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David Abraham in der Eintracht : Der lange Weg zurück

Lange zum Zuschauen verdammt: Eintracht-Kapitän David Abraham (links) möchte schon bald wieder mitspielen. Bild: Jan Huebner

Die Eintracht hat viel erreicht, für David Abraham darf es in der Rückrunde gerne noch mehr werden: Der Kapitän arbeitet hart an seinem Comeback. Welche Ziele hat er?

          Sie hätten es schlimmer treffen können: 24 Grad Celsius, Sonne am blauen Himmel, ein laues Lüftchen, das vom Golf von Mexiko herüber weht. Die Umgebung, in der sich die Eintracht auf kommende Aufgaben vorbereitet, verbreitet ein Urlaubs-Feeling, das der Frankfurter Fußball-Reisegruppe einen angenehmen Aufenthalt verspricht. Es dürfte sie aber nicht davon abhalten, in den kommenden Tagen ein straffes Arbeitspensum durchzuziehen. Coach Adi Hütter kündigte an, dass er auch aufgrund der nur knapp bemessenen Winterpause ein eng getaktetes Programm absolvieren wird. Es soll die Profis rasch auf ein Leistungsniveau bringen, mit dem sie Mitte Januar mit berechtigter Hoffnung in die zweite Saisonhälfte starten können.

          Vorgenommen haben sich der Österreicher und sein Team einiges für die beiden Wettbewerbe, in denen die Zwischenstände verheißungsvoll ausschauen. Treffend fasste das gewachsene Anspruchsdenken ein Spieler zusammen, der bis heute weniger als von ihm erhofft zum Erfolg beitragen konnte: David Abraham. Der in den vergangenen Wochen verletzungsanfällige Kapitän ließ erkennen, dass alle mit dem Erreichten zwar zufrieden sein dürfen, er aber noch ein gutes Stück mehr erreichen möchte. Es sei sein Ziel für die Rückrunde, dass für ihn und die Kollegen bis zum letzten Moment die Chance bestehe, sich abermals für das internationale Geschäft zu qualifizieren.

          Ob er dabei an die Teilnahmeberechtigung an der Champions League oder zuerst den abermaligen Einzug in die Europa League dachte, in der Mitte Februar mit dem Sechzehntelfinale gegen Schachtar Donezk ein anspruchsvolles Duell wartet, ließ er unausgesprochen. Am Einsatz, die Abraham mit den Erfahrungen aus der Vielzahl der bislang vorzeigbaren Vorstellungen begründete, werde es nicht mangeln. „Immer einhundert Prozent geben“, lautet für ihn persönlich die Maxime, mit der er als Innenverteidiger eigentlich als fester Bestandteil der Frankfurter Abwehr vorgesehen ist. Weil dazu sein Körper jedoch unlängst nicht in der Lage war und er aufgrund von Achillessehnenbeschwerden ausfiel, musste Abraham seit Mitte November eine Zwangspause einlegen. Erst neun Ligaspiele konnte er in dieser Saison absolvieren.

          Der Blick auf das Wesentliche

          Nun, in Florida, soll bei seinen Comeback-Bemühungen durch die Ballarbeit auf den Rasenplätzen der IMG Academy in Bradenton der nächste Schritt erfolgen. So haben es der Rekonvaleszent und Chefcoach Hütter ausgemacht. Da sich Dauerpatient Timothy Chandler an der amerikanischen Ostküste ebenfalls für sein Comeback in Form bringt, fällt mit Lucas Torró nur noch ein Profi länger aus; doch auch der Spanier setzt seine Reha nach der Hüftoperation künftig im Kreis der Mannschaft fort. „Die Zeit ist kurz, um topfit zu werden“, sagte Hütter bei der grundsätzlichen Bewertung der Ausgangslage. „Ich bin gespannt, wie wir das hinkriegen.“

          Dass die Erwartungen gestiegen sind, kommt für Fredi Bobic nicht unerwartet – aufgrund der gelungenen Hinrunde mit 27 Punkten in der Liga, der Siegesserie in der Europa League und einer wirtschaftlichen Entwicklung, die eine Einstellung der bisherigen Umsatz-Rekordmarke (140 Millionen Euro) in diesem Geschäftsjahr möglich macht. Auch deswegen sehe er sich in einer besonderen Verantwortung, sagte der Sportvorstand. „Gerade in solchen Momenten müssen wir in der Führung hellwach sein. Denn es gibt zwei ebenso blöde wie richtige Floskeln: Im Erfolg macht man die größten Fehler sowie Stillstand ist Rückschritt“, lautete Bobics Quintessenz aus einem Gespräch, das auf der Klubhomepage veröffentlicht wurde.

          Auf sein Betreiben ließ die Eintracht zuletzt bevorzugte Winterquartiere in Südeuropa oder dem Orient diesmal außer Acht und orientierte sich stattdessen ins Heimatland ihres Hauptsponsors um, wo sie sich bereits in den vergangenen beiden Jahren auch im Sommer aufhielt. „Ich bin ein Treiber und will immer weiter“, sagte Bobic zu seinen Wünschen ans neue Sportjahr. Dabei müsse jedoch stets der Blick auf das Wesentliche gewahrt bleiben: „Wo die Grenzen sind, kann seriös nicht beurteilt werden.“

          Kampf mit der Zeit

          Um einen Eindruck davon zu erhalten, wie die Mannschaft nach den Weihnachtsferien im Vergleich mit ausgesuchter Konkurrenz physisch, taktisch und spielerisch abschneidet, nutzt die Eintracht in den kommenden Tagen die Gelegenheit beim „Florida Cup“. Für die Mitwirkung an dem Einladungsturnier gibt es eine Aufwandsentschädigung. Sie gleicht die Kosten in siebenstelliger Höhe, die für den Übersee-Trip anfallen, teilweise wieder aus.

          An dem Mini-Turnier, das von südamerikanischen Fernsehsendern live übertragen wird, nehmen auch Ajax Amsterdam sowie die brasilianischen Klubs Flamengo Rio de Janeiro und der FC São Paulo teil. Gegner der Hessen sind in Tampa und Orlando die beiden brasilianischen Teams. Dass Abraham als Argentinier gern dabei wäre, steht in Anbetracht der ewigen Fußball-Rivalität der Nachbarländer außer Zweifel. So wird für den 32-Jährigen der lange Weg zurück gegen Ende auch noch zu einem Kampf mit der Zeit.

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