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Spielbank Bad Homburg : Leitungen für Gas und Wasser dank des Roulettekessels

2013 blieben viele Gäste weg

Seit Anfang 2013 ist die Kur- und Kongreß GmbH und damit erstmals eine städtische Tochtergesellschaft Konzessionär der Spielbank. Die Übernahme fiel in die Krise der 62 deutschen Spielbanken, deren Bruttospielertrag sich nach Angaben des Deutschen Spielbankenverbands zwischen 2007 und 2014 nahezu halbierte, von 923 Millionen auf 508Millionen Euro. Als Gründe werden meist die Glücksspielregulierung von 2008 mit den vorgeschriebenen Einlasskontrollen, das bundesweite Rauchverbot und die Konkurrenz durch Glücksspiele im Internet genannt.

Hier rollt die Kugel: Das Brunnensälchen im Kurpark wird heute von der Spielbank genutzt. Dort war 1841 auch erstmals gespielt worden.
Hier rollt die Kugel: Das Brunnensälchen im Kurpark wird heute von der Spielbank genutzt. Dort war 1841 auch erstmals gespielt worden. : Bild: Wolfgang Eilmes

2013 blieben viele Gäste in Bad Homburg weg, weil die Säle für drei Millionen Euro renoviert wurden. „Das habe ich andernorts noch nie erlebt, da fanden die Leute die Arbeiten spannend“, sagt Schenkel. Zugleich verbot die Finanzaufsicht Bafin, auf Kreditkarten Bargeld auszugeben, das früher am Tisch gegen Jetons getauscht wurde. Durch den Konzessionärswechsel gab es für Bad Homburg keine Übergangszeit, um eine andere Lösung für dieses nicht mehr gestattete „Bankgeschäft“ zu finden. Schenkel beziffert den anfänglichen Umsatzverlust auf vier Millionen Euro im Jahr. Statt Bargeld bekämen die Gäste jetzt spezielle Jetons, für die sie am Tisch die eigentlichen Jetons zum Spielen erhielten, beschreibt der Direktor den Kompromiss.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Die schlechteren Zahlen ließen auch die Politik kritisch auf Casino und Kurgesellschaft blicken, weil die Abgabe zum Beispiel für die Pflege des Kurparks verwendet wird. Außerdem fließt das Geld in eine Wohnungsbau-Rücklage, mit der die Stadt unter anderem Mieten von Wohnungen subventioniert, über die sie als Generalmieter verfügt. Konnte Bad Homburg 2005 mit zehn Millionen Euro von der Spielbank kalkulieren, waren es 2014 nur noch vier Millionen. Doch inzwischen machen sich die Investitionen bezahlt. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Schenkel. Die Spielbank Bad Homburg mit ihren 230 Mitarbeitern liege bundesweit auf dem fünften Platz, nachdem sich der Bruttospielertrag von 18,4 Millionen Euro in den Jahren 2013 und 2014 auf 24,5Millionen im vergangenen Jahr erhöht habe.

Als städtische Enkeltochter erinnert die François-Blanc-Spielbank GmbH mit ihrem neuen Namen an den aus Frankreich stammenden Gründer, der mit seinem Zwillingsbruder Louis Blanc die erste Konzession vom Landgrafen erwarb. Ihr Casino lockte internationale Gäste in das kleine Kurbad, das wiederum einen Kurpark, aber auch Gaslicht und Wasserleitungen bekam.

Als die Spielbank Ende 1872 nach einem Beschluss des preußischen Abgeordnetenhauses den Betrieb einstellen musste, halbierte sich die Zahl der Kurgäste. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang der Spielbank ein Neuanfang. François Blanc hatte sich 1863 mit der Konzession für das Casino in Monaco ein zweites Standbein geschaffen. Weshalb sich die Bad Homburger Spielbank als „Mutter von Monte Carlo“ bezeichnet.

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