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Eintracht Frankfurt : Zeit der großen Abschiede

Großer Moment für Marius Wolf: Pokalfinale in Berlin vor knapp zehn Tagen Bild: Reuters

Marius Wolf verlässt die Eintracht vorzeitig und wechselt für fünf Millionen Euro Ablöse zu Borussia Dortmund. Keinen Vertrag in Frankfurt mehr gibt es für Alexander Meier.

          Zwei Trennungen prägen den Wochenanfang bei der Frankfurter Eintracht. Sowohl Alexander Meier als auch Marius Wolf werden nicht mehr für den Fußball-Bundesligaklub spielen. Wolf wechselt zum Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund. Meiers Vertrag wurde von der Eintracht nicht verlängert. Darauf hätten sich die sportliche Leitung mit Meier einvernehmlich geeinigt, teilte der Klub am Montag mit. Nach dem Pokalsieg und der Dienstreise von Sportvorstand Fredi Bobic nach New York, sei das vereinbarte Gespräch geführt worden: „Wir wissen um die Verdienste von Alex Meier“, sagte Bobic: „Er hat in all den Jahr treu zur Eintracht gestanden und tatkräftig daran mitgewirkt, dass sich der Verein nach einer schwierigen Phase zu einem etablierten und ernstzunehmenden Bundesligaklub entwickelt hat.“

          Im Fall Wolf ist nun offiziell, was sich schon in der vergangenen Woche angedeutet hatte: Wolf verlässt die Eintracht und schließt sich Borussia Dortmund an. Nach Torwart Lukas Hradecky, der fortan für den Bundesligarivalen Bayer 04 Leverkusen im Tor stehen wird, ist Wolf schon der zweite Frankfurter Stammspieler, der bei einem seit Jahren europäisch spielenden Klub eine neue sportliche und wirtschaftliche Herausforderung sucht. Ebenso wie Hradecky hat auch Wolf einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet, der ihn bis einschließlich 30. Juni 2023 an den BVB bindet. Die Borussia konnte sich auch deshalb Wolfs zukünftige Dienste sichern, weil es eine festgeschriebene Ablösesumme von fünf Millionen Euro gab. Davon hat der einzige börsennotierte Fußballverein Deutschlands Gebrauch gemacht.

          Der kometenhafte Aufstieg von Marius Wolf hat damit die nächste Entwicklungsstufe erreicht. Zur Erinnerung: Vor seinem eineinhalbjährigen Engagement bei der Eintracht war Wolf scheinbar hoffnungslos in Hannover ins Abseits geraten. Er spielte in der Regionalliga und gemeinhin keine große Rolle mehr. Dort wurde Sportdirektor Bruno Hübner auf ihn aufmerksam, der Wolf nach Frankfurt holte – und später seinerseits von einer Option Gebrauch machte, die den 96ern missfiel: Die Eintracht sicherte sich für eine gleichfalls festgeschriebene Ablösesumme – diesmal 500 000 Euro – die Rechte an Wolf. Der nutzte beherzt die Chance, die sich ihm in Frankfurt bot. „Als Marius zu uns kam, war er ein Hänfling“, sagte Trainer Niko Kovac. „Ich habe ihm gesagt, dass er Muskelmasse zulegen muss.“

          Freude in Dortmund

          Wolf wurde stärker und kräftiger, erhöhte sein Körpergewicht von 74 auf 80 Kilogramm und sicherte sich schnell einen Stammplatz in der Bundesligamannschaft, in der er insgesamt 31 Mal zum Einsatz gekommen ist und mit fünf Toren und neun Vorlagen auf sich aufmerksam gemacht hat. Im Pokal brachte es Wolf im Dress der Eintracht als unumstrittene Stammkraft auf sieben Einsätze – den letzten und erfolgreichsten am 19. Mai im Berliner Olympiastadion. Dort erlebte der am vergangenen Sonntag 23 Jahre alt gewordene Wolf das vorläufige Highlight seiner Karriere: Er wurde DFB-Pokalsieger und deutete schon unmittelbar nach dem 3:1 gegen Bayern München seinen bevorstehenden Weggang nach Dortmund an. Borussia Dortmund und sein neuer Coach Lucien Favre können sich nun auf einen jungen Fußballprofi freuen, der sich zeit seines Wirkens bei der Eintracht mit Feuereifer zum Wohl der Mannschaft aufgerieben hat. Kevin-Prince Boateng, auf dem Platz Wolfs Mitspieler und abseits des Rasens einer seiner persönlichen Freunde, sagte kürzlich über Wolfs Zukunftsaussichten: „Wenn der nicht Nationalspieler wird, höre ich mit Fußball auf.“

          Alexander Meier muss sich indes nach einer anderen Betätigung umsehen. Weitermachen will der Torjäger, der 14 Jahre lang das Trikot der Eintracht trug, aber n den vergangenen zwei Jahren verletzungsbedingt auf nur 26 Pflichtspieleinsätze kam, auf jeden Fall. „Ich fühle mich fit, habe in den vergangenen Monaten sehr hart für mein Comeback gearbeitet und möchte weiter Fußball spielen“, sagte Meier, „Das ist für mich das Wichtigste.“ Nach seiner aktiven Laufbahn bekomme Meier in Frankfurt einen Anschlussvertrag, teilte die Eintracht mit. In welcher Funktion, ob als Trainer im Jugendfußball oder als Markenbotschafter – oder doch in einer ganz anderen Rolle, werde er selbst entscheiden. Die Eintracht plant, Meier im Rahmen des Supercups gegen den FC Bayern München offiziell zu verabschieden. Zudem wurde ihm ein Abschiedsspiel garantiert.

          Verlässt die Eintracht: Alexander Meier

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