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Eintracht gegen Chelsea : Die Lektion von Liverpool

  • -Aktualisiert am

Wieder dabei und voller Vorfreude: Sebastian Haller und Sebastian Rode Bild: dpa

„Wir haben die Leidenschaft“: Die Eintracht will beim FC Chelsea wieder den alten Offensivgeist zeigen. Trainer Hütter kann im Halbfinal-Rückspiel aus dem Vollen schöpfen.

          Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Wie der FC Liverpool ist die Frankfurter Eintracht im Halbfinal-Rückspiel ihres Europa-Pokalwettbewerbes an diesem Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League sowie bei RTL und DAZN) Außenseiter. Wie die „Reds“ müssen sie sich mit einem spielstärkeren und ausgeruhteren Gegner auseinandersetzen. Allerdings bedarf es im günstigsten Fall nur eines Tores, um in das Endspiel der Europa League einzuziehen, dafür können sie jedoch nicht auf den Heimvorteil bauen. „Ja, es wäre ein kleines Fußball-Wunder, wenn Eintracht Frankfurt ins Endspiel käme“, bestätigte Eintracht-Trainer Adi Hütter und legte gleich die Begründung nach: „Wir sind die Mannschaft, die am unerwartetsten in das Halbfinale eingezogen ist.“

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Aufgaben sind also in etwa vergleichbar und deshalb zieht die Eintracht Mut aus der Tatsache, dass Liverpool den FC Barcelona 4:0 überrollte und ein wunderbares Beispiel gab, wie sich Leidenschaft über spielerische Klasse hinwegsetzen kann. „Wir können etwas von Liverpool mitnehmen“, sagte Eintracht-Kapitän David Abraham am Mittwoch im Stadion an der Stamford Bridge. „Teamspirit hat individuelle Qualität übertrumpft: Lust, Mut und Wille, das benötigen wir auch, um nach Baku zu kommen. Und wir müssen uns gegenseitig helfen.“ Für Trainer Hütter hatte der Liverpooler Auftritt gegen Barcelona Vorbildcharakter: „Liverpool hat gezeigt, was möglich ist, wenn eine Mannschaft an etwas glaubt, wenn man in einem schwierigen Spiel so spielt, wie man es das ganze Jahr über getan hat. Das wünsche ich mir von meiner Mannschaft, dass sie sich etwas zutraut, dass sie sich daran erinnert, wieso wir ins Halbfinale gekommen sind, weil wir nämlich eine super Kampagne gespielt haben mit Mut und Herz. Chelsea ist der Favorit, aber wir haben die Leidenschaft.“

          Bürde der Eintracht

          Anders als Liverpool hat die Eintracht jedoch mit einer Bürde zu kämpfen: Ihr wurde am Sonntag von Bayer Leverkusen die Möglichkeit des Scheiterns ins Bewusstsein geführt. Das 1:6 im Bundesliga-Duell wirkte wie ein großer Dämpfer. „Nach so einer Klatsche kann man nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte Hütter. Er habe seiner Mannschaft am Montag die Fehler noch einmal vor Augen geführt und zu verarbeiten versucht. Den Dienstag gab der Eintracht-Trainer seinen dauerbelasteten Profis dann frei, in der Hoffnung, dass sie so wieder die alten würden. Sein erster Eindruck: „Ich hatte ein gutes Gefühl, als ich die Mannschaft wiedersah. Ich bin 100 Prozent überzeugt, dass sie in Chelsea ein anderes Gesicht zeigen wird als in Leverkusen.“

          Abraham berichtete davon, dass die Stimmung im Team genauso gut sei wie vor den anderen Auswärtsspielen. „Wir waren so gut drauf wie immer, im Flieger wurden Witze gerissen, Simon Falette, Goncalo Paciencia sorgen immer für gute Laune. Wir sind uns der Bedeutung des Spiels bewusst, aber wir wollen auch die Dramatik herausnehmen und die Sache locker angehen“, beschrieb der Kapitän die Atmosphäre am Reisetag. Leicht gesagt, die Eintracht kann noch alles verspielen, was sie sich in dieser Saison aufgebaut hat. Chelsea dagegen steht schon im nächsten Königsklassen-Wettbewerb. Hütter glaubt jedoch nicht, dass die Engländer satt sein könnten. „Ich erwarte von ihnen volle Kanone, und wenn sie Spieler schonen sollten, interessiert mich das auch nicht.“ Auf die Leistung seiner Spieler komme es an und nichts anderes.

          „Es ist ein anderer Wettbewerb“

          Wenn sie so ausfällt wie in Leverkusen, müsste die Eintracht gar nicht erst den Rasen an der Stamford Bridge betreten. Was macht Hütter Mut, dass sich ein Desaster nicht wiederholt? „Es ist ein anderer Wettbewerb, wir haben einen Tag mehr für die Regeneration, wir waren in Leverkusen nicht in der Lage physisch und psychisch Paroli zu bieten, jetzt werden wir es sein. Es geht darum, Historisches zu leisten.“ Einfach werde es allerdings auch nicht, wenn sein Team eine gute Vorstellung böte. „Wir brauchen ein perfektes Spiel, um das Wunder zu schaffen. Wir müssen Chelsea in Schach halten, und wir müssen ein Tor schießen.“

          Für diesen Auftrag könnte Sebastien Haller in Frage kommen. Der französische Mittelstürmer gehört nach längerer Verletzungspause wieder zum Kader. Haller wurde von hartnäckigen Bauchmuskelschmerzen geplagt. „Er hat eine sehr gute Therapie hinter sich, hat am Montag relativ schmerzfrei trainiert. Er könnte am Donnerstag ein Thema sein“, kündigte Hütter an. Im Abschlusstraining bestätigte sich der optimistische Eindruck des Trainers. Haller machte jede Übung mit, ohne sichtliche körperliche Einschränkung. Da auch Sebastian Rode signalisierte, wieder fit zu sein, und Rebic nach seiner Sperre wieder eingesetzt werden kann, kommt Hütter in den Genuss, personell aus dem Vollen schöpfen zu können. Ob er Überraschungen wie gegen Leverkusen plane, wurde er gefragt. Der Österreicher antwortete indirekt: „ Auf jeden Fall werden wir das Spiel nicht wie in Leverkusen anlegen.“ Dort versuchte er, ungewohnt defensiv, mit einer Fünferabwehrkette zum Erfolg zu kommen. In London deutete Hütter die Rückkehr zu altem Offensivgeist an: „Wer so weit gekommen ist wie wir, der will auch ins Finale. Dazu müssen wir ein Tor schießen.“

          Voraussichtliche Aufstellungen FC Chelsea – Eintracht Frankfurt

          Voraussichtliche Aufstellungen FC Chelsea – Eintracht Frankfurt Frankfurt: Trapp – Abraham, Hasebe, Hinteregger – da Costa, Fernandes, Rode, Kostic – Gacinovic – Jovic, Rebic. Chelsea: Kepa Arrizabalaga – Azpilicueta, Christensen, Luiz, Emerson – Jorginho, Kanté, Loftus-Cheek – Pedro, Giroud, Eden Hazard. Schiedsrichter: Hategan (Rumänien). Anstoß: Donnerstag, 21 Uhr.

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