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Tischtennis : Der China-Schreck

  • -Aktualisiert am

Erfolgreich: Patrick Franziska besiegt jetzt auch schon Chinesen. Bild: Jan Huebner

Der südhessische Tischtennis-Profi Patrick Franziska ist nach zwei Siegen gegen Top-Ten-Spieler bei den Australian Open auf dem Weg an die Weltspitze. Eine Erklärung hat er dafür nicht.

          Der südhessische Tischtennis-Profi Patrick Franziska musste 27 Jahre alt werden, um trotz reichlich gesammelter Erfahrung in seiner Sportart ein völlig „neues Gefühl“ zu entwickeln. Ein unbeschreiblich schönes und erhabenes Empfinden von Stärke, das ihm in Zukunft im Wettkampf auf höchstem Niveau alle Möglichkeiten eröffnen wird. Er wisse jetzt, „dass ich jeden Spieler knacken kann – auch die Allerbesten“, sagte der gebürtige Bensheimer am Mittwoch.

          Grundlage für das aktuelle Selbstvertrauen des Nationalspielers sind seine bemerkenswerten Topergebnisse vom Juli bei den Australian Open in Geelong und beim T2 Diamond in Malaysia. Denn zum ersten Mal in seiner Karriere besiegte er mit dem heutigen Weltranglistenzweiten aus China, Fan Zhendong, und dem schwedischen WM-Zweiten und Weltranglistensiebten Matthias Falck zwei Top-Ten-Spieler in einem Turnier. Und im Halbfinale in Australien fehlte nicht viel, und Franziska hätte beim 3:4 gegen den chinesischen Weltranglistenersten Xu Xin den nächsten großen Glanzpunkt gesetzt.

          Dafür hat der Deutsche erfolgreich seine Topform in Malaysia bestätigt, als er den damaligen Weltranglistensechsten Liang Jingkun 4:2 aus dem Rennen warf. Seit dem Ersten dieses Monats steht Franziska auf Platz 15 in der Weltrangliste, so gut stand er auf der internationalen Leistungsskala noch nie da. Aus dem Kreis seiner prominenten Landsleute sind nur noch Timo Boll (8.) und Dimitrij Ovtcharov (11.) vor ihm gelistet.

          „Du brauchst den hundertprozentigen Glauben“

          In diesem Sommer hat Franziska mit Siebenmeilenstiefeln den Durchbruch in die Weltspitze vollzogen. „Davor haben die letzten zwei, drei Prozent an Überzeugung gefehlt, die Besten schlagen zu können“, sagt er. „Aber du brauchst genau diesen hundertprozentigen Glauben daran.“ Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio verfügt Franziska über die neu gewonnene Gabe, in den Spitzenduellen zu wissen, „dass meine Schläge kommen können – auch wenn ich hinten liege“.

          Manches, das ist sein Eindruck, geht ihm jetzt sogar ein bisschen leichter von der Hand. Warum das so ist? „Ich kann es selbst nicht erklären“, sagt er und grinst. Als der Bundesliga-Spitzenspieler des Meisterschaftszweiten Saarbrücken gegen Fan Zhendong der Satzausgleich zum 2:2 gelang, verspürte er zum ersten Mal das Gefühl, sich tatsächlich gegen einen Topchinesen durchsetzen zu können. Als Überraschungssieger und Premierengewinner kamen ihm dann die Tränen. Endlich hatte er sein großes Ziel erreicht, auf das er so lange hingearbeitet und hingefiebert hatte. Mit einem Schlag zahlte sich die ganze Mühe aus. Franziska profitierte von seiner noch stärker gewordenen Rückhand und davon, dass er sich seine Kraft über die Saison hin sehr gut eingeteilt hatte. Außerdem war er frei von Verletzungen geblieben. Das Bewusstsein, gegen die Besten der Welt bestehen zu können, mache „eine Menge“ mit einem, findet Franziska.

          Sich in den Top-Ten etablieren

          Nun ist er in der von den Chinesen dominierten Sportart zum China-Schreck geworden. In den chinesischen Medien, so wurde es ihm mitgeteilt, sei von seiner „ Auferstehung“ die Rede gewesen. „Es ist schön, dort auf dem Schirm zu sein – und dass ich die Chinesen ein bisschen nervös machen kann.“ Sie werden sich nun intensiver mit Franziska und dessen sportlichen Schwächen beschäftigen. Womöglich wird es bei den Asiaten Spieler geben, die den Spielstil des Deutschen im Training für ihre prominenten Landsleute kopieren. „Das wäre eine Ehre“, sagt Franziska.

          Bei allem Stolz über das Erreichte weiß der Mixed-WM-Dritte, dass das erst der Anfang in der internationalen Spitzenklasse war. Noch hebt er sich von den anderen nicht als Sieger eines großen Turniers ab. Auf seiner To-do-Liste steht jetzt als „großes Ziel, die Chinesen dauerhaft zu schlagen“. Ungeduld auf dem weiteren Weg nach oben will Franziska nicht an den Tag legen. Sich weltweit in den Top Ten zu etablieren, ordnet er als „langfristiges Vorhaben“ ein.

          Auf die Frage, ob er zum Saisonstart die beste Form aller deutschen Spieler habe, antwortet Franziska ausweichend. „Ich vergleiche mich nicht mit anderen, sondern schaue auf mich“, sagt er diplomatisch. „Und ich bin in sehr guter Form.“ Er weiß jedoch auch, dass die Dinge „nicht von allein laufen“. Aber seine letzten Ergebnisse haben gezeigt, dass er auf dem richtigen Weg ist.

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