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Die Eintracht gegen Leipzig : Stress- und Powerfußball

  • -Aktualisiert am

Eine Wucht, dieser Stürmer: Eintracht-Angreifer Ante Rebic. Bild: EPA

Kaum jemand kennt RB Leipzig so gut wie Eintracht-Trainer Hütter, der wieder auf Hinteregger setzt und weiß, dass es für Rebic ein spezielles Spiel ist. Was kommt auf die Eintracht zu?

          Es war während der Festwochen des Herbstes, als die Eintracht in elf Pflichtspielen nacheinander ungeschlagen blieb, dass dieser Gedanke aufkam: Champions League zu spielen, wäre auch mal schön! Nicht nur viele Fans, auch einige Profis der Frankfurter Eintracht setzten sich mit dieser Idee auseinander. Anfang Februar werden die Chancen auf eine Mitgliedschaft in der Königsklasse immer noch diskutiert, zum Beispiel von Außenbahnspieler Filip Kostic, obwohl sich die Ausgangslage ein wenig verändert hat. Die Eintracht hat wieder das Verlieren gelernt und die starke Konkurrenz gibt sich kaum noch Blößen. Wenn die Frankfurter an diesem Samstag bei RB Leipzig keinen Punkt holen, dann beträgt der Rückstand zu den Sachsen schon acht Zähler. Und Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und der FC Bayern sind noch weiter davon gezogen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Eintracht-Trainer Adi Hütter hat die Königsklasse nicht zu einem Tabuthema erkoren. „Träume sind Sache der Spieler. Es ist gut, hohe Ziele zu formulieren, aber man sollte auch den Ball flach halten. Reden ist das eine, das Entsprechende auf dem Platz zu zeigen das andere.“ Er sehe eben auch die Klasse der Konkurrenz und wisse, woher die Eintracht gekommen ist. Hütter ist ein viel zu nüchterner Mensch, um am 21. Spieltag von einem Endspiel den Einzug in die Champions League zu sprechen: „Es sind noch genügend Runden zu spielen, um noch was zu drehen.“ Aber immerhin gibt er zu, dass die Begegnung „richtungsweisend ist. Acht Punkte wären sehr schwer aufzuholen.“

          Es gibt wenige Bundesligateams, die Hütter in seinem Debütantenjahr in der höchsten deutschen Spielklasse besser kennt als RB Leipzig. Als Spieler und Trainer von RB Salzburg hat er die Spielphilosophie, die den Konzernmannschaften von Red Bull eigen ist, kennengelernt und mitgetragen. In der Saison 2014/15 holte der 48 Jahre alte Vorarlberger als Trainer mit den Salzburgern das österreichische Double. Sein Vorgesetzter als Sportdirektor war sein heutiger Gegenpart als Trainer, Ralf Rangnick. Trotz des großen Erfolgs wechselte Hütter in der Sommerpause den Klub – er wollte die Personalpolitik von RB nicht mittragen, die Salzburg als Spielerlieferant für Leipzig vorsah.

          Besonderes Spiel für Ante Rebic?

          Aus dieser Zeit kennt Hütter Peter Gulasci, Kevin Kampl, Stefan Ilsanker, Konrad Laimer und Marcel Sabitzer noch bestens, die nun ihr Geld in Sachsen verdienen. „Ich habe keinen persönlichen Kontakt mehr zu ihnen, aber wir sind in Freundschaft auseinander gegangen“, beschreibt Hütter die Beziehung. Bis auf Kampl, der wegen der Folgen eines gebrochenen Zehs fehlt, könnten alle gegen die Eintracht eingesetzt werden. Der Frankfurter Trainer weiß genau, was ihn und seinem Team in Leipzig blüht: „Stress- und Powerfußball.“ Aber da auch das Tempo und die Dynamik und die Aggressivität seiner Profis überdurchschnittlich ausgeprägt sind, ist Hütter nicht bange. „Wenn wir wie gegen Dortmund an unsere Leistungsgrenzen gehen, bin ich optimistisch, dass wir ein positives Ergebnis erzielen.“ Es werde im Duell zweier Mannschaften mit ausgeprägtem Umschaltspiel auf Kleinigkeiten ankommen – auf Standardsituationen, auf die Ballverluste in gefährlichen Zonen und auf das konsequente Ausnutzen der Kontermöglichkeiten.

          Während bei der Eintracht mit David Abraham ein gesetzter Innenverteidiger ausfällt, fehlen den Sachsen beide Stammkräfte im Abwehrzentrum. Neben dem Langzeitverletzten Dayot Upamecano ist dessen französischer Landsmann Ibrahima Konaté gesperrt. „Die beiden sind vielleicht noch ein bisschen stärker als Ilsanker und Orban“, sagt Hütter, aber von einem Vorteil für die Eintracht mag er deswegen nicht sprechen. Der Österreicher legte sich am Freitag fest, wer Abraham ersetzen wird. „Hinteregger spielt von Anfang an. Er hat seine Sache gegen Dortmund sehr ordentlich gemacht und jetzt eine Woche mit der Mannschaft trainiert.“ Die Wintererwerbung vom FC Augsburg gab am vergangenen Samstag seine Eintracht-Premiere nach nur einer gemeinsamen Übungseinheit.

          Für einen Frankfurter Profi ist die Begegnung mit Leipzig ein besonderes Spiel – Ante Rebic. Der kroatische WM-Zweite versuchte 2015 vergeblich in Sachsen Fuß zu fassen. Die Trainer Zorniger und Beierlorzer kamen mit ihm nicht zurecht und umgekehrt. Nach einem Jahr war sein Zwischenspiel beendet, Adi Hütter könnte Details erzählen, als damaliger RB-Trainer in Salzburg bekam er einiges mit. Aber er hält sich mit jeglicher Äußerung zurück. Nur so viel sagt er: „Für Ante ist es ein spezielles Spiel.“ Mit 25 will der kroatische Stürmer beweisen, dass er in Leipzig mit 21 verkannt wurde.

          Rebic könnte „noch torgefährlicher“ sein

          Hütter hat Rebics Stärken klar erkannt und fördert sie, indem er ihm einige Freiheiten für sein Spiel gewährt. Mit dem Rückrundenstart präsentiert sich die robuste Offensivkraft wieder in Hochform. Zwei Tore und ein Assist gelangen ihm in den ersten drei Bundesligabegegnungen des neuen Jahres. „Ante ist in einer besseren körperlichen Verfassung“, erklärt sein Trainer den Formanstieg.

          Hütter glaubt indes, dass sich Rebic noch steigern könne: „Bei seiner Schnelligkeit und Robustheit könnte Ante noch torgefährlicher sein – und sich bei der ersten Ballannahme verbessern.“ Der Kroate und Haller sind für die Anfangsformation gesetzt, ob auch Torjäger Jovic in der Startelf steht oder Gacinovic, ist noch offen. Auf jeden Fall werden in Leipzig eine Menge Top-Stürmer zu bewundern sein, ob Vollzeit oder in Teilzeit. Mit Timo Werner, Yussuf Poulsen (Leipzig), Luca Jovic und Sebastien Haller treffen vier der sieben Topscorer der Bundesliga aufeinander. Und auch Ante Rebic steht bei nur 15 Einsätzen bei sieben Treffern und drei Vorlagen. Der Leipziger Trainer Ralf Rangnick erwartet ein mitreißendes Spiel: „Ich bin gespannt, wer sich da durchsetzen wird.“

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