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Skyliners in der Krise : Auf schwierigem Selbstfindungstrip

  • -Aktualisiert am

Neuzugang: Tyler Larson hat im Pokalspiel gegen Alba Berlin nicht viel Freude. Bild: Jan Huebner

Nach dem blamablen Aus im Pokal droht den Basketballern der Frankfurt Skyliners das Scheitern im Eurocup. Doch auch in der Bundesliga ist für sie ein Platz im Play-off alles anders als selbstverständlich.

          Es war ein verzweifelter Appell von Akeem Vargas an seine Mitspieler, ein paar Minuten nach der Schmach der Skyliners gegen Alba Berlin. Und ein Hilferuf des Frankfurter Basketball-Aufbauspielers in großer Not. Es ging um das große Ganze: Unser Team müsse endlich „die Philosophie von Trainer Gordon Herbert verstehen“, forderte der 28 Jahre alte Vargas mit versteinerten Gesichtszügen. „Wir haben es wieder nicht geschafft, das umzusetzen, was wir uns in der Kabine vorgenommen haben.“ Die Blamage der Frankfurter im Pokal-Halbfinale gegen Berlin (70:105) war sportlich eine Blaupause der vergangenen Wochen. Die Fähigkeiten dieser Mannschaft mit ihrem fragilen Gesamtgefüge reichen bei weitem nicht aus, um dem Spielplan von Headcoach Herbert annähernd gerecht werden zu können, vor allem nicht im Vergleich mit einem Spitzenklub. In der Verteidigung lassen zu viele Skyliners-Profis die nötige Verbissenheit vermissen. Hinzu kommt, dass sie sich im Angriff selbst Grenzen setzen: Die Freiräume, die ihnen Herbert mit seinen Offensivsystemen einräumt, nutzen die Spieler zu selten. Es mangelt an guter Raumaufteilung und exaktem Positionsspiel. Auf dem Feld ist die Unordnung zu groß.

          Beim Blick in die Zukunft sieht Vargas, der zu den erfahrensten Spielern im Kader zählt, die Skyliners nun auf „einem langen Weg, den wir gehen müssen“. Und was steht an dessen Ende? Es ist höchst ungewiss, ob sie ihr großes verbliebenes Ziel, den Einzug in die Bundesliga-Play-off-Runde, noch erreichen werden. Denn die Zeit drängt. In ihrer Entwicklung müssten die Hessen, die zuletzt wettbewerbsübergreifend sieben Niederlagen nacheinander bezogen haben, zu diesem Saisonzeitpunkt schon viel weiter sein. Der Nachholbedarf ist angesichts der vielen Baustellen in der Mannschaft riesengroß. Herbert muss nicht nur die verletzten Spieler, die wie Vargas zurückgekommen sind oder die wie Center Leon Kratzer demnächst zurückkommen werden, wieder einbinden.

          Aufbauspieler müssen integriert werden

          Er muss außerdem die beiden neuen Aufbauspieler Tyler Larson und Tra Holder im Schnellverfahren integrieren. Von ihrem Leistungsvermögen und ihrer Anpassungsfähigkeit wird abhängen, ob es mit dem dringend erforderlichen Formanstieg der Frankfurter noch etwas werden wird. Und Herbert sollte seine angekündigten Personalsanktionen jetzt auch realisieren. Von den Spielern, die ein Mentalitätsdefizit haben, will er sich trennen. Bei Erik Murphy ist seine Geduld wohl erschöpft. Seitdem der finnische Nationalspieler aus der Distanz kaum noch trifft, ist er mit seinem laschen Verhalten in der Verteidigung ziemlich wertlos für die Frankfurter geworden. „Erik hat im ganzen vergangenen Monat nicht viel gemacht“, kritisierte Herbert.

          Auch von den beiden Aufbauspielern Jason Clark und dem verletzten Trae Bell-Haynes dürfte einer zu viel sein. „Bei ein, zwei Leuten müssen wir einfach mehr Leistung erwarten“, sagte Geschäftsführer Gunnar Wöbke, ohne Namen zu nennen. Gemeint dürften aber Murphy und Clark gewesen sein. „Es kann gut sein, dass wir noch Veränderungen vornehmen“, sagte Wöbke. Am Montag sind die Skyliners mit sieben ausländischen Spielern, darunter Murphy und Clark, zum Eurocup-Spiel nach Lyon geflogen. Anders als in der Bundesliga, ist die Ausländerzahl im zweithöchsten europäischen Wettbewerb nicht auf sechs begrenzt. Unterliegen die Hessen an diesem Dienstag (21 Uhr) dem französischen Spitzenklub, wären sie mit der vierten Niederlage im vierten Spiel definitiv aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Selbst bei einem Sieg wären sie aber auf die Unterstützung der Konkurrenz angewiesen.

          Die Jubiläumssaison der Skyliners, die 1999 den Spielbetrieb aufnahmen, könnte zu einem besonderen Spieljahr für Herbert werden – zu einem besonders schlechten. Der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte hätte es nach jetzigem Stand zum ersten Mal nicht geschafft, eine Mannschaft und einzelne Spieler besser zu machen. Zu umfangreich waren bisher auch die Fehlbesetzungen beim Personal, das ist ebenfalls ein Novum unter der Anleitung von Herbert. Dessen Kredit und Wertschätzung ist jedoch groß bei Wöbke. Am Saisonende läuft der Vertrag von Herbert aus.

          Die Vertragsverlängerung mit ihm – Gespräche zu diesem Thema gab es bereits – hätte jetzt Signalwirkung. Noch gibt es dieses Zeichen aber nicht. Womöglich auch, weil es Herbert, der seine Karriere als Nationalmannschaftstrainer fortsetzen könnte, nicht will. In Frankfurt musste Herbert noch nie so kämpfen, um eine Mannschaft sportlich in den Griff zu bekommen.

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