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Training bei der Eintracht : Drei Rückkehrer und ein Unglücksfall

Derzeit nicht am Ball: Goncalo Paciencia Bild: Jan Huebner

Bei der Eintracht steigen Abraham, Gacinovic und Rebic wieder ins Training ein, dafür verletzt sich Paciencia unglücklich beim Üben auf dem Rasen.

          Der überraschende Tiefschlag kam zwanzig Minuten vor dem Trainingsende. Wie aus dem Nichts heraus sank Goncalo Paciencia plötzlich zu Boden, krümmte sich und wimmerte. Die Schmerzen in seinem linken Knie, das sich verdreht hatte, ließen den Portugiesen schlagartig fallen. Der Spielfluss, der gerade noch bei dem Miniturnier dreier Eintracht-Teams herrschte, war dahin. Schnell bildete sich eine Menschentraube um den 24 Jahre alten Stürmer, der kürzlich noch im Testspiel beim FC Ederbergland mit zwei Toren auf sich aufmerksam gemacht hatte, und als sich der erste Schreck gelegt hatte, verließ der Mann aus Porto, gestützt von zwei Physiotherapeuten, das Übungsareal an der Frankfurter Arena.

          „Das war eine höchst unglückliche Aktion“, sagte später Armin Reutershahn. Der altgediente Assistenztrainer der Eintracht, schon zu Zeiten eines Friedhelm Funkel mit der Führung und Ausbildung Frankfurter Fußballprofis beschäftigt, konnte immerhin in einem Punkt Entwarnung geben. „Es geschah ohne Beteiligung eines Mitspielers.“ Paciencia hatte einfach Pech gehabt, als er mit seinem linken Schuh im Rasen hängengeblieben war.

          Montagvormittag, Tag eins einer Arbeitswoche, die den Auftakt für gleich sieben Pflichtspiele in 23 Tagen bildet. Für Trainer Adi Hütter ein guter Tag, denn er konnte gleich ein zuletzt schmerzlich vermisstes Trio wieder begrüßen. David Abraham, Mijat Gacinovic und Ante Rebic – sie alle waren wieder am Ball, um den sich in der ersten Übungseinheit nahezu alles drehte. Dem österreichischen Fußballlehrer gefällt es, wenn die Kugel flüssig in den eigenen Reihen läuft und mit einem Kontakt nur zum freien Mann weitergespielt wird. Auch die drei Rückkehrer, im gesunden Zustand allesamt Stammspieler, haben anfänglich munter mitgemischt. Dann jedoch zog es Rebic, der kroatische Weltmeisterschaftszweite, vor, sich wieder fern des Trubels laufend fit zu halten.

          Makoto schafft den Spagat

          Fit werden, fit bleiben – diesen Spagat kennt auch Makoto Hasebe. Jener verdienstvolle Eintracht-Profi, dem es bislang vergönnt geblieben ist, in dieser Bundesligasaison seiner Mannschaft bei den beiden absolvierten Spielen in Freiburg sowie gegen Bremen eine aktive Hilfe zu sein. Einmal war der Japaner krank, dann blieb nur ein Platz auf der Tribüne. „So ist der Fußball“, sagte Hasebe. „Es ist aber kein Grund, um aufzugeben.“

          Auch in Wolfsburg, seiner vormaligen Station, hätte es Phasen gegeben, „die nicht so schön waren. Ich habe dort einmal vier Monate auf der Tribüne gesessen.“ Bei der Eintracht sollte ihm dieses Schicksal nicht widerfahren, „denn der Trainer und ich, wir verstehen uns sehr gut und sprechen immer viel miteinander. Zwischen ihm und mir gibt es keine Probleme.“

          Augenscheinlich Probleme beim DFB

          Probleme, die hat augenscheinlich der Deutsche Fußball-Bund, dessen Präsident Reinhard Grindel sich am Wochenende abschätzig über Frankfurter Ultras geäußert hatte. Der Konter der Eintracht-Verantwortlichen kam prompt, und an der Einschätzung von Medienchef Jan Strasheim („Irritierend und auch erklärungsbedürftig ist, dass in den E-Mails vom Verhalten der Eintracht geschrieben wird“) hat sich auch am Montag nichts geändert. Man warte weiterhin auf eine Erklärung des DFB, der in die Bredouille geraten war, weil interne Verbandsmails zwischen Grindel und seinem Stellvertreter Rainer Koch vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ publik gemacht worden waren.

          Probleme könnte es bei der Eintracht eventuell auf dem rechten Verteidigerposten geben. Dort, wo derzeit Danny da Costa als letzter Verbliebener fleißig seinen Dienst versieht. Timothy Chandler und Carlos Salcedo, die beide gleichfalls rechts hinten einsetzbar sind, stehen Hütter wegen ihrer komplizierten Verletzungen monatelang nicht zur Verfügung.

          Einer wie Hasebe, der als Allrounder in der Defensive vielseitig verwendbar ist, hat sich am Montag nicht nur sportlich, sondern auch verbal als Soforthelfer angeboten. „Ich muss immer bereit sein“, sagte der Vierunddreißigjährige. „Notfalls spiele ich auch rechts“, fügte Hasebe an. „Wir sind eine junge Mannschaft – außer Marco Russ und mir.“

          Auch wegen der zum Teil mangelnden Erfahrung des internationalen Eintracht-Kaders warb Hasebe um Geduld. „Obwohl wir zuletzt gute Fortschritte gemacht haben, brauchen wir noch Zeit.“ Zeit – ein kostbares Gut, das Hasebe nicht mehr in Hülle und Fülle hat. Sein Vertrag sieht vor, dass er bis einschließlich 30. Juni 2019 am Ball sein wird. Das wären dann fünf Jahre im Dienst der Eintracht.

          „Vier Jahre lang bin ich Stammspieler gewesen“, sagte Hasebe im Gespräch am Montag. „Zuletzt haben Gelson (Fernandes, d. Red.) und Luca (Torres) zweimal gut gespielt. Das ist auf der Sechserposition teilweise schwere Konkurrenz für mich“, sagte der faire Sportsmann. Doch er weiß auch, wie schnell sich das Blatt im Profigeschäft wenden kann. Aus einem Tribünenplatz kann schnell ein Stammplatz werden. Und eine längerfristige Verletzung könnte im Fall eines Ante Rebic ruckzuck aus den Beinen geschüttelt werden, wohlwissend, dass der kommende Gegner am Freitag unter Flutlicht Borussia Dortmund heißt.

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