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Spielbank Bad Homburg : Leitungen für Gas und Wasser dank des Roulettekessels

Blick über den Roulette-Teller: der Mollerbau der Spielbank Bild: Frank Röth

In 175 Jahren hat vor allem die Stadt mit dem Casino viel gewonnen. Die Spielbank Bad Homburg gibt sich allein mit ihrer langen Geschichte nicht zufrieden.

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          Um neun Uhr ist Lutz Schenkel gut am Arbeitsplatz zu erreichen. Abends, versteht sich. Das Spielen am Roulettetisch oder an einem der Automaten ist meist eine Beschäftigung für Nachtschwärmer. Oder doch zumindest Teil der Abendunterhaltung, auch wenn das Kleine Spiel schon mittags und das Große Spiel am frühen Nachmittag öffnet. Der Direktor der Spielbank Bad Homburg muss sich daher vor allem nach Einbruch der Dunkelheit um sein Geschäft kümmern. Seit Ende vergangener Woche hat er dabei von seinem Arbeitsplatz einen ungewöhnlich farbenfrohen Ausblick. Unter dem Motto „Kurpark in Flammen“ werden das Casinogebäude, aber auch das Kaiser-Wilhelms-Bad und die Bäume des Parks bunt beleuchtet. Es ist eine der zahlreichen Aktionen zum Jubiläum, denn am Montag wird die Spielbank 175 Jahre alt.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Glücksspiel ist wegen des damit verbundenen Risikos, alles zu verlieren, seit jeher umstritten. Der Frankfurter Dichter und Publizist Friedrich Stoltze empfand Mitte des 19. Jahrhunderts die Homburger Spielbank als „Schandpfahl im Fleische Deutschlands“. Für Kurfürst Wilhelm von Hessen-Kassel machte sie Homburg zu einem „Nest von Gesindel, Abenteurern, Beutelschneidern und liederlichen Weibern“. Die Haltung des Fürsten war womöglich durch den Umstand beeinflusst, dass er Spielschulden hatte, die er mit wertvollen Orangenbäumen beglich. Ihretwegen wurde die Orangerie im Kurpark gebaut.

          Mischung aus Restaurant, Spielbetrieb und Unterhaltung

          Für die kleine Residenzstadt der hessen-homburgischen Landgrafen erwies sich das Casino hingegen als Glücksfall. Nicht nur wegen der Spielbankabgabe, von der die Stadt heute etwa ein Drittel bekommt. Sondern auch wegen der dadurch angestoßenen Stadtentwicklung. Als am 23. Mai 1841 in Homburg zum ersten Mal die Kugel im Roulettekessel rollte, wurde am selben Tag der Spatenstich für das erste Kurhaus an der Louisenstraße gefeiert. Zwei Jahre später war es fertig und fortan ein Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens mit Spiel- und Ballsaal. Schon 1850 wurde es erweitert und bekam ein Theater.

          Bis zur Eröffnung des Kurhauses war das Casino im Brunnensälchen im Kurpark untergebracht, weshalb die Ursprünge dort liegen, wo auch heute wieder das Große Spiel angeboten wird. In den 1966 und 2004 entstandenen Anbauten befinden sich das Kleine Spiel mit den 160 Automaten, die 60 bis 70 Prozent des Bruttospielerlöses ausmachen, und die Lounge im Obergeschoss. Vor zwölf Jahren wurde auch die Tiefgarage eröffnet, die einen direkten Zugang zum Casino ermöglicht. Was der Sicherheit ebenso dient wie der Diskretion, die viele Besucher immer noch schätzen.

          Dass der Spielbank etwas Verruchtes anhafte, sei ein deutsches Phänomen, hat Schenkel beobachtet. „Manche Gäste gehen auf dem Weg ins Restaurant gesenkten Blicks durchs Große Spiel“, sagt der Direktor. Erst nach dem Essen stellten sie sich vielleicht doch einmal an einen Roulettetisch. Für Besucher aus Asien oder dem Nahen Osten sei es hingegen völlig normal, als Freizeitbeschäftigung ins Casino zu gehen. „Es ist für sie eher ein Treffpunkt.“ Mit der Mischung aus Restaurant, Spielbetrieb und Unterhaltungsprogramm in der Lounge will die Spielbank ein Komplettangebot für einen abwechslungsreichen Abend machen.

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