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Australian Open : Petkovic spielt sich schwindlig

  • -Aktualisiert am

Aus in der ersten Runde: Andrea Petkovic bei den Australian Open. Bild: Reuters

Für die Darmstädterin Andrea Petkovic sind die Australian Open in Melbourne bereits nach der ersten Runde vorbei. Sie bricht auf dem Platz zwei Mal zusammen.

          Das Spiel hat Andrea Petkovic verloren, dafür besiegte sie ihre Dämonen! Sagte sie jedenfalls. Die 31 Jahre alte Tennisspielerin aus Darmstadt saß, auch drei Stunden nachdem sie ihr Auftaktmatch gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu aufgeben musste, noch reichlich blass auf ihrem Stuhl, als sie Einzelheiten von ihrem Malheur berichtete. Aber nicht zerknirscht oder enttäuscht. Beim Spielstand von 7:6, 3:4 war sie auf dem Spielfeld zusammengesunken.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Zunächst dachten alle, sie wäre umgeknickt. Aber es war ihr Kreislauf, der nicht mehr mitspielte. Ein Schwindelanfall streckte sie hin, nachdem sie sich schon Minuten zuvor schlecht gefühlt hatte. „Ich bin stolz auf mich, ich habe bis zum letzten Moment alles gegeben, was in mir steckte“, erklärte Petkovic und fügte an: „Früher habe ich das nicht geschafft, da habe ich gejammert, warum sind nur alle und alles gegen mich.“

          Von einer Grippe geschwächt

          Zu Beginn des zweiten Satzes war sie schon einmal gestürzt und hatte gemerkt, dass mit der Koordination etwas nicht mehr stimmte. „Ich war nicht mehr sicher auf den Beinen, so als befänden sie sich unter Wasser. Und dann bekam ich auch noch Rückenschmerzen. Aber nicht wie bei einer Blockade, sondern wie bei einem Muskelkater.“ Die Erklärung für ihren bedenklichen Zustand: Dehydrierung. Dabei war es an diesem Tag in Melbourne mit 34 Grad Celsius nicht außergewöhnlich heiß gewesen und auch die Luftfeuchtigkeit nicht besonders hoch.

          Aber Petkovics Körper konnte die Belastungen nicht verkraften, weil er noch von einer Grippe geschwächt war. „Ich konnte am Freitag nur 14 Minuten trainieren, am Samstag waren es 25 und am Sonntag dann 39, mehr ging nicht.“

          Arzt untersagt weiteren Einsatz

          Dabei gilt die Darmstädterin als eine der trainingsfleißigsten und fittesten Spielerinnen der Damentour. „Ich fühle mich nur wohl, wenn ich viel trainiert habe.“ Und das war der Grund, warum sie in diesen Tagen in ihr altes Muster verfiel. „Ich war motzig, legte mich mit meinem Team an, weil ich es ungerecht fand, dass mir das passierte. Umso stolzer bin ich, dass es im Spiel dann anders war, dass ich bis zum Schluss mein Bestes gegeben habe.“ Im ersten Satz lag sie schnell 0:4 zurück, weil ihr alles durch den Trainingsrückstand viel zu schnell ging. „Als ich mich an das Tempo gewöhnt und meinen Rhythmus gefunden hatte, lief es gut.“ Sie gewann den ersten Satz noch im Tie-Break und hielt auch im zweiten Satz zäh mit, obwohl sie nicht mehr auf der Höhe ihrer Schaffenskraft war.

          Sogar vom Zusammenbruch wollte sie sich nicht stoppen lassen. Petkovic sagte den Offiziellen, dass sie weiterspielen wolle, nachdem sie mit Eiskompressen behandelt worden war. Aber der Arzt untersagte es ihr. Die Werte ihres Blutdrucks korrespondierten mit ihrem leichenblassen Gesicht. „Es ist schon lustig, in welchem Phantasiezustand man sich befinden kann. Ich wollte weitermachen, obwohl es mir schwerfiel, überhaupt auf dem Stuhl sitzenzubleiben“, sagte sie.

          Gedanken an das Karriereende

          Am Abend ging es der Darmstädterin wieder besser, sie hat vor, am Mittwoch im Doppel mit Monica Puig aus Puerto Rico zu spielen. Vor einem Jahr war Andrea Petkovic noch von Selbstzweifeln zerfressen, sie überlegte, ihre Karriere zu beenden. Die ehemalige Top-Ten-Spielerin pendelte in der Weltrangliste über Monate zwischen den Plätzen 90 und 100. Mit der Rückkehr zu ihrem alten Trainer Dusan Vemic begann eine Phase neuer Zuversicht. Dank guter Leistungen in der zweiten Jahreshälfte kletterte sie wieder auf Position 60.

          Nun fühlt sie wieder das Feuer in sich. Dabei will sie sich nicht mehr wie früher unter Ergebnisdruck setzen. „Ich bin wieder eine viel bessere Spielerin geworden, weil ich mich darauf konzentriere, jeden Tag mein Bestes zu geben. Die Ergebnisse kommen dann von alleine.“ Andrea Petkovic brennt darauf, ihre Fortschritte im Training auf dem Spielfeld umzusetzen.

          Das könnte sie am 9. und 10. Februar sehr publikumswirksam in Braunschweig tun, wenn das deutsche Fed-Cup-Team auf Weißrussland trifft. „Ich habe Jens Gerlach gesagt, dass ich zur Verfügung stehe. Wenn mich der Bundestrainer nominiert, spiele ich sehr gerne.“ Nach den Absagen von Angelique Kerber und Julia Görges wird Gerlach kaum auf sie verzichten. Die Weltrangliste und ihre Form beweisen: Petkovic ist immer noch die drittbeste deutsche Spielerin.

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