leistung passt nicht zu ihm. Sich in so einem wichtigen Spiel so zu verhalten, so zu bewegen, von der Körpersprache her, das hat mir nicht gefallen. Deshalb habe ich ihn zur Pause erlöst.“ Wie schon im Pokalspiel in Mannheim, aus dem Rebic dank eines späten Hattricks als Matchwinner hervorging, „besaß Ante kaum Bindung zum Spiel“, wie Hübner monierte. Hütters Verärgerung über die Darbietung des 26-Jährigen gipfelte schließlich in einer unmissverständlichen Ansage an den Profi, der in guten Stunden – wie im Pokalfinale 2018 – nicht zu bremsen ist; sich in anderen, wenn es nicht so läuft, wie er es möchte, dagegen hängen lässt: „Wenn er hier bleiben möchte, will ich, dass er dies auch zeigt. Wenn nicht, müssen wir eine Lösung suchen.“

          Später ergänzte Hütter in Frankfurt, dass „ein einzelner Spieler nie schuld ist. Wir gewinnen und verlieren zusammen.“ Ob Rebic in Leipzig beim anspruchsvollen Auswärtsspiel bei RB dabei ist, blieb ungewiss. Er habe – genau wie Mijat Gacinovic – gegen Racing Muskelbeschwerden davongetragen. In Straßburg war es schon in der Eintracht-Kabine zu Diskussionen gekommen, denn auch die Mannschaftskollegen bezogen Stellung. „Wir kennen die Gründe, warum es in der ersten Halbzeit nicht gut lief, das sind Dinge, die wir intern in der Pause schon angesprochen haben“, sagte Kevin Trapp.

          Seine Bewertung der Lage deutete auf ein Binnenklima hin, bei dem Harmonie gerade nicht Trumpf ist. Vor dem Seitenwechsel hätten „nicht alle voll mitgearbeitet, und wir wissen, dass wir dann keine Chance haben“, sagte der Torhüter, ohne Namen zu nennen. Auf wen seine Bemerkung abzielte, war dennoch unschwer zu erahnen. Rebic, der zuletzt vom AC und Inter Mailand sowie dem FC Sevilla beobachtet wurde, ist der einzig verbliebene Angreifer der ehedem so furiosen Büffelherde. Sollte er es Luka Jovic und Sébastien Haller gleichtun und ebenfalls gehen, stünden die Frankfurter vor dem Problem, auch für ihn einen adäquaten Ersatz finden zu müssen. Die Transferperiode endet am 2. September. Hübner erwartet daher ein zeitnahes Signal, wie Rebic seine Zukunft sieht: „Wenn er uns verlassen sollte, muss es geklärt sein, dass wir auf dem Markt noch einmal handeln können“, formulierte der Sportdirektor einen frommen Wunsch. Es ist nicht sein einziger in diesen Tagen.

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