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Ehemalige Eintracht-Spieler : Fußballprofi für ein Taschengeld

  • -Aktualisiert am

Einer der besten Fußball-Torhüter seiner Zeit: Aber Egon Loy verdiente den Unterhalt als Kassenleiter bei der Metallgesellschaft. Bild: Imago

Nach Dienstschluss zum Training – und für das Endspiel in Berlin braucht es unbezahlten Sonderurlaub: Die Helden von „hibb un dribb de Bach“ verdienten als Profi-Fußballer nur ein Zubrot. Heute ist vieles anders.

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          Der Bundespräsident hieß Theodor Heuss, der Bundeskanzler Konrad Adenauer, der Berliner Bürgermeister Willy Brandt – und der deutsche Fußballmeister Eintracht Frankfurt. Das waren die bedeutendsten Amts- und Titelträger des Jahres 1959 in der zehn Jahre alten Bundesrepublik. Die Alte Oper in Frankfurt war eine von Sprengung bedrohte Ruine. Der Dom ragte als höchster Turm in den Himmel. Den fließenden Verkehr regelten Polizisten. In der Stadt Goethes war in jener Epoche neben den berühmten Denkern Adorno und Horkheimer die Eintracht das Aushängeschild. Die Mannschaft des Trainers Paul Oßwald spielte in der letzten Saison der fünfziger Jahre den bezauberndsten Fußball der Republik, wurde nach einer Serie von 28 Spielen ohne Niederlage süddeutscher Meister – mit 71:25 Toren und 49:11 Punkten.

          Oberliga wurde die höchste Spielklasse genannt, aufgeteilt in Nord, West, Süd, Südwest und Berlin. In zwei Endrundengruppen der beiden Tabellenersten (Südwest und Berlin nur der Erste) wurden die Finalteilnehmer für das Endspiel ermittelt. Die Eintracht gewann alle sechs Gruppenspiele und besiegte im Finale den Südzweiten Kickers Offenbach am 28. Juni 1959, einem Sonntagnachmittag, in Berlin nach dramatischen 120 Minuten 5:3. Die Helden von „hibb un dribb de Bach“ verdienten mit ihren Künsten und Kräften im Kampf um den Lederball keine Reichtümer, allenfalls ein Zubrot. Nicht der Fußball, der Beruf bot damals die Lebensgrundlage. Ein sogenannter Vertragsspieler der Oberliga bekam eine „Entschädigung“, so der offizielle Begriff, von 325 Mark im Monat und musste eine Berufstätigkeit oder Ausbildung nachweisen. Die Eintracht zahlte 160 Mark Grundgehalt, 75 Mark Prämie für einen Heimsieg, 90 für einen Auswärtssieg. Reisekosten und Verpflegung wurden erstattet. Unterstützung in Notfällen sowie Sonderprämien für den Gewinn von Meisterschaften waren erlaubt. Mit 1000 Mark belohnte die Eintracht jeden Meisterspieler.

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