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Eintracht Frankfurt : Andere Büffel, andere Klasse

  • -Aktualisiert am

Grund zur Freude: Stürmer Gonçalo Paciência feiert den Erfolg mit seiner Mannschaft. Bild: EPA

Das 3:0 über Leverkusen brachte das Wilde und Unberechenbare zurück in die Frankfurter Arena. Nicht nur die Zuschauer waren begeistert. Doch auch große Emotionen garantieren keine Leistungen.

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          Die Eintracht hat die Saison sehr ordentlich begonnen. Das 3:0 im Heimspiel über Racing Straßburg, das die neuerliche Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League sicherte, war jedoch bis zum Freitag das einzige Erfolgserlebnis, das in seiner Intensität an die dramatische vergangene Spielzeit erinnerte. Ansonsten präsentierten sich die Frankfurter wie jede andere gutsituierte Mittelklassemannschaft der Bundesliga: gepflegt, ordentlich, diszipliniert, mal etwas besser, mal etwas weniger gut ihrer Fähigkeiten abrufend.

          Das 3:0 über Bayer Leverkusen brachte nun das Wilde, das Unberechenbare, das Unbändige zurück in die Frankfurter WM-Arena. Wie die Eintracht das vielleicht talentierteste Team der Liga erst niederrannte und an die Wand spielte und danach den Vorsprung aufopferungsvoll verteidigte, als die Werkself zu sich gefunden hatte, das musste die Zuschauer mitreißen. Hintereggers Monster-Grätsche, die gegen Havertz den Ausgleich zum 1:1 verhinderte, Kostics bei seinem Gegenspieler Weiser schwindelerregende Dribblings, Dosts mit eisernem Willen erzwungenes 3:0, Rönnows erstaunliche Paraden – das nur waren einige der Aktionen, die die völlige Identifizierung des Publikums mit den Fußballprofis auslösten. Es entstand eine leidenschaftliche Wechselbeziehung wie in den mitreißenden Europapokal-Nächten.

          Mannschaft im Rausch

          Was zu den schönsten Hoffnungen Anlass gibt. Denn die Eintracht weiß jetzt, dass sie auch ohne die „Büffelherde“ zu Außergewöhnlichem fähig ist, wenn sie sich wieder an sich selbst berauscht. Paciência, Silva und Dost zeichnet nicht diese Wucht und diese Dynamik aus, mit denen Jovic, Rebic und Haller in der vergangenen Spielzeit 57 Pflichtspieltore erzielten. Aber das Trio ist mit seinen Mitteln auf dem besten Weg, eine ähnliche Torquote zu erreichen. Sie stehen nach rund einem Viertel der Saison in der Addition bei 14 Treffern. Und ihre Eingewöhnungszeit ist noch nicht einmal abgeschlossen.

          Große Emotionen sind nicht unbedingt der Garant oder auch nur eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Saison. Es war kein Wunder, dass die Eintracht im Frühjahr nach vielen Höhepunkten dem Saisonende kraftlos entgegentaumelte. In dieser Spielzeit stehen die Leistungen auf einer stabileren Grundlage. Mit Kamada und Sow verbesserte die Eintracht ihr spielerisches Potential, mit Durm, Kohr und Chandler (nach Verletzung zurückgekehrt) gibt es mehr Alternativen auf den Außenbahnen und im zentralen Mittelfeld. Die Eintracht hat die Qualität und die Breite im Kader, um bis zum Schluss um die Europapokalplätze mitzuspielen – wenn sie die Leidenschaft vom Freitag regelmäßig mobilisiert. Falls das nicht gelingt, wird sie wegen ihrer gewachsenen Klasse zumindest mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Das ist auch schon mal was.

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