https://www.faz.net/-gzg-9r7vm

Eintracht Frankfurt : Aus den Angeln gehoben

Durfte auch gegen Augsburg wieder einen eigenen Treffer bejubeln: Goncalo Paciencia Bild: Imago

Kostic wird vermisst, Sow taucht ab, Dost fehlt die Power: Ein 45-minütiger Blackout kommt die Eintracht beim 1:2 in Augsburg teuer zu stehen.

          3 Min.

          Für Dominik Kohr war die Schlappe von Augsburg fast schon nach Spielschluss halbwegs vergessen. „Ab Sonntag ist der Kopf auf Arsenal gerichtet. Wir wollen gemeinsam mit den Fans wieder eine wunderbare Atmosphäre haben und uns als Heimmannschaft präsentieren.“ Das Spiel gegen den FC Arsenal, die erste Begegnung in der Gruppenphase der Europa League am Donnerstag um 18.55 Uhr, scheint noch weit entfernt. Am Samstag, bei der 1:2-Niederlage, hat sich die Eintracht als geschlagene Auswärtsmannschaft präsentiert – und eine Halbzeit lang ein Gesicht gezeigt, das niemandem gefallen hat. Den Spielern nicht, dem Trainer nicht und auch den knapp 3000 mitgereisten Fans nicht, die sich wieder einmal mit einem Tiefschlag beim FC Augsburg befassen mussten. Dabei hätte alles ganz anders kommen können.

          Die Eintracht hätte einfach nur von Beginn an mit ganzer Kraft und vollem Herzen Fußball spielen müssen. Doch von den überfallartig ihrer Arbeit nachgehenden Augsburgern wurde die Mannschaft von Trainer Adi Hütter immer wieder vor große Probleme gestellt. Die Dreierabwehrkette, in der sowohl David Abraham als auch Martin Hinteregger einen stark verbesserungsfähigen Tag erwischten, wurde ein ums andere Mal aus den Angeln gehoben. Mittelfeldmann Kohr, nach dem Seitenwechsel für den enttäuschenden Djibril Sow in die Partie gekommen, hatte das Augsburger Erfolgsrezept schnell erkannt. „Sie haben nach Balleroberung direkt hinter die Kette gespielt und uns mit ihren schnellen Spielern überlaufen. Wir hatten Glück, dass uns Kevin Trapp zu diesem Zeitpunkt im Spiel gehalten hat.“

          „Die erste Halbzeit komplett verschlafen“

          Die Formel für den 45 Minuten währenden Frankfurter Blackout war schnell gefunden. „Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen“, sagte Kohr – und erhielt allenthalben Unterstützung aus den eigenen Reihen. Auch Hütter missfiel gehörig, was er vom Anpfiff weg in der Augsburger Arena zu sehen bekam. „Eigentlich passiert uns dies nicht oft, aber wir haben es verschlafen.“ Mehr noch: „Wir haben teilweise zu naiv gespielt und zu hoch gestanden.“

          Einer wie Timothy Chandler war froh, überhaupt auf dem Platz gestanden zu haben – zumal noch in der Startelf. Nachdem sich Filip Kostic schon im Kreise der serbischen Nationalmannschaft unwohl gefühlt hatte, zog es Hütter vor, den offensiven linken Außenmann auch in Augsburg außen vor zu lassen. Schonung statt Sturmlauf. Chandler durfte sich beweisen – und tat dies im Rahmen seiner Möglichkeiten. Sein Trainer zeigte sich mit Chandlers 90 Minuten dauernden Einsatz zufrieden, „er hat es sehr ordentlich gemacht“, fand Hütter, wohl wissend, „dass Filip eine andere Wucht hat“.

          Hasebe umsichtig

          Wucht, Wille, Power: Ein Mix davon hätte der Eintracht in der ersten Halbzeit gutgetan. So startete die vom abermals umsichtigen Makoto Hasebe von hinten heraus angeführte Mannschaft ihre Aufholjagd nach den beiden Augsburger Treffern von Marco Richter (35.) und Florian Niederlechner (43.) erst im zweiten Spielabschnitt. Diesen hatte die Hütter-Elf auch vollends unter Kontrolle. Doch es fehlte an der entscheidenden Durchschlagskraft. Einzig Goncalo Paciencia, schon im letzten Bundesligaspiel vor zwei Wochen gegen Fortuna Düsseldorf als zielstrebiger Torschütze aufgefallen, traf in Augsburg. Sein Treffer in der 73. Minute, initiiert durch Kohr, entsprang einer feinen Einzelleistung, die der Portugiese mit links abschloss.

          Dass im Übrigen Paciencia vom Start weg an der Seite von André Silva stürmen durfte und nicht Bas Dost, hatte Hütter mit Bedacht entschieden. „Goncalo hat sich das mit seiner Quote verdient. Zudem hat er ein bisschen mehr Saft als Bas, dem noch ein wenig Power fehlt.“ Doch der Eintracht-Coach ist sicher: „Wir werden noch viel Freude an ihm haben.“ Für freudige Momente im Eintracht-Spiel soll eigentlich auch Sow sorgen. Doch in Augsburg war davon nichts zu sehen. Der Rekordmann, für neun Millionen Euro Ablöse von Hütters vormaliger Meistermannschaft Young Boys Bern verpflichtet, konnte während seines Wirkens in der schwachen ersten Halbzeit nichts Substantielles beisteuern.

          Nach Spielschluss verwunderte es nicht, dass die aufmunterndsten Worte aus den Reihen des Gegners kamen. So war es Martin Schmidt, der Trainer des FC Augsburg, der beim Wiedersehen mit seinem Lieblingsgegner Frankfurt lobende Worte für die Eintracht fand. Nicht für den aktuellen Auftritt gegen seine wieder in die Spur gekommenen Augsburger. Sondern für die Spiele in Europa. „Es macht Spaß, euch zuzuschauen“, sagte der Schweizer Fußballlehrer, der „selbstverständlich auch am Donnerstag wieder vor dem Fernseher sitzt und euch die Daumen drückt“. Es könnte hilfreich sein. Arsenal ist von einem anderen Kaliber als Augsburg.

          Weitere Themen

          Altes Spiel, neuer Glanz

          Eintracht Frankfurt : Altes Spiel, neuer Glanz

          Rennen, schießen, grätschen: Filip Kostics Leistung gegen Leverkusen erinnert an spektakulärste Momente der vergangenen Spielzeit. Trainer Hütter spricht sogar von der besten Halbzeit der Saison.

          Topmeldungen

          Will nicht weichen: Baschar al Assad am Mittwoch in Idlib

          Syrien-Konflikt : Wer Schutz verspricht, muss schützen

          Seit Jahren wird über sichere Zonen in Syrien diskutiert, doch nie waren die Umstände widriger. Nato-Mitglieder zweifeln an Deutschlands Motiven – derweil spielen russische und türkische Einsatzkräfte vor Ort ihre Macht aus.
          Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow im September bei der Kartoffelernte in Heichelheim.

          Linkspartei in Thüringen : Ganz anders als gedacht

          In Thüringen führt Bodo Ramelow seit fünf Jahren die erste rot-rot-grüne Regierung. Am Sonntag will er wiedergewählt werden. Selbst ohne eigene Mehrheit könnte er im Amt bleiben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.