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Almamy Touré bei der Eintracht : Ins Rampenlicht

  • -Aktualisiert am

Hoch hinaus: Almamy Touré zeigt seine spielerische Qualität immer deutlicher. Bild: Heiko Rhode

Der Rechtsverteidiger der Eintracht, Almamy Touré, bietet sich mit konzentrierten Leistungen als Nachfolger für den erfahrenen Kapitän David Abraham an.

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          Der Trend bei Almamy Touré ist positiv. Sehr positiv sogar. Setzt sich die Entwicklung des 23 Jahre alten Profis bei Frankfurt Eintracht so fort, wird er schon bald mehr sein als nur eine gute Alternative zu David Abraham. Der 33 Jahre alte Argentinier und Kapitän der Mannschaft, der jahrelang der Platzhirsch als rechter Innenverteidiger und unantastbar war, muss jetzt ernsthaft um seinen Stammplatz bangen. Womöglich ist gerade seine Wachablösung in vollem Gange, ein viel beachteter Generationenwechsel auf dem Platz.

          Touré drängt jedenfalls ins Rampenlicht. Viermal gehörte er in den vergangenen vier Pflichtspielen zur Startformation – so viel spielte der in Mali geborene und in Paris in einer fußballverrückten Familie aufgewachsene Defensivmann noch nie am Stück in Frankfurt. Und auch das ist neu bei ihm: Touré, der im Januar 2019 aus Monaco für rund eine Million Euro Ablösesumme nach Frankfurt gekommen war, wird immer besser und stabilisiert sich auf hohem Niveau. Im Heimspiel gegen Bremen (2:2) sorgte er als Verteidiger von der rechten Seite aus für die meisten Zuspiele (11) in den Werder-Strafraum, eines davon war der Ausgangspunkt für das 2:1 durch den Portugiesen André Silva. Und Touré ist häufiger die spielbestimmende Figur: Beim 1:0-Auswärtserfolg der Eintracht in der Europa League gegen Vitoria Guimaraes wies der Defensivspieler mit 71 Prozent gewonnener Zweikämpfe bereits den besten Wert auf. Im Bundesliga-Duell mit Borussia Dortmund (2:2) hatte er hinter Makoto Hasebe die meisten Zweikämpfe für sich entschieden.

          Touré, keine Frage, hat bei seinem sportlichen Reifeprozess deutlich an Tempo aufgenommen und sich in seine Aufgabe reingebissen. Mit Hochdruck und vermehrter Eigenwerbung arbeitet der Aufsteiger der vergangenen Wochen fleißig daran, in Zukunft nicht mehr nur der talentierte Stellvertreter von Abraham zu sein. Er sei „froh, wenn Spieler Druck auf andere aufbauen – und das macht Almamy im Moment“, sagte Cheftrainer Adi Hütter im Anschluss an die Begegnung gegen Bremen.

          Festgespielt?

          Von Spiel zu Spiel gewinnt der aktuelle Punktsieger Touré an Sicherheit: Das zeigt sich zum einen daran, dass er sich immer öfter am Offensivspiel seiner Mannschaft beteiligt. Seine präzis getimten Flanken sind ein Gewinn für seine Mitspieler im Sturmzentrum. Der Trainer habe ihm gesagt, „dass ich viel Dampf machen muss. Das versuche ich umzusetzen“, berichtete Touré. Auch in seinem Kerngebiet, dem Verteidigen, sammelte er mit konzentrierten Leistungen und Durchsetzungsvermögen viele Pluspunkte. Das Vertrauen von Hütter und die regelmäßigen Einsätze von Anfang an tun ihm gut. „Ich nehme Spielrhythmus auf“, sagt Touré. Mit ihm sind die Frankfurter in den zurückliegenden vier Pflichtspielen in der Bundesliga und der Europa League ungeschlagen geblieben.

          Touré scheint sich festgespielt zu haben. Profitiert hat er dabei auch von der Verletzungsanfälligkeit von Abraham, dem immer wieder muskuläre Probleme zu schaffen machen. Abraham kämpft mit seinem Körper. Und ein Stück weit auch mit sich selbst. Seine Auftritte sind längst nicht mehr so souverän wie früher. Der Argentinier hat an Dominanz, Ausstrahlung und Zweikampfstärke auf hohem Niveau eingebüßt. Im Gegenzug bringt Touré seine Stärken immer besser zum Tragen. Flink ist er auch. Zuletzt wurden bei ihm sogar bessere Sprintwerte als beim schnellen Abraham gemessen. Seine kräftige Statur kommt dem 1,83 Meter großen Touré, der breite Schultern hat, für seine Verteidigungsaufgaben ebenfalls zugute. In einem Punkt ist er Abraham gegenüber deutlich im Vorteil: Mit dem Ball am Fuß weiß Touré gut umzugehen, er ist der technisch bessere Spieler. Außerdem hat der Franzose dazugelernt: Seine anfänglichen Leichtsinnsfehler stellte er zum Großteil ab, flatterige Auftritte trüben nicht mehr das Gesamtbild. Heute zahlt sich seine Abgeklärtheit in den Zweikämpfen aus. Der im Vergleich zu Abraham zehn Jahre jüngere Touré ist in der Bundesliga in seine Rolle hineingewachsen.

          Für sein Alter verfügt er bereits über viel Erfahrung. Bestandteil seiner 80 Spiele für Monaco sind zehn Einsätze im Kreis der Besten in der Champions League. Bei seinem ersten Profieinsatz verloren die Monegassen zwar 1:3 gegen Arsenal London, doch Touré wusste mit einer starken Vorstellung auf sich aufmerksam zu machen. Daraufhin hatte die Uefa ihn vor mehr als vier Jahren in den Rang als „Europas Wunderkind“ erhoben. Diese Lobpreisung von oberster Stelle hat ihm jedoch nicht den Kopf verdreht. Touré ist viel zu bodenständig und besonnen, um den Blick für die Realität zu verlieren. Mit seinem Fortkommen auf dem Platz geht er abseits des Feldes defensiv um. Er käme nie auf die Idee, jetzt Ansprüche zu stellen. Aber die Anzeichen verstärken sich, dass sich die Zeiten bei der Eintracht auf der Rechtsverteidigerposition ändern. Touré ist dabei, Abraham den Rang abzulaufen.

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