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Spielbank Bad Homburg : Kulturbruch mit positiven Folgen

Französisches Roulette: Die Spielbank in Bad Homburg hat Tradition. Bild: Wolfgang Eilmes

Bisher hält sich die Politik zwecks der Konzession für die Spielbank zurück. Es gibt aber keinen Grund, warum die Betriebserlaubnis nicht verlängert werden sollte.

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          Rangeleien um Sitze im Verwaltungsrat, Spekulationen über großzügige Geschenke an die Stadt oder gar Parteispenden: Wenn es um die Konzession für die Spielbank geht, ist die Bad Homburger Politik in früheren Zeiten zur Hochform aufgelaufen. Das ist bisher ausgeblieben, auch weil es jetzt nur um die Verlängerung und nicht um die Neuausschreibung geht. Spielbankdirektor Lutz Schenkel und Kur-Geschäftsführer Holger Reuter können von höheren Gästezahlen und steigendem Bruttospielerlös berichten. Es gibt daher keinen Grund, sich nicht um weitere fünf Jahre Betriebserlaubnis zu bemühen.

          Weil Spielbank und Bad Homburg schon immer zusammenzugehören schienen, war vielen der Kulturbruch gar nicht bewusst, der sich vor sechs Jahren vollzog. Zum ersten Mal in der 178 Jahre zurückreichenden Geschichte wurde die Stadt, wenn auch indirekt, für den Spielbetrieb zuständig. Der hatte bis dahin immer in privaten Händen gelegen. Angefangen mit den französischen Investoren François und Louis Blanc, die dem armen Residenzstädtchen mit ihrem Geld und dem der Spieler das erste Kurhaus samt Park bescherten.

          Die Kur-Tochter François-Blanc-Spielbank GmbH musste also erst einmal beweisen, dass sie es genauso gut kann wie private Betreiber. Das ist ihr offenkundig gelungen. In schwierigen Zeiten gestartet, hat sich die Bad Homburger Spielbank besser als die Branche entwickelt. Nicht einmal der unfreiwillige Wechsel auf dem Posten des Kurdirektors im vergangenen Jahr hat ihr geschadet. Zu hoch sollten die Erwartungen gleichwohl nicht sein. Trotz der jüngsten Erholung lag der Bruttospielerlös 2018 deutschlandweit ein Viertel unter dem Wert von 2007, die Zahl der Besuche um 37 Prozent. Das Geschäft läuft auch künftig nicht von selbst.

          Außer wegen ihrer Einnahmen hat die Spielbank für das Image Bedeutung. Zwar zieht sie nicht mehr wie in den Anfängen die Masse der internationalen Gäste in die Kurstadt. Aber sie sorgt nach wie vor für den mondänen Unterton, wenn der Name Bad Homburg fällt. Dass die Stadt auf den Ruf Einfluss nehmen will, ist deshalb durchaus ein Argument für ihr Engagement im Casino mitten im Kurpark.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

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