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Darmstadt 98 : Vorfreude auf die „verrückte Liga“

  • -Aktualisiert am

Laktattest: Darmstadt 98 hat die Saisonvorbereitung begonnen. Bild: Jan Huebner

Neue Gesichter beim Trainingsauftakt von Darmstadt 98. Mit sieben Neuverpflichtungen waren die „Lilien“ auf dem Transfermarkt bereits sehr aktiv. Gesucht wird noch ein weiterer Innenverteidiger.

          Die einen begrüßte Dimitrios Grammozis mit einem lauten und freundlichen Hallo. Anderen „Lilien“-Anhängern schüttelte der Darmstädter Trainer auf dem Weg zum Trainingsplatz persönlich die Hand, verbunden mit ein paar netten Worten. Und als dann großer Applaus der rund 200 Zuschauer einsetzte, nachdem der 40-Jährige am Dienstag als Letzter das Spielfeld betreten hatte, winkte der gut gelaunte Fußballlehrer zum Dank in die Menge. An seiner aufgeschlossenen Art hat Grammozis in der Sommerpause also nichts eingebüßt, er bleibt ein Trainer zum Anfassen. Und der Deutsch-Grieche war auch weit davon entfernt, den SVD nach ein paar Monaten schon wieder zu verlassen. Angeblich hatte Grammozis beim Zweitliga-Rivalen Hamburger SV zu den Trainerkandidaten gezählt. Das sei aber „kein Thema“ gewesen, stellte Carsten Wehlmann, der Sportliche Leiter der Darmstädter, klar. „Von Seiten des HSV gab es keine Kontaktaufnahme zu unserem Trainer oder dessen Umfeld.“

          Grammozis hat bei seinem aktuellen Arbeitgeber auch keinen Grund zur Klage. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die „Lilien“ ihrer Zeit ziemlich voraus. Versammelte sich oft nur ein gutes Dutzend Profis im überschaubaren Rahmen zum Trainingsstart, waren es diesmal schon etwas mehr als 20. Volles Haus mit dieser Belegschaft also am Böllenfalltor. Den Mut zur anfänglichen Lücke brauchen die Darmstädter diesmal nicht, weil sie in der Vorsaison mit dem früher als sonst feststehenden Klassenverbleib Planungssicherheit hatten. Siebenmal griffen die Südhessen auf dem Transfermarkt bereits zu. Und das ist neu dabei: Das Alter der neuen Spieler liegt zwischen 19 und 26 Jahren.

          Franke verlässt die „Lilien“ wieder

          Unter Grammozis-Vorgänger Dirk Schuster wurden hingegen meist sehr erfahrene Recken geholt. „Jetzt haben wir ja eine erfahrene Mannschaft“, betont Wehlmann. Und vom neuen Personal verfügen die meisten wie Torhüter Marcel Schuhen (SV Sandhauen), Erich Berko (Dynamo Dresden) oder Fabian Schnellhardt (MSV Duisburg) schon über Zweitliga-Erfahrung. Einen kampferprobten Innenverteidiger wollen und müssen die „Lilien“ noch finden, denn ihr Leihspieler Marcel Franke ist zu Norwich City zurückgekehrt. Die Kaufoption für den 25-Jährigen in Höhe von 1,3 Millionen Euro hat der SVD nicht wahrgenommen, weil sich Franke nun in der Premier League beweisen möchte.

          Im Portfolio hat der Klub mit Mathias Wittek, Immanuel Höhn und dem jungen Patric Pfeiffer im Augenblick drei Innenverteidiger. Auch ein dritter Torwart soll noch kommen. Von welcher Güteklasse, haben die „Lilien“ noch nicht entschieden. Eine Stelle im zentralen Mittelfeld werden sie womöglich ebenfalls noch mit einem Neuzugang besetzen.

          Gespräche mit Mehlem über Verlängerung

          „Wir haben einen sehr guten Kader zur Verfügung“, sagt Grammozis. In sein Qualitätsurteil bezieht er in großem Maße die beiden Offensivspieler Marvin Mehlem und Serdar Dursun mit ein. Der 21 Jahre alte Mehlem sei „ein ganz wichtiger Spieler, ich hoffe, er bleibt uns erhalten“. Trotz kolportierten Interesses vom VfB Stuttgart und vom 1. FC Nürnberg gäbe es momentan keine Anfragen für Mehlem, berichtete Wehlmann. „Wir müssen keinen Spieler verkaufen, und wir stellen keinen ins Schaufenster.“ Der Vertrag des quirligen Kreativspielers Mehlem läuft bis einschließlich 30. Juni 2020, mit ihm sind die Darmstädter in Gesprächen über eine vorzeitige Vertragsverlängerung.

          Eine Unterredung gab es auch mit Torjäger Dursun. Dieser erweckte vor kurzem den Eindruck, höhere Ambitionen zu haben und mit einem Vereinswechsel zu liebäugeln. „Da wurde wohl ein bisschen was missverstanden, hat uns Serdar gesagt.“ Grammozis geht hundertprozentig“ davon aus, dass Dursun, der aufgrund von Wadenproblemen individuell trainierte, bleiben wird. „Denn Serdar weiß, was er an Darmstadt hat.“ Dass die Mittelfeldspieler Victor Palsson und Tobias Kempe beim Arbeitsbeginn fehlten, lag daran, dass Palsson zuletzt noch mit der isländischen Nationalmannschaft im Einsatz war und daher bis Ende Juni Sonderurlaub erhielt. Und bei Kempe erklärten private Gründe sein Fernbleiben.

          Ein konkretes Saisonziel gaben Grammozis und Wehlmann noch nicht aus. Die zweite Liga sei „so verrückt“, wichtig seien zunächst „eine gute Vorbereitung und ein guter Start in die Liga“, sagt der Trainer, der sich „brutal auf die neue Saison“ freut. Mit den Absteigern Stuttgart, Hannover und Nürnberg habe die Liga einen „hohen Attraktivitätsfaktor“.

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