https://www.faz.net/-gzn-9klpd

Die Eintracht im Achtelfinale : Show mit Schönheitsfehler

Energiegeladen: Kevin Trapp lässt sich für den gehaltenen Strafstoß feiern. Bild: EPA

Trapp hält einen Elfmeter, Hütter muss auf die Tribüne: Die Eintracht entfacht gegen Inter Mailand wieder ein Spektakel voller Wucht und Leidenschaft. Das Einzige, was fehlt, ist ein Treffer – 0:0.

          Eine großartige Choreographie, ein spannendes Spiel – aber keine Tore gegen Mailand. Im Kräftemessen mit den Italienern von Inter musste sich die Frankfurter Eintracht in der ersten Achtelfinalbegegnung in der Europa League mit einem 0:0 zufriedengeben. Vor 48.000 Zuschauern versäumte es Inter zudem, einen Strafstoß zu verwandeln. Marcelo Brozovic scheiterte in der 22. Minute am glänzend haltenden Kevin Trapp. Zur Einstimmung wurde es farbig. Endlich bekamen die Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Arena die Choreographie zu sehen, die schon gegen Schachtar Donezk präsentiert werden sollte.

          Silber, schwarz, rot und gold – es war ein einziges fahnenschwenkendes Farbenmeer, mit dem die beiden Mannschaften minutenlang zu diesem Spiel begrüßt wurden. Ein würdiger Rahmen, ein emotionaler Moment, den es in dieser Dichte in dieser Europapokalsaison so noch nicht gegeben hatte. Dazu die verbale Einstimmung mit dem deutlich sichtbaren Spruch: „Glorreiche Zeiten, traurige Tage – wir stehn zur Eintracht, gar keine Frage.“ Und über der Nordwesttribüne, dort, wo die Ultras stehen, war riesig die Zahl zu sehen, die an diesem Freitag eine besondere Bedeutung haben wird: 120. Die Eintracht, gegründet am 8. März 1899, hat Geburtstag.

          Gefeiert werden sollte sportlich schon abends zuvor. Doch Inter wollte da nicht mitmachen. Schon vom Anpfiff an wurde sichtbar: Die Mailänder waren keineswegs gewillt, die Frankfurter in Feierlaune kommen zu lassen. Ihr Rezept: Mit Ball- und Spielkontrolle übernahm der Tabellenvierte der italienischen Serie A das Kommando. Spieltechnisch sahen die Aktionen der Mailänder sehr gefällig aus. Allein: Es gelang ihnen nicht, richtig gefährlich vor das Frankfurter Tor zu kommen. Dort stand zudem mit Trapp ein umsichtiger Schlussmann, der im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit noch eine entscheidende Rolle spielen sollte.

          Die Eintracht auf der Hut

          In der dritten Minute nahm Inter erstmals Maß, doch dem Schuss von Danilo D’Ambrosio fehlte es an Schärfe. Szenen der Eintracht? Ließen bis zur zehnten Minute auf sich warten, als Sébastien Haller auf rechts aber nicht wie gewünscht zur Geltung kam. Gemeinsam mit Luka Jovic bildete der Franzose erwartungsgemäß das Sturmduo, denn der Dritte im Bunde, Ante Rebic, musste sich die Partie am Fernseher in Belgrad anschauen. Dorthin war der Kroate geflogen, um sich bei den Medizinmännern seines Vertrauens am verdrehten Knie behandeln zu lassen.

          Gewillt: Sebastian Rode wirft sich gegen Kwadwo Asamoah ins Zeug.

          Auch Gelson Fernandes war zuletzt verletzt und angeschlagen. Doch rechtzeitig für den „dicken Brocken“ Inter, auf den sich nicht nur Eintracht-Trainer Hütter gefreut hatte, war der Schweizer wieder einsatzbereit. Er führte die Frankfurter sogleich als Kapitän an – und war in der 21. Minute entscheidend an einer Szene beteiligt, die die Eintracht in höchste Not brachte. Nach einer Rangelei mit Lautaro Martínez fiel der Inter-Angreifer im Strafraum zu Boden: Elfmeter. Doch Brozovic agierte zu lässig, und Trapp ahnte, dass der Schuss in die rechte untere Ecke gehen würde. Der Eintracht-Torhüter streckte sich – und parierte unter dem großen Jubel der Zuschauer den Strafstoß. Kein Tor für Inter – die Eintracht war weiter im Spiel.

          Chancen freilich ergaben sich auch in der Folge zunächst nicht für die Frankfurter. Im Gegenteil. Makoto Hasebe musste rettend eingreifen (27.), und als sein junger französischer Nebenmann Evan N’Dicka einen gefährlichen Querpass in der eigenen Defensive spielte, musste die Eintracht abermals auf der Hut sein. Kurz vor der Pause hätte einer der wenigen Entlastungsangriffe durchaus erfolgreich enden können. Doch der flankende Filip Kostic ließ es an Präzision und Gefühl missen.

          Farbenmeer im Publikum: Die Fans zelebrieren einen weiteren rauschenden Europapokal-Abend.

          Hütter auf der Tribüne

          Nach dem Seitenwechsel ein anderes Bild. Jetzt war es die Eintracht, die die Initiative ergriff, Inter in die eigene Hälfte zurückdrängte und bestrebt war, das erste Tor dieses K.-o.-Hinspiels zu erzielen. In der Arena wurde es noch lauter, als die Eintracht einen Strafstoß einforderte, weil Haller zu Fall gekommen war. Doch der schottische Schiedsrichter William Collum ließ weiterspielen – und schickte stattdessen den protestierenden Hütter auf die Tribüne (54.).

          Der Österreicher bekam aus der Distanz eine gute Aktion seiner Mannschaft zu sehen, denn nachdem der sprintende Kostic an der Torauslinie gefoult worden war und Rode den Freistoß in den Fünfmeterraum zirkelte, versuchte Danny da Costa mit dem Kopf, Inter-Schlussmann Samir Handanovic zu überlisten – vergeblich (61.). Auch Martin Hinteregger hatte Pech, dass er den Ball in aussichtsreicher Position nicht richtig traf (70.).

          Dreizehn Minuten vor dem Ende wechselte die Eintracht erstmals. Für Rode kam Jetro Willems in die Partie; kurze Zeit später machte dann auch noch Haller für Gonçalo Paciência Platz (80.). Doch auch die frischen Kräfte schafften es nicht mehr im Verbund mit den anderen Spielkameraden, Inter entscheidend zu treffen. Auch Mijat Gacinovic in der 89. Minute scheiterte am haltenden Handanovic. Keine Tore in Frankfurt – und weiterhin alle Chancen in der kommenden Woche in Mailand: Die Eintracht bleibt im Rennen.

          Weitere Themen

          Hintereggers Blitztor reicht der Eintracht

          1:0 gegen Hoffenheim : Hintereggers Blitztor reicht der Eintracht

          Nach 36 Sekunden führte die Eintracht 1:0. Und nach 90 Minuten ebenfalls. Beim Bundesliga-Auftaktsieg gegen Hoffenheim vergibt die Eintracht viele Chancen auf einen höheren Sieg. Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder verliert beim Bundesligadebüt.

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.