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1. FFC Frankfurt gegen Bayern : Die größte Chance der Saison

  • -Aktualisiert am

„Super drauf“: Tanja Pawollek (rechts) will auch den FC Bayern beeindrucken. Bild: Imago

Der 1. FFC Frankfurt will gegen Bayern München ins Pokal-Halbfinale einziehen – und die Spielzeit nach Anlaufschwierigkeiten noch zu einer besonderen machen.

          Die gesamte Mannschaft war im Kino. Der Eintracht-Film „Die Rückkehr des Pokals“ zeigt ja anschaulich, wie man als Frankfurter Mannschaft in einem K.o.-Spiel Bayern München besiegt. Es ist das Highlight, ja das wichtigste Spiel der bisherigen Saison für die Fußballspielerinnen des 1. FFC Frankfurt. Sie haben bald im heimischen Stadion am Brentanobad die Gelegenheit, ihrer nach Startschwierigkeiten guten Saison eine Extraportion Würze zu verleihen. „Heimspiel, Flutlicht, Pokal, Viertelfinale – und dann noch gegen die Bayern. Wir sind schon ein wenig aufgeregter als sonst“, sagt Mittelfeldkraft Tanja Pawollek. „Wir haben eine gute Chance, weil wir aktuell super drauf sind.“ In der Frauenfußball-Bundesliga geht es für die Hessinnen nur noch darum, ihren Aufwärtstrend der vergangenen Monate zu bestätigen und gegebenenfalls noch Rang vier zu erreichen. Im Pokal, der im Frauenfußball eine besondere Bedeutung und Wertschätzung genießt, lässt diese Spielzeit aber noch zu einer besonderen formen.

          „Das Spiel ist ein absolutes Highlight für uns. Wir hoffen natürlich, dass es nicht das größte Spiel in dieser Saison bleibt, sondern noch weitere folgen“, sagt FFC-Cheftrainer Niko Arnautis. Der Außenseiter will die Münchnerinnen auf dem Rasen soweit entnerven, dass die Unterschiede zwischen dem bayrischen Starensemble und dem hessischen Außenseiter verschwimmen. Dabei wird es nicht zuletzt auch auf einen besonderen Tag von Tanja Pawollek ankommen. Obwohl vor wenigen Wochen erst 20 Jahre alt geworden, hat sie sich im defensiven Mittelfeld zu einer Führungsspielerin aufgeschwungen. Eine, die mit ihrem schussstarken linken Fuß auch aus der Distanz Torgefahr entwickelt – fünf Pflichtspieltore hat sie in dieser Runde schon erzielt.

          Die Obertshausenerin ist ein Paradebeispiel für den Paradigmenwechsel beim FFC, seitdem wirtschaftlich bedingt keine Stars aus aller Herren Länder, sondern junge deutsche Spielerinnen das Bild prägen. Im Falle von Tanja Pawollek sogar aus der Region stammend. Sie spielt schon ihre dritte komplette Bundesligasaison, ist längst nicht mehr wegzudenken. In dieser Runde hat sie jede Pflichtspielminute des FFC auf dem Platz verbracht. Weil sie Fähigkeiten zur kompromisslosen Defensivtätigkeit mit strategischem Weitblick verknüpft und dabei mit ihrer selbstbewussten Ausstrahlung auch auf ihre Mitspielerinnen mitreißend wirken kann.

          „Die Bayern werden nicht Hurra geschrien haben“

          „Ich bin vom Typ eine, die vorangehen will – das möchte ich zeigen und zeige das auch schon. Ich möchte die Mannschaft pushen und immer alles geben“, sagt die 20-Jährige, die für ihre großen Fortschritte mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold, der höchsten DFB-Auszeichnung für Nachwuchsspieler, ausgezeichnet wurde. Beim FFC steht die Mittelfeld-Begabung, die aktuell beim Hessischen Fußball-Verband eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation absolviert, noch bis Juni 2021 unter Vertrag

          Ihre Mutter hätte sie gerne beim Kunstturnen gesehen, doch der kleinen Tanja lagen Tor und Ball näher als der Stufenbarren. Sie durchlief alle deutschen Juniorinnen-Auswahlteams, wurde unter anderem U-17-Europameisterin 2016. Das Besondere ihres Werdegangs: Sie spielte lange Zeit fast ausschließlich unter und mit Jungs. Sogar in der B-Jugend hielt sie als einziges Mädchen der Liga bei den Offenbacher Kickern der SG Rosenhöhe noch mit. „Da habe ich mir meine Robustheit zugelegt“, sagt die in Zweikämpfen offenkundig ziemlich unerschrockene Tanja Pawollek schmunzelnd. Das ist längst auch außerhalb des FFC-Kosmos aufgefallen. Die Belohnung für das Talent folgte, als die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sie im Januar für das Winter-Trainingslager der A-Nationalmannschaft in Marbella nominierte.

          „Dort habe ich bei diesem extrem hohen Niveau sehr viel gelernt und mitgenommen. Und auch gesehen, was mir noch fehlt“, erzählt die laufstarke Tanja Pawollek, deren mangelnde Antrittsschnelligkeit noch ein Makel ist. In Marbella konnte sie sich hautnah von den Qualitäten beispielsweise einer Melanie Leupolz oder Sara Däbritz überzeugen. Gestandene Nationalspielerinnen, mit denen sie es nun im Pokal-Spiel gegen Bayern in der Zentrale zu tun bekommen könnte. In der Liga haben die Bayern erst ein Spiel verloren und stehen punktgleich mit Meister Wolfsburg an der Spitze. „Aber die Bayern“, sagt Coach Arnautis, „werden nicht Hurra geschrien haben nach dem Los, das ihnen das Spiel in Frankfurt beschert hat.“

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