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Die Eintracht 1959 und 2018 : „Helden für die Ewigkeit“

Ante Rebic (Mitte) trug maßgeblich zum DFB-Pokalsieg der Eintracht 2018 bei. Bild: Imago

Matthias Thoma ist der Leiter des Eintracht-Museums. Im Interview spricht er über Parallelen der Triumphe von 1959 und 2018, das neue Selbstbewusstsein der Fans und warum die Qualifikation für die Europa League keine Ochsentour ist.

          Vor 60 Jahren wurde die Eintracht zum ersten und einzigen Mal Meister. Welche Bedeutung hat dieser Erfolg heute für den Verein, der an diesem Samstag im Stadion seine Gründung am 8. März 1899 feiert?

          Dieser Titel genießt eine absolut herausragende Stellung. Die Eintracht war ja auch schon in den 1920er- und 30er-Jahren eine Fußball-Spitzenmannschaft, aber sie konnte seinerzeit nie einen Titel gewinnen. Mit 1959 ging dieser Traum in Erfüllung. Das wirkt seitdem nach – in vielerlei Hinsicht. Nur ein Beispiel: Seit einiger Zeit wird in unserer Nordwestkurve eine Fahne mit den Schriftzügen „1959“ und „Meistermannschaft“ geschwenkt. Die alten Herrschaften, die diese sportliche Ausnahmeleistung möglich gemacht haben, schauen immer, ob die Fahne gut zu sehen ist. Zum letzten Heimspiel der abgelaufenen Saison gegen Mainz haben wir die jungen Kerle, die die Fahne schwenken, in die Loge der 59er gebracht: Da haben sich die Eintracht-Helden ganz freudig bei den Fans bedankt. Das war ein sehr schöner Moment.

          Muss die Erinnerung an den Triumph wachgehalten werden?

          Das Andenken wird allenthalben gepflegt, und zwar immer mehr. Die 59er haben einen ganz großen Stellenwert, der in diesen Tagen keiner zusätzlichen Aktionen bedarf, um ihre Verdienste für die Eintracht nochmal extra hervorzuheben. Jeder der Spieler besitzt mittlerweile seine eigene Autogrammkarte. Auch zu jeder Saisoneröffnung veranstalten wir mit ihnen vor dem Museum eine Signierstunde. Das Team ist ja quasi identisch mit der Mannschaft, die 1960 im Europapokalendspiel gegen Real Madrid stand. Damals gab es in Deutschland noch keinen Profifußball, wie wir ihn heute kennen: Dieter Stinka musste bis 15 Uhr auf dem Postamt arbeiten, ehe er sich fertig machte für die Partie gegen Glasgow Rangers – und abends beim 6:1 ging er mit einer Einsatzbereitschaft zu Werke, die alle Fans begeisterte. Die Eintracht war die erste deutsche Vereinsmannschaft, die international so für Furore sorgte und ein Finale im Europapokal erreichte, das hat in Europa viel zu ihrem guten Image beigetragen. Als Folge wurden die Spieler danach oft ins Ausland eingeladen, unter anderem 2010 von der Uefa, um im Rahmen des Champions-League-Finals in Madrid ihre Gegenspieler von 1960 wiederzusehen und mit ihnen zusammen zurückzuschauen.

          Die 59er-Meister besitzen ein Alleinstellungsmerkmal im Verein?

          Das kann man so sagen, sie sind für die Eintracht etwas Besonderes. Erstmals wurde ihr Meister-Jubiläum zum „25-Jährigen“ größer gefeiert, als sich die Truppe 1984 zum „Ball der Erinnerungen“ im Frankfurter Hof traf. Die Mannschaft ist ja nie wirklich auseinandergegangen, fast alle wohnen in und um Frankfurt. Der Kontakt unter den Spielern war auch nach ihrer aktiven Zeit eng, es finden bis heute regelmäßige Besuche untereinander statt. Von Vereinsseite wurde die Sache seit 2004 mit Nachdruck unterstützt, als die Fanabteilung mit einer Spendenaktion die Meisterschale zurückholte. Bis dahin gab es kein Duplikat, das die Eintracht hätte präsentieren können. Die Übergabe der neuen Schale wurde zunächst im Römer feierlich zelebriert, Oberbürgermeisterin Petra Roth hielt dabei die Ansprache, und später wurde die Trophäe während der Halbzeitpause des Zweitligaspiels gegen Rot-Weiß Oberhausen noch einmal im Waldstadion vor Publikum an Alfred Pfaff und seine Mitspieler überreicht. Die Idee zu der ganzen Aktion kam aus den Reihen unserer Anhänger, denn als wir 1999 den 100. Geburtstag gefeiert haben, existierte zwar der offizielle Meisterwimpel, aber kein Replika der Schale. Das musste her! Mit Hilfe von Spenden wurde die Idee umgesetzt. Wer wollte, konnte sich mit 50 Euro an den Kosten beteiligen und im Nu war die nötige Summe zusammengetragen. Mit dem Geld haben wir uns an ein Lizenzunternehmen vom DFB gewandt und dort wurde für uns das Replika angefertigt. Die Meisterschale von 1959 zählt auch aktuell noch zu den besonderen Attraktionen unserer Ausstellung.

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