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Lilien-Trainer im Interview : „Wir wollen die Jungs zu mehr Spielfreude ermutigen“

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„Einige Zweitligisten haben das Wort Umbruch in den Mund genommen – auf uns trifft dies auch zu“: Lilien-Trainer Grammozis Bild: Imago

Die Lilien leiden unter einer Torflaute und hängen unter in der Tabelle der Zweiten Liga. Trainer Dimitrios Grammozis über kritische Fans, defensive Stärke, offensive Probleme und seine Pläne mit Darmstadt 98.

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          Verfolgen Sie neben Fußball noch andere Sportarten?

          Basketball schaue ich sehr gerne, aktuell natürlich die WM. Ich habe früher in fußballfreien Zeiten auch gerne selbst ein bisschen gezockt. Unlängst hatte ich mal einen gemeinsamen Studioauftritt mit Bundestrainer Henrik Rödl. Seitdem schaue ich bei der deutschen und natürlich auch bei der griechischen Nationalmannschaft noch genauer hin.

          Im Basketball können die Profis Dutzende Spielzüge auswendig und auf ein Handzeichen hin verwirklichen. Fasziniert Sie das mit Blick auf Ihre Arbeit?

          In gewisser Weise schon. Nur geht es im Basketball statischer zu als im Fußball, was das genaue Abspulen von einstudierten Laufwegen erleichtert. Dazu gibt es viel mehr Pausen im Spiel und die Möglichkeit, ständig zu wechseln. Aber es gibt natürlich auch Parallelen zum Fußball, die es lohnenswert machen, sich etwas abzuschauen.

          Was zum Beispiel?

          Die Akribie, mit der im Basketball im und am Detail gearbeitet wird – das kann man im Fußball auf die Standardsituationen übertragen. Da gibt es viele Möglichkeiten, den Gegner mit einem genauen Plan vor Probleme zu stellen.

          Sind im Fußball die Möglichkeiten wirklich schon ausgereizt, was festgelegte Spielzüge und Laufwege betrifft?

          Ich finde, dass der Fußball auf einem sehr hohen Niveau angekommen ist. Wenn man sich die athletischen Werte der Spieler anschaut, dann ist das kaum noch weiter auszureizen. Die Jungs sind top austrainiert. Man kann natürlich taktisch an der einen oder anderen Schraube drehen. Am Ende ist es aber fast immer die individuelle Qualität, die im Spiel den Unterschied ausmacht. Die Spieler in den Topligen haben alle Qualität – da kommt es auf die drei, vier Spieler an, die über das gewisse Extra verfügen. Als Mannschaft musst du schauen, dass diese Qualität zum Tragen kommt – und beim Gegner möglichst nicht.

          Werden Fußballprofis unterfordert in Sachen (Spiel-)Intelligenz und taktischem Mitdenken?

          Bei allen Trainern, die ich gut kenne, beobachte oder mit denen ich zusammengearbeitet habe, wird taktisch viel gearbeitet. Von daher finde ich nicht, dass die Spieler unterfordert sind. Denn Fußball hat so viele Facetten, ist so komplex, dass er weit über den standardisierten Spielzug hinausgeht. Stichwort Athletik, den körperlichen Kampf Mann gegen Mann und auch das mannschaftliche Gefüge mit zehn verschiedenen Mitstreitern auf dem Platz. Da kann man kaum eine spezifische Facette perfekt vorbereiten, weil man ja alle Aspekte behandeln muss. Es gibt in einem Team aus so vielen verschiedenen Charakteren daher immer etwas, das einem Probleme bereitet.

          Meier, Frings, Schuster, Grammozis – jeder der jüngsten Darmstädter Trainerwechsel bedeutete einen erheblichen Bruch mit der Spielweise des vorher Verantwortlichen. Jeder neue Trainer hat quasi bis zu seiner Entlassung um Geduld und Zeit zur Weiterentwicklung gebeten. Wann bekommt man als Coach seine Spielphilosophie eigentlich verankert?

          Die Entwicklung einer Mannschaft geht nie zu Ende. Jeder will sich permanent verbessern. Wenn man ein bestimmtes Level erreicht, will man von dort aus weiterkommen. Wir wollten im Sommer mit neuen jungen Spielern bei uns wieder neue Energie hineinbekommen. Einige Zweitligisten haben das Wort Umbruch in den Mund genommen – auf uns trifft dies auch zu. Als Trainer denke ich vorwiegend: Wo befindet sich die Mannschaft, und wo möchte ich sie hinbringen? Wenn die grundsätzliche Richtung, so wie bei uns, stimmt, kann man Rückschläge wie zuletzt viel besser wegstecken. Kein Trainer der Welt kommt ohne Niederlage aus. Wichtig ist, wie man damit umgeht.

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